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Mecklenburg-Vorpommern : Kleine Fleischereien sterben aus

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Die Meister im Fleischerhandwerk blicken pessimistisch in die Zukunft. Es wird immer schwieriger. Das machten die Fleischer aus ganz MV bei ihrem Landesverbandstag in Güstrow deutlich.

svz.de von
erstellt am 22.Mär.2011 | 11:55 Uhr

Die Meister im Fleischerhandwerk blicken pessimistisch in die Zukunft. Grundtenor: es wird immer schwieriger. Das machten die Fleischer aus ganz Mecklenburg-Vorpommern am Wochenende bei ihrem Landesverbandstag in Güstrow deutlich. Auch der Güstrower Fleischermeister Werner Ohde teilt diese Meinung. "Die kleinen Fleischereien mit eigener Produktion sterben aus. Sie finden keine Nachfolger", sagt der 70-Jährige. Sein Fleischerfachgeschäft in Güstrow ist das letzte, das noch selbst Wurst herstellt. 90 Prozent des Angebotes stammen hier aus eigener Produktion.

Trotz der schwierigen Situation des Fleischerhandwerks in MV will Landes innungsmeister Hans-Christian Ockens aus Ludwigslust aber nicht jammern. "Vielmehr müssen sich die Handwerksmeister bewegen und das machen die Betriebe in MV auch", sagte er. Die herkömmlichen Fleischerbetriebe gebe es so nicht mehr. Vielfach müssten diese jetzt neben Mittagsimbiss auch Catering anbieten. Das hat auch Werner Ohde bereits seit längerem umgesetzt, um seine Wirtschaftsbasis zu verbreitern. Er beschäftigt in Güstrow derzeit 21 Mitarbeiter in Verkauf und Produktion, einschließlich Lehrlinge. Dabei würden die Serviceleistungen einen immer größeren Platz einnehmen. "Der Anteil von Fleisch und Wurst wird scheibchenweise zurück gehen", bedauert der Fleischermeister. Allein vom Wurstverkauf kann der Betrieb nicht mehr leben. Partyservice und Mittagstisch bringen einen Großteil der Einnahmen. "Wir verkaufen bis zu 400 Essen jeden Mittag. Ohne diesen Mittagstisch geht es nicht mehr", sagt Werner Ohde

57 Betriebe gehören derzeit in MV zur Innung. "Wir waren mal über 100", stellt Hans-Christian Ockens fest. Ein Bild, das Bände spricht. Die älter werdenden Fleischermeister gehen in den Ruhestand und niemand findet sich, der das Geschäft übernehmen will. "Ich habe Glück", sagt Werner Ohde. "Unser Sohn Frank und unsere Schwiegertochter werden das Geschäft übernehmen." Eine Ausnahme, wie er weiß. Noch dieses Jahr will sich der 70-Jährige aus dem Geschäft zurückziehen, seinem Sohn nur noch stundenweise und beratend zur Seite stehen. Allerdings würde er sich für seinen Sohn leichtere Bedingungen wünschen. Alles, was Parteien noch vor der Wahl versprochen haben, hätten sie nicht erfüllt, ist Werner Ohde überzeugt. Beispielsweise sollte es für den Mittelstand, der die Ausbildung garantiert und die meisten Beschäftigten hat, Steuervergünstigungen geben. "Das wird alles nicht wahr", moniert er.

Dioxin-Skandal, die Fusion der Berufsgenossenschaft und die Transparenz von amtlichen Kontrollergebnissen - alles kam beim Verbandstag in Güstrow zur Sprache. Dazu kommt der Wettbewerb. "Es gibt zu viele Anbieter, die ihre Ware unter unserem Einkaufspreis verkaufen", so Werner Ohde und meint damit vor allem die Discounter. "Das ist unfair." Dem entgegen halten kann der Fleischermeister die täglich frische Produktion und die persönliche Beratung. Doch er merke eben auch, dass Kunden das Geld nicht mehr so locker im Portmonee sitze. Eine Herausforderung, der er sich täglich stellt.

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