Kommentar: Zukunftsträchtiger Deal

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25. März 2008, 07:05 Uhr

Die Russen gehen auf Einkaufstour in Mecklenburg. Staatlich gelenkte Finanzinvestoren aus dem Putin-Reich haben sich in zwei der wichtigsten Industriebetriebe in MV eingekauft. In den Aker-Werften in Wismar und Warnemünde haben Investmentbanker das Sagen. Heuschrecken in den Docks an der Ostseeküste? Kaum.

Für renditesüchtige Finanzinvestoren lohnt das Aker-Schiffbaugeschäft kaum – zu niedrig sind die Ergebnisse für das schnelle Geschäft. Und so scheint der Deal eher langfristig angelegt. Mit dem Russen-Einstieg kommt zwar das Gefühl der Unberechenbarkeit staatlicher Entscheider im Kreml auf. Auf den ersten Blick könnte sich das Geschäft aber für alle Seiten lohnen. Der Aker-Konzern, der erst im März deutliche Verluste im Schiffbau melden musste, macht Kasse. Die Norweger versilbert in den vorerst nur bis 2010 dauernden auftragsreichen Zeiten ihre gewinnträchtigen Werften in Deutschland.

Die Russen aber sichern sich mit ihrem Investment das Know-how, was sie brauchen, um ihre marode Handelsflotte aufzupeppen und Spezialschiffe für das Öl- und Gasgeschäft auf Kiel zu legen. Auftragschancen für Wismar und Warnemünde: Ohnehin stärkt der Einstieg der Russen die Position der Ost-Werften gegenüber der asiatischen Konkurrenz. Denn die, selbst im Containerschiffbau auf dem Markt stark unterwegs, wäre lieber an einer Zerschlagung des Schiffbaus an der Ostseeküste interessiert, als an langfristigen Geschäfte. Alles in allem also eine zukunftsträchtige Entscheidung für den Schiffbaustandort MV.

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