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Canower Fischer ziehen Hechte auf : Knochenarbeit an der Angel

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Holtmann und Müller tragen Wathosen und stehen am Ufer des Canower Sees. Nur mit Mühe halten die beiden Männer einen Hecht von knapp einem Meter Länge fest, der hin und her schlägt.

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erstellt am 28.Apr.2011 | 11:41 Uhr

Robert Holtmann und Mayk Müller tragen orangefarbene Wathosen und stehen am Ufer des Canower Sees. Nur mit Mühe halten die beiden Männer einen Hecht von knapp einem Meter Länge fest, der kräftig hin und her schlägt. Mit einer schnellen Handbewegung streifen sie an der Unterseite des Weibchens den Rogen ab und fangen ihn in einer Schale auf. Danach wird der Hecht freigelassen, der nächste ist an der Reihe. Das traditionelle Laichabstreifen ist Knochenarbeit für die Seenfischer der Genossenschaft Obere Havel, es hilft jedoch, die Hechtbestände in Mecklenburg-Strelitz zu sichern.

Würde man sich nur auf die natürliche Entwicklung der Bestände verlassen, wäre die Ausbeute geringer, sagt Fischermeister Wolfgang Bork, Geschäftsführer der Genossenschaft. Einfach wäre es auch, den Nachwuchs zu kaufen und einzusetzen. Das wiederum sei aber teuer. Also werde selbst gezüchtet - bei den Hechten sogar sehr erfolgreich.

"Das geht manchmal schon im Februar los, wenn die Hechte ins seichte Wasser schwimmen und dort laichen. Selbst wenn gerade mal das Ufer aufgetaut ist", sagt Bork. Für die Fische zähle nur die Dauer der Sonneneinstrahlung, dann legten sie los.

Eine Schwanenfeder ist immer dabei

Die Fischer holen die laichreifen Hechte bis Ende April aus dem See und streifen den Rogen von den Weibchen beziehungsweise die Milch von den Männchen per Hand ab. Das ist gar nicht so leicht, immerhin kann ein weibliches Tier bis zu 1,40 Meter groß und 20 Kilogramm schwer werden. Von einem einzigen Hecht haben Holtmann und Müller mehrere Hunderttausend Eier aufgefangen. Der etwas schlankere männliche Hecht liefert die Milch. Das goldfarben schimmernde Gemisch wird in überdimensionale Reagenzgläser gegeben und mit einer Schwanenfeder umgerührt. Warum ausgerechnet damit? Holtmann zuckt mit den Schultern. Das wisse niemand genau, sei aber Tradition. Die Behälter werden ständig mit Frischwasser versorgt, um ähnliche Bedingungen wie in der Natur zu schaffen.

Damit sei die Arbeit eigentlich getan, sagen die Fischer. Nach 120 Tagesgraden, das bedeutet zwölf Tage à zehn Grad Celsius Wassertemperatur, schlüpfen Millionen kleiner Hechte. In großen Badewannen, die mit Tannenzweigen ausgelegt sind, heften sich die nicht einmal einen Zentimeter großen Tiere an die Tannennadeln und brauchen den Dottersack auf. Ist der "verzehrt", werden die Hechte in Aufzuchtteiche umquartiert und noch ein wenig aufgepäppelt. "Wenn sie ein paar Zentimeter groß sind, kommen sie in unsere Seen", sagt Bork. Davon bewirtschaften die Fischer der Oberen Havel an der Landesgrenze zu Brandenburg 33, die meisten stehen Hobbyanglern mit Angelschein zur Verfügung.

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