Kleis reitet zum Derby-Sieg

von
24. Mai 2009, 06:19 Uhr

Der Außenseiter riss die Arme hoch und schwenkte überglücklich seinen Helm. Thomas Kleis hat alle Favoriten geschlagen und zum ersten Mal das traditionsreiche Deutsche Spring-Derby gewonnen. Der Springreiter aus Gadebusch siegte am Sonntag bei der 80. Auflage im Sattel der zwölfjährigen Stute Carassina. Vor rund 20 000 Zuschauern setzte sich der Mecklenburger im Stechen trotz zwei Strafpunkten durch und verwies Matthias Granzow (Passin), der 15 Strafpunkte sammelte, mit Antik auf den zweiten Platz. „Das ist der größte Erfolg meiner Laufbahen“, kommentierte der Sieger: „Das ist super.“

Beim Versuch, das Derby zum dritten Mal in Folge zu gewinnen, scheiterte Andre Thieme (Plau am See). Der Vorjahressieger hatte mit Nacorde im Normalparcours einen Abwurf und wurde Dritter. „Besser kann es für uns nicht sein“, sagte der ebenfalls aus Mecklenburg stammende Thieme zum Erfolg seiner Landsleute. Seine Enttäuschung hielt sich in Grenzen, da er immerhin noch auf Treppchen kam. Nach dem Abwurf „wollte ich Schnellster mit vier Fehler werden“, erklärte der 34-jährige Profi.

Zuvor waren mehrere Favoriten ausgeschieden, darunter Rodrigo Pessoa (Brasilien), Michael Whitaker (Großbritannienn und Carsten- Otto Nagel. Der Reiter aus Wedel war mit Calle Cool hoch gehandelt worden, scheiterte aber. „Er war ein bisschen kribbelig“ sagte Nagel über sein Pferd.

Das 80. Spring-Derby stand im Jubiläumsjahr im Schatten des mit 285 000 Euro dotierten Großen Preises von Hamburg, der dritten Station der Global Champions Tour. Der 34-jährige Brasilianer Bernardo Alves siegte im Stechen mit nur 0,20 Sekunden Vorsprung vor Lokalmatador Nagel mit seiner elfjährigen Corradina. Während Alves 95 000 Euro Siegprämie kassierte und die Führung in der Global Champions Tour übernahm, stellte Nagel zufrieden fest: „Ich bin glücklich, dass Corradina wieder in der Topform des Vorjahres ist. Jetzt konzentriere ich mich auf die Europameisterschaften in Windsor.“

In den beiden Derbyqualifikationen hatten der Mecklenburger Heiko Schmit (Neu Benthen) und William Whitaker triumphiert. Dagegen mussten der zweimalige Derbysieger Ludger Beerbaum und der ehemalige Europameister Marco Kutscher vorzeitig kapitulieren. Beerbaum verzichtete auf einen Start am Sonntag, nachdem sein 18-jähriger Wallach Goldfever, der in Aachen vom großen Sport verabschiedet wird, auf dem Wall verweigert hatte. Auch Marco Kutscher wurde ein Opfer des Hengstes. Als er mit Cornet Obolensky in die Stallgasse ritt, bäumte sich das temperamentvolle Pferd auf und biss Kutscher ins Bein: Kutscher stürzte und kugelte sich die rechte Schulter aus.

Mit einer Überraschung war zuvor das Dressur-Derby zu Ende gegangen. Der 33-jährige Christoph Koschel aus Hagen am Teutoburger Wald setzte sich im Finale mit Pferdewechsel gegen Alexandra Bimschas (Neumünster) und Jochen Vetters (Stahnsdorf) durch. Stolz war Vater Jürgen Koschel, 1991 Dritter im Derby. „Christoph ist hervorragend geritten und behielt auch in kritischen Momenten die Nerven“, lobte er seinen Sohn. Der neue Derbysieger war überglücklich: „Für mich ist ein Traum wirklich geworden. Ich hätte nie ernsthaft damit gerechnet, Derby-Sieger zu werden.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen