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20. November 2017 | 03:04 Uhr

Kleine Bosse - große Ideen

vom

svz.de von
erstellt am 07.Okt.2010 | 08:28 Uhr

Satow/Rostock | Es gibt sie beim Friseur, im Autohaus, vielleicht auch bald bei der Physiotherapie und auf den Dorffesten sowieso. Die Kerzen von "Wunderwachs" sind in Satow der Renner. Produziert werden sie von einer kleinen lokalen Firma. In der Chefetage: die 13-jährige Maike Darmann. Ihre Stellvertreterin Maria Klamrzynski ist zwölf Jahre alt. Überhaupt sind die elf Mitarbeiter der "Wunderwachs" Schüler GbR noch relativ neu in der Branche. Aber schließlich sind sie auch erst Siebtklässler und dafür schon ziemlich groß im Geschäft.

Gäste aus Schweden sind dabei

Schülerfirmen sind keine richtigen Firmen. Obwohl sie produzieren, entwickeln und verkaufen - genauso wie echte Unternehmen. Sie dürfen sogar mit einem begrenzten Umsatz oder Gewinn arbeiten. Insgesamt 142 Schülerfirmen gibt es in Mecklenburg-Vorpommern. 80 von ihnen stellen sich heute in der Rostocker Stadthalle auf der 7. Landesmesse für Schülerfirmen vor. Sogar zwei schwedische Schülerfirmen von der Häganas Schule aus Älmhult haben sich angekündigt. Auch die "Wunderwachs GbR" wird auf der Landesmesse dabei sein. Dort wollen die Mädchen über das Anfertigen von Kerzen informieren. Und darüber wissen sie eine Menge.

"In diesem Kessel wird das Wachs flüssig gemacht. Hier wird es danach eingefärbt", erklärt "Wunderwachs"-Chefin Maike. Von welchem Fachhandel sie die vielen verschiedenen Formen für ihre Kerzen bekommen, wissen die Mädchen genau. Wo sie ordern bleibt allerdings Betriebsgeheimnis. "Wir haben gerade wieder Material bestellt", sagt Anna Farina. Eine Investition, die sich die jungen Unternehmerinnen erarbeitet haben. Denn das Geld, das sie mit dem Verkauf ihrer Kerzen einnehmen, fließt direkt wieder in die Firma. Vielleicht wird es vor Weihnachten eine kleine Gewinnausschüttung geben. Denn dann boomt das Geschäft mit den wohligen Lichtern. Aber da rüber wollen die Schülerinnen erst noch auf einer Betriebsversammlung abstimmen. Alles läuft demokratisch ab bei "Wunderwachs".

Süßes oder Gesundes für die Pausen

142 Schülerfirmen MV-weit - dabei kommt ein breites Spektrum an Unternehmen zusammen. Ganz klassisch: die Pausenversorgung. Da gibt es gesunde Snacks, aber auch gehaltvolle Nervennahrung und süße Sachen. Die Verpflegung ihrer Mitschüler haben sich unter anderem "Junges Gemüse" von der Grundschule Wesenberg, "Häppchen & Co." von der Greifswalder Martinschule, "Kochmützen" aus Barth und "Chocoloco" aus Bergen auf Rügen auf die Fahnen geschrieben.

Andere Schülerfirmen schwingen den Putzlappen. "Die flinken Feger" von der Schweriner "Schule am Fernsehturm" zum Beispiel reinigen die Klassenräume. Und zwar täglich. Schließlich wollen sie und ihre Mitschüler in einer angenehmen Atmosphäre lernen. Dann macht Schule nämlich noch mehr Spaß. Groß ist die Auswahl bei den Nachwuchs-Modeschöpfern. Designen, Schneidern und Verkauf von Schulkleidung scheint ein Trend in Mecklenburg-Vorpommerns Wissensschmieden zu sein. Da gibt es "School Fashion" am Gerhardt-Hauptmann-Gymnasium in Wismar, "Pre Tex" an der Gesamtschule Prerow und "Creative Tex" am Mecklenburgischen Förderzentrum für Körperbehinderte in Schwerin. Die Schülerfirma "Wittstore" am Christian-Ludwig-Liscow Gymnasium in Wittenburg bietet beispielsweise T-Shirts, Poloshirts, Kapuzenpullover und -jacken mit dem Schulwappen, T-Shirts für die Abschlussjahrgänge und Vereinskleidung. Sogar von anderen Schulen werden Aufträge entgegengenommen.

Marktforschung und Expansion

"Wunderwachs" hat mit der Zeit sein Angebot erweitert. "In der Vorweihnachtszeit besteht die Möglichkeit, dass Mitschüler zu uns kommen und unter unserer Anleitung selbst Kerzen anfertigen", erklärt Maria Klamrzynski. Auch Marktforschung betreiben die Mitarbeiter von "Wunderwachs". So mussten sie feststellen, dass sich die ganz großen Kerzen nicht optimal verkaufen. Auch Duftkerzen sind Geruchs-Sache: "Nicht jeder mag Vanille", sagt Chefin Maike. In der Adventszeit will sie trotzdem auf aromatische Düfte setzen. Ein Zimtöl ist schon geordert. Damit wird es weihnachtlich.

Fachliche Unterstützung bekommen die Schülerfirmen von Beratungsagenturen. Zu "Wunderwachs" kommt einmal pro Woche eine Vertreterin vom Bilse Ins titut für Bildung und Forschung. Sie hat den Schülerinnen auch bei der Namensfindung und der Gestaltung des Firmenlogos, der Flyer und Visitenkarten geholfen. Über jedes Detail wurde abgestimmt. Auch um die Buchführung kommen die Schülerinnen nicht herum. Anna führt das Kassenbuch. Schlimm oder gar lästig findet sie das nicht. Es gehöre halt dazu.

Kino entsprechend der Klassenstufe

So einzigartig wie "Wunderwachs" sind in Mecklenburg-Vorpommern auch "F.A.P.S.". Die Jugendlichen von der "Schule am Wasserturm" in Strasburg organisieren einmal im Monat in ihrer Schule einen Kino-Abend. In der langen Form heißt ihr Firmenname Filme, Action, Popcorn, Sound. Die von "F.A.P.S." ausgewählten Streifen sind dem Alter des Publikums angepasst. Unschlagbar sind "F.A.P.S." im Preis - 50 Cent für das Kino-Ticket. Für Schüler also genau das Richtige. Im Gegensatz zu "Wunderwachs" sind "F.A.P.S" eine eher kleine Schülerfirma. Drei Mitarbeiter halten den Betrieb am Laufen.

Eigeninitiative zahlt sich aus

"Wunderwachs" arbeitet seit etwa einem Jahr als Schülerfirma. Was als kreatives Arbeiten in der Schule begonnen hat, ist längst schon mehr. Vor allem ist es eine Erfahrung. Das findet auch die zwölfjährige Maria Klamrzynski: "Für später ist es gut." Lehrerin Steffi Galda, die die Satower Schülerfirma betreut, ist sich sicher: Das Projekt lohnt sich. "So merken die Jugendlichen, wie wichtig Eigeninitiative und Engagement sind. Und dass sie sich auszahlen." Das Ziel des Schülerfirmen-Projekts haben die Mädchen von "Wunderwachs" also mindestens erreicht - und dabei noch eine Menge Spaß gehabt.

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