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Entstand die "Börse" ein Jahr nach dem letzten großen Stadtbrand? : Kleine Sensation: Inschrift anno 1717

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"Ich habe mich schon immer gefragt, wann das Haus wohl gebaut wurde", erzählt Hotelier Karl Zoern. Seit über 90 Jahren ist die Gaststätte "Zur Börse" in Familienbesitz.

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erstellt am 04.Mär.2011 | 11:47 Uhr

"Ich habe mich schon immer gefragt, wann das Haus wohl gebaut wurde", erzählt Hotelier Karl Zoern. Seit über 90 Jahren ist das Haus in der Langestraße, die Gaststätte "Zur Börse", in Familienbesitz. Nun fanden Bauarbeiter hoch oben am Giebel eine Inschrift: "Anno 1717" haben vermutlich Zimmerleute vor knapp 300 Jahren in einen Eichenbalken des Fachwerks für die Ewigkeit mit dem Stechbeitel markiert.

Karl Zoern muss unwillkürlich an den letzten großen Stadtbrand von 1716 denken. Bereits beim Bau des Hotels am Markt waren Arbeiter in der Baugrube auf verkohlte Balken als Zeugnisse des Flammeninfernos gestoßen, als bis auf das Ratsarmenhaus in der Kirchenstraße ganz Bützow abbrannte. Mit einem gigantischen Aufbauwillen bauten vor dreihundert Jahren die Bürger eine neue Stadt. Die Rahmenvorschriften für den Wiederaufbau abgebrannter Städte erließ der Großherzog durch Befehl.

"Bützow hatte die erste Bauordnung im Land", erklärt Beate Hein. Die Zepelinerin muss es wissen. Sie arbeitet schon viele Jahre beim Landesamt für Denkmalpflege und war auch an vielen archäologischen Grabungen in Bützow beteiligt. Mit dem Wiederaufbau des Hauses Langestraße 30 (damals Nr. 58) schon ein Jahr nach dem verheerenden Brand dürfte es zu den ersten wieder aufgebauten und zu den ältesten Häusern von Bützow gehören. "Es muss schon immer eine Gastwirtschaft gewesen sein. Mein Großvater Ernst hat die ,Börse 1920 von der Gastwirtsfrau Klara Seyer gekauft", vermutet der Gastwirt Karl Zoern in dritter Generation.

Im Brandkataster der Stadt, eine der aussagekräftigsten Archivalien über die Stadtentwicklung im historischen Archiv der Stadt, und im Flurbuch von 1835 beim Heimatverein Bützow ist anderes dokumentiert. Bis ca. 1898 diente das Haus als Bäckerei, Wohnung der Bäckermeisterfamilie, ihrer Gesellen und Dienstmädchen. Erst als Bäckermeister Ernst Lucas um 1898 auf der gegenüberliegenden Straßenseite für seinen Sohn Franz eine Konditorei mit Café und Restaurant baute und das Haus an Johann Seyer verkaufte, wurde es die Gastwirtschaft "Zur Börse" rechts vom Hauseingang und einem Barbierladen zur Linken. Es ist unklar, wann die Baulücke zwischen den Häusern 30 und 32 als überbaute Toreinfahrt mit Wohnraum und Anschluss an das Haus Nr. 32 geschlossen wurde und damit für lange Zeit die Jahreszahl 1717 am Giebel überdeckte.

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