Kleinstaaterei an der Elbe: Unterschiedliche Deichhöhen verzögern Bauprojekte

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26. Mai 2008, 09:09 Uhr

Prignitz - Das Thema ist nicht neu. Genauer gesagt schwelt es seit September 2005, als das brandenburgische Umweltministerium ein neues Bemessungshochwasser am Pegel Wittenberge festlegte. Mit 8,15 Metern befindet es sich 70 Zentimeter über dem, das die Elbanliegerländer 1983 für sich ermittelten. Das beträgt 7,45 Meter und gilt beispielsweise für das Nachbarland Sachsen-Anhalt noch heute.

Zwischen Gnevsdorf und Wittenberge soll der Elbdeich saniert bzw. es sollen schon sanierte Abschnitte auf die neue Höhe gebracht werden. Dafür laufen die Planfeststellungsverfahren. Mit dabei auch besagter 800-Meter-Abschnitt bei Rühstädt. Der beantragte vorzeitige Baubeginn, geplant für dieses Jahr, sei allerdings von der Oberen Wasserbehörde abgelehnt worden, weil Sachsen-Anhalt Widerspruch anmeldete, sagt Michael Dahlke, Referatsleiter Wasserbau- und Hochwasserschutz beim Landesumweltamt Brandenburg.

Im Falle der geplanten Erhöhung der Deiche sei bei entsprechenden Hochwasserereignissen mit Auswirkungen auf die bestehenden Hochwasserschutzanlagen in Sachsen-Anhalt und damit auf Natur und Umwelt zu rechnen. In den vorliegenden Planunterlagen werden diese Auswirkungen nicht ausreichend berücksichtigt, verdeutlicht das Landesverwaltungsamt in Halle/Saale in seiner Stellungnahme.

Auch der Landkreis Stendal legte Einspruch ein. Gudrun Hallmann, Sachgebietsleiterin der dortigen unteren Wasserbehörde, macht darauf aufmerksam, dass der Kreis seiner Verantwortung als Gefahrenabwehrbehörde nachkommen müsse. Wenn der Gegenüber-Nachbar eine andere Deichhöhe ansetzt als man selbst, würde dies im Ernstfall ein völliges Umdenken bei den eigenen Schutzmaßnahmen provozieren. Hinzu kommt, dass der linkselbische Elbdeich bereits komplett DIN-gerecht saniert sei. „Es kann nicht sein, dass der eine so baut und der andere so“, sagt Gudrun Hallmann.

Damit legt sie den Finger in eine Wunde, die kurzfristig nicht heilbar scheint: die uneinheitliche Deichhöhe. „Wir legen den HQ-100-Wert zugrunde, was einer Höhe von knapp acht Metern entspricht. Hydrologen diskutieren sogar Deichhöhen bis 8,32 Meter“, so Michael Dahlke der sich auch gegen den Vorwurf wehrt, dass Brandenburg seine 8,15 Meter im Alleingang beschloss. „Das ist zuvor auf ministerieller Ebene durchgesprochen worden“, unterstreicht Dahlke. Er sieht für die folgenden Baulose eine ähnliche Situation: Mit großer Wahrscheinlichkeit werde auch da gemauert.

Dietmar Wienholdt aus Kiel, Vorsitzender der Flussgebietsgemeinschaft Elbe, kann die Sache hingegen ein wenig entschärfen. Bei einer Anrainerkonferenz Ende Januar habe es eine Einigung über den HQ-100-Wert gegeben, auf deren Basis das Bundesamt für Gewässerkunde nun Berechnungen anstellt. „Wir hoffen, dass es den einheitlichen Richtwert noch dieses Jahr gibt.“ Und der, so Wienholdt, werde deutlich über 7,45 Meter liegen.

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