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EU: Biosprit aus Algen, Holzresten und Stroh gefordert : Kommt das Aus für E10?

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Die Zukunft des E10-Biosprits ist ungewiss. Denn die EU-Kommission will den Boom von Biokraftstoffen aus Nahrungsmitteln stoppen. Fördern will sie die Entwicklung klimafreundlichen Sprits etwa aus Algen oder Müll.

svz.de von
erstellt am 17.Okt.2012 | 08:11 Uhr

Brüssel | Die Zukunft des deutschen E10-Biosprits ist ungewiss. Denn die Brüsseler Kommission hat gestern eine Wende ihrer bisherigen Strategie zum Einsatz von Kraftstoffen aus Nahrungspflanzen verkündet. Zwar will die EU am Ziel, bis 2020 zehn Prozent des im Verkehr verbrauchten Benzins und Diesels zu ersetzen, festhalten. Treibstoff aus Nahrung oder Futtermitteln sollen dabei aber nur noch die Hälfte ausmachen. Ab 2020 wird die Kommission die Förderung von Öko-Energien aus Lebensmitteln vollständig einstellen.

"Unser Vorschlag wird neue Anreize für Bio-Kraftstoffe mit optimaler Klimabilanz setzen", zeigte sich Energiekommissar Günther Oettinger überzeugt. Seine Kollegin aus dem Klimaschutzressort, Connie Hedegaard, erklärte: "Wenn Biokraftstoffe zur Bekämpfung des Klimawandels beitragen sollen, müssen sie sich durch Nachhaltigkeit auszeichnen." Genau das sei bei den derzeitigen Produkten nicht der Fall. In den USA wandern bereits 40 Prozent der Maisernte in die Tanks. Der deutsche E10-Kraftstoff besteht zwar nur aus Futtergetreide und Industrierüben. Die werden aber importiert und haben somit ebenfalls Auswirkungen in den Anbaustaaten. Umweltschützer verweisen seit langem auf die katastrophalen Folgen für das Klima, weil zum Anbau von Mais, Soja und Raps riesige Flächen in südamerikanischen oder asiatischen Regenwäldern freigeholzt werden. Fazit der Kommission: "Der Anbau unter solchen Umständen kann einige oder alle Treibhaus-Einsparungen zunichtemachen." Damit will Brüssel nun Schluss machen. "In Zukunft sollen die Klimaziele durch fortschrittliche Biokraftstoffe erzielt werden", sagte Kommissarin Hedegaard. Damit sind grüne Energiequellen wie Holzreste, Algen, Stroh oder Klärschlamm gemeint. Zwar kann die Bundesregierung, die den Kommissionsvorschlag nach der Zustimmung des Europäischen Parlamentes in nationales Recht umsetzen muss, an ihrer E-10-Linie festhalten. Sie muss dann aber hinnehmen, dass ein Biosprit-Anteil von mehr als fünf Prozent nicht auf ihre Energiebilanz angerechnet wird. Und das macht eine Fortführung der bisherigen Politik wenig attraktiv.

Dabei hat Brüssel sogar eine vergleichsweise lasche Linie eingeschlagen. Ursprünglich war geplant, die einzelnen Treibstoffarten hinsichtlich ihrer Öko-Bilanz zu bewerten. Dabei hätte Diesel schlechtere Noten als Bio-Benzin bekommen. Er wäre zum ungeliebten Kind für Hersteller und Lieferanten geworden. Denen hatte die EU nämlich zur Auflage gemacht, dass ihre Kraftstoffe bis 2020 sechs Prozent weniger Klimakiller erzeugen dürfen. Nun hat die Kommission die Einzelbewertung fallen gelassen - offenbar auf massiven Druck der Industrie hin.

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