Kommt Hilfe für verfallendes Gewerbegebiet Primerburg?

Die alten Gebäuden in Primerburg verwahrlosen immer mehr. Unternehmer Maik Karsten inmitten von Unrat. Foto: Jens Griesbach
1 von 2
Die alten Gebäuden in Primerburg verwahrlosen immer mehr. Unternehmer Maik Karsten inmitten von Unrat. Foto: Jens Griesbach

von
26. Mai 2008, 08:11 Uhr

Güstrow - „Viele Kunden, die auf unseren Hof kommen, fragen sich, ob hier überhaupt noch etwas ist. Sie sind vor allem von dem schlechten Erscheinungsbild abgeschreckt“, sagt Maik Karsten. Der Geschäftsführer von Lemcke und Strübing nennt die schlechte Situation des knapp sechs Hektar großen Gewerbegebietes Primerburg „geschäftsschädigend“.

Auf dem Hof des ehemaligen Landwirtschaftlichen Instandsetzungswerks (LIW) verkauft sein Unternehmen seit 13 Jahren Autoersatzteile und repariert Motoren vom Motorrad bis zum Lastwagen. Eine große Halle wurde dafür gekauft und saniert. Doch bevor der Kunde zu Lemcke und Strübing gelangt, muss er erst einmal durch Ruinen fahren.

„Es muss endlich Ordnung geschaffen werden“

Weitere Unternehmen aus der Kfz-Branche haben sich auf dem etwas versteckt liegenden Hof angesiedelt. So auch Nutzfahrzeuge Godemann. „Wir haben in den vergangenen Jahren selber investiert, um die Situation zu verbessern“, sagt Ronald Godemann. „15 Jahre ist von Seiten der Stadt nichts passiert“, schimpft er. „Es muss endlich Ordnung geschaffen werden. Die alten Ruinen abreißen und einfach grün machen, damit das Gesamtbild verbessert wird.“ Eine Forderung, die die Gewerbetreibenden von Primerburg schon lange erheben.

Allen voran Ursula Jockel, die mit ihrem Mann seit 1990 eine Kfz-Werkstatt in Primerburg betreibt. „Nach der Insolvenz des LIW ist der Standort immer weiter verfallen. Der heutige Zustand ist unhaltbar“, erzählt sie. Doch unter ihrer Führung setzten sich im Jahr 2004 sieben Unternehmen aus dem Gewerbegebiet dagegen zur Wehr.

In einer Protestnote erhoben sie zahlreiche Forderungen an die Stadt, bemängelten die fehlende Straßenbeleuchtung, den fehlenden Bürgersteig, die nicht vorhandene Busanbindung, die schlechte Zufahrtssituation, die Unfallgefahr in den verfallenen Gebäuden sowie den Vandalismus, Diebstahl und die illegale Müllentsorgung in den Ruinen. Alle diese Probleme sind immer noch nicht gelöst. Es gab Vor-Ort-Termine mit der Stadt. „Wir haben wirklich Druck gemacht“, sagt Ursula Jockel. Doch passiert ist bisher nichts.

Auch Ursula Jockel nennt die Situation „geschäftsschädigend“. Direkt neben dem Gewerbegebiet würden zudem alte Klärgruben der Zuckerfabrik liegen. „Im Sommer haben wir hier eine starke Geruchsbelästigung, ein beißender Ammoniak-Gestank“, sagt sie. Mehrfach forderte Ursula Jockel Unterstützung von der Stadt. „Die Stadt lässt uns am langen Arm verhungern. Aber wir sind auch noch da, kleine Firmen, die ausbilden und Steuern bezahlen.“

Die Stadt Güstrow schien das Gewerbegebiet Primerburg bereits aufgegeben zu haben. Sie machte den ansässigen Firmen 2006 sogar ein Umsiedlungsangebot, um das Gelände weiter verfallen zu lassen und Kosten zu sparen. „Wir hatten Betriebsverlagerungen angedacht. Das ist jedoch gescheitert“, so Güstrows Bürgermeister Arne Schuldt.

In den Industriepark an der Glasewitzer Chaussee sollten die Unternehmen aus Primerburg umziehen und hier neue Räumlichkeiten anmieten. „Aber wir haben Eigentum in Primerburg, uns alles selbst erarbeitet und investiert. Dieser Vorschlag von der Stadt war nicht durchdacht“, sagt Ursula Jockel. Deshalb soll der Standort jetzt entwickelt werden, kündigt der Bürgermeister an.

Die Stadtvertretung hat die Aufstellung eines Bebauungsplans für den Gewerbestandort beschlossen (SVZ berichtete). Planungsziel ist die geordnete städtebauliche Entwicklung. Altlasten sollen entsorgt und Ruinen abgerissen sowie das Gelände vernünftig erschlossen werden. Bisher werden nur 45 Prozent des Gebietes gewerblich genutzt, 2,7 Hektar stehen leer und verfallen. Auch die Stadt hat nach Jahren erkannt, dass die Außendarstellung des Standortes mangelhaft ist und Neuansiedlungen erschwert.

„Es hätte schon viel früher etwas passieren müssen“
Ursula Jockel begrüßt die Entscheidung der Stadtvertreter. „Wenn wir nicht immer wieder Druck gemacht hätten, wäre dieser Beschluss nicht zustande gekommen“, sagt sie. „Allerdings hätte schon viel früher etwas passieren müssen.“ „Wir warten lange genug“, sagt auch Maik Karsten. Jetzt hofft er, dass sich nach der Erschließung neue Firmen in Primerburg ansiedeln. Doch Ronald Godemann bleibt skeptisch.„Es wäre natürlich toll für uns, aber ich glaube nicht daran“, sagt er frustriert.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen