König Kunde kommt in die Jahre

Dieter Sembritzki (l.) lobteVize-Marktleiter Andreas Ille.
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Dieter Sembritzki (l.) lobteVize-Marktleiter Andreas Ille.

Ältere Menschen kaufen viel lieber ein, als mancher Ladeninhaber denkt. Doch weil auch im Einzelhandel der Jugendwahn verbreitet ist, haben es die Rentner beim Shoppen oft schwer: Preise sind zu klein ausgedruckt, es fehlen Stühle zum Ausruhen. Dabei lohnt sich mehr seniorenfreundlicher Service: Die kaufkräftige Kundengruppe der Rentner wächst stetig. Seniorenbüro, IHK, Stadtmarketing GmbH und Kommune wollen nun für altersgerechteres Einkaufen in Schwerin werben. SVZ machte mit Dieter Sembritzki (71) in einem Baumarkt den Test.

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30. Januar 2009, 07:32 Uhr

Schwerin | Zielstrebig schreitet Dieter Sembritzki auf die große Glastür des OBI-Baumarkts in Görries zu - sie öffnet sich automatisch, Sembritzki lächelt: "Sehr schön", sagt der 71-Jährige. Schon auf dem Parkplatz vor dem Geschäft sei ihm aufgefallen, dass die Stellflächen großzügig gestaltet sind, so dass auch Senioren bequem ein- und aussteigen können. "Das fängt ja wirklich gut an", sagt Sembritzki und betritt den Baumarkt. Der Rentner ist einer von zahlreichen Testern, die von kommender Woche an etliche Schweriner Geschäfte auf ihren seniorenfreundlichen Service hin überprüfen werden. Zehn Einzelhändler und Dienstleister haben sich bislang für die Aktion von Seniorenbüro, Industrie- und Handelskammer, Stadtmarketing-Gesellschaft und Kommune angemeldet, wollen sich dem freiwilligen Test unterziehen.

Breite Gänge kommen bei älteren Kunden anDieter Sembritzki ist bereits tief in die OBI-Halle vorgestoßen. Auch die Gänge im Baumarkt halten seinem prüfendem Blick auf Anhieb stand: "Sie sind sehr schön breit und nicht vollgestellt." Besonderes Lob erhält der stellvertretende Marktleiter Andreas Ille für die großen Zahlen auf den Preisschildern. "Viele Geschäfte preisen ihre Waren viel zu klein aus, das können Senioren oft nicht lesen", so Sembritzki. Gut findet er bei OBI auch, dass die Toilette vielfach ausgeschildert ist.

Wohlwollend vermerkt Sembritzki ebenfalls, dass ihm prompt ein Mitarbeiter zu Hilfe eilt, als er sich für eine ganz oben im Regal stehende Leiter interessiert. "Ältere Menschen brauchen eben öfter einmal Unterstützung", sagt der Tester in spé. Einige wenige Hinweise in punkto Seniorenfreundlichkeit hätte er für Vize-Marktleiter Ille zwar noch, aber die werden nicht verraten. Schließlich macht OBI beim Service-Test mit. Andreas Ille: "Wir lassen uns gern auf den Prüfstand stellen, wenn es darum geht, noch mehr für ältere Kunden zu tun."

Tatsächlich kann sich seniorenfreundlicher Service für Einzelhändler in Schwerin sprichwörtlich auszahlen. "Mit einem Durchschnittsalter von 44,5 Jahren ist Schwerin eine der ,ältesten Städte in Mecklenburg-Vorpommern", sagt Christine Dechau vom Seniorenbüro. Von den derzeit etwa 97 000 Einwohnern seien mehr als 41 000 älter als 50 Jahre. "Doch diese wachsende Bevölkerungsgruppe findet in manchen Geschäften leider noch nicht die Be dingungen vor, die ein unbeschwertes Einkaufen ermöglichen", so Dechau.

Mit dem geplanten Test wollen die Initiatoren der Aktion alle Einzelhändler und Dienstleister in der Stadt dazu bewegen, dies zu ändern. Auf dem Bewertungsbogen der Tester stehen deshalb folgende Stichpunkte: übersichtliche Laden- und Warengestaltung, Lesbarkeit der Preis- und Ange botsaus schilderung, Erreichbarkeit der Produkte, Angebot an seniorengerechten Produkten, Barrierefreiheit, Serviceleistungen, freundliches, hilfsbereites und fachliches Personal sowie verständliche Beratung und Sitzmöglichkeiten. Die Firmen, bei denen Seniorenfreundlichkeit festgestellt wurde, erhalten nach Ende der Aktion eine Urkunde und ein Zertifikat.

Senioren achten auf Qualität und Beratung "Seniorenhaushalte sind konsumfreudiger als oftmals angenommen", sagt Angela Preuß, die bei der IHK für Handel verantwortlich zeichnet. Hintergrund: Die Kaufkraft der Generation 50plus ist dreimal so hoch wie die der 14- bis 29-Jährigen. "Die Bedeutung von älteren Menschen für die Konsumnachfrage wird aufgrund der Alterung der Gesellschaft in den kommenden Jahren noch weiter ansteigen", sagt Angela Preuß.

Überdurchschnittlich viel tragen Senioren zum Konsum in den Bereichen Wohnen, Gesundheitspflege und Freizeitgüter bei. Und das durchaus kritisch: Durch ihre langjährige Konsumerfahrung sind Senioren wahre Kaufprofis geworden - und wollen auch so behandelt werden. "Sie achten auf Qualität und möchten beraten werden", sagt Angela Preuß.

Das kann Service-Tester Dieter Sembritzki nur bestätigen: "Immer mehr Senioren auch in Schwerin gestalten ihr Leben aktiv, wollen sich etwas gönnen und nicht verzichten."

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