Komasaufen

von
28. März 2008, 04:55 Uhr

Der tragische Alkohol-Tod des 16 Jahre alten Berliner Schülers Lukas hat vor einem Jahr bundesweit Entsetzen und eine wochenlange Debatte über Alkoholkonsum von Kindern und Jugendlichen ausgelöst. Getan hat sich seitdem jedoch wenig. Der Junge hatte bei einem Wett-Trinken mit einem Wirt Ende Februar vergangenen Jahres 45 Tequila getrunken und war daraufhin ins Koma gefallen. In der Nacht zum 29. März 2007 starb der Gymnasiast schließlich an den Folgen seiner schweren Alkoholvergiftung.

Der Tod des 16-jährigen Schülers hatte Eltern und Politiker wachgerüttelt – zumindest kurzzeitig. Im Kampf gegen das „Kampftrinken“ forderten Politiker ein generelles Alkoholverbot für Jugendliche unter 18 Jahren. Eltern klagten die Organisatoren sogenannter Flatrate-Partys an. Bei diesen Feiern können Besucher gegen eine Pauschale so viel trinken, wie sie können.

Doch verändert hat sich seitdem wenig. Noch immer ziehen Jugendliche am Freitag- und Samstagabend in Gruppen durch die Städte, trinken Wodka und torkeln frühmorgens schwer angeschlagen in ihr Bett. Noch immer bekommen sie trotz gesetzlicher Verbote in Supermärkten harte Alkoholika und noch immer schenken ihnen Barkeeper Cocktails und Tequila aus.

Berlins Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke) kritisierte mehrfach: „Jede Flasche Alkohol, die ein Jugendlicher in der Hand hat, hatte zuvor ein Erwachsener in der Hand.“

Die Berliner Polizei zog vor kurzem eine erschreckende Bilanz: Innerhalb eines dreiviertel Jahres griffen die Beamten allein in der Hauptstadt 663 zum Teil stark alkoholisierte Kinder und Jugendliche auf. Außerdem stellten die Beamten im selben Zeitraum von April bis Dezember des vergangenen Jahres insgesamt 245 Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz fest. Die Bar, in der sich Lukas ins Koma trank, verlor allerdings ihre Konzession.

Erste Neuregelungen gibt es zwar auch, sie wirken allerdings eher zaghaft: In Baden-Württemberg darf seit einigen Wochen aus Gründen des Jugendschutzes an Tankstellen nachts kein Alkohol mehr verkauft werden und in einigen Berliner Bezirken ist das Trinken von Alkohol auf Spielplätzen mittlerweile verboten.

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