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Höhere Gehälter für die Vorstände von TK, DAK, Barmer und Co. : Klingende Kassen

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Während gesetzlich Krankenversicherte immer höhere Beiträge aufbringen müssen, freuten sich die Vorstände vieler gesetzlichen Krankenkassen über gestiegene Gehälter.

svz.de von
erstellt am 25.Mär.2011 | 08:20 Uhr

Berlin /Schwerin | Während gesetzlich Krankenversicherte immer höhere Beiträge aufbringen müssen, konnten Vorstände vieler gesetzlichen Krankenkassen sich im vergangenen Jahr über gestiegene Gehälter freuen: 69 von 114 Kassen zahlten 2010 mehr Geld. Das ergibt sich aus Veröffentlichungen im aktuellen Bundesanzeiger, zu denen alle für jedermann geöffneten Krankenkassen gesetzlich verpflichtet sind.

Spitzenreiter der Vorstands-Gehaltshitliste ist nach einer Übersicht des Internet-Portals Krankenkassen.de wie in den Vorjahren der Vorstandsvorsitzende der Techniker Krankenkasse, Norbert Klusen. Sein Jahresgehalt stieg gegenüber dem Vorjahr um rund 8000 Euro auf 278 160 Euro. "Der letzte Vorstandsvorsitzende der Signal Iduna IKK, Torsten Leonhard, erhielt einschließlich Bonuszahlung fast 130 000 Euro für ein halbes Jahr Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender", so Krankenkassen.de-Sprecher Markus Wendler. Rechne man dieses Gehalt aufs Jahr hoch, belege Leonhard Platz 2 der Topverdiener bei den gesetzlichen Krankenkassen. Im Sommer 2010 fusionierte die Krankenkasse zur Vereinigten IKK. Deren neuer Vorstandsvorsitzender Werner Terlohr erhielt für das zweiten Halbjahr Krankenkassen.de zufolge eine Vergütung von 90 000 Euro.

Kritik über Markus Wendler daran, dass selbst solche Kassen ihre Vorstandsgehälter erhöht haben, die von ihren Mitgliedern einen Zusatzbeitrag fordern. So erhöhten sich die Bezüge des DAK-Vorstandsvorsitzenden Herbert Rebscher im Jahr 2010 um rund 5000 auf 240 934 Euro. Dieser verwies gestern am Rande eines Besuchs in Schwerin darauf, dass - angesichts eines Jahresumsatzes von 17 Milliarden Euro und der Verantwortung für 14 000 Beschäftigte - dieses Gehalt, verglichen mit einem ähnlich dimensionierten Unternehmen in der freien Wirtschaft, dennoch niedrig sei. Die DAK sei die einzige Großkasse mit nur zwei Vorständen, unter dem Strich seien ihre Mitglieder dadurch also sogar noch weniger belastet als die vieler anderer Kassen. "Ich jammere nicht, ich verdiene gut - aber jeder Kreissparkassendirektor verdient genauso viel", so Rebscher gegenüber unserer Redaktion. Allerdings ist es dennoch fast doppelt so viel, wie ein Ministerpräsident verdient.

Es sei bedenklich und könne nicht im Interesse der Kassen und ihrer Versicherten sein, wenn Vorstände ständig wechselten, weil es anderswo mehr zu verdienen gäbe, so Rebscher weiter. Ohne sie zu nennen, dürfte er damit auf Barmer-GEK-Vorstandschefin Birgit Fischer anspielen. Sie liegt mit einem Jahresgehalt von 210 000 Euro (plus 3,56 Prozent) auf Platz acht der Vorstandsgehälter-Liste. Wenn sie zum 1. Mai 2011 auf den Posten der Hauptgeschäftsführerin des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller wechselt, dürften sich ihre Bezüge nach Expertenschätzungen jedoch deutlich erhöhen. Ob die Barmer GEK allerdings beim Gehalt für Fischers Nachfolger/-in sparen kann, ist fraglich. "Für weniger Geld bekommt man keine guten Leute", äußerte das Barmer-GEK-Verwaltungsratsmitglied Achmed Date.

Immerhin 25 Kassen senkten die Vorstandsvergütungen allerdings auch ab. Krankenkassen.de-Sprecher Wendler hat aber auch herausgefunden, dass das zwar Kassen entlasten, für einzelne Personen aber dennoch ein sattes Plus bedeuten kann. So kürzte die angeschlagene BKK für Heilberufe die Bezüge von Vorstand Hans-Joachim Röminger um 50 000 auf 86 000 Euro. Allerdings verdiente Röminger nicht weniger als im Vorjahr. Denn er ist Krankenkasse.de zufolge gleichzeitig Vorstand der pronova BKK, die sein Gehalt um den gleichen Betrag auf fast 200 000 Euro aufstockte. Insgesamt verdiente er dadurch mehr als TK-Chef Klusen.


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