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25. November 2017 | 05:07 Uhr

Klares Nein zu neuen Straßennamen

vom

svz.de von
erstellt am 05.Jan.2010 | 08:36 Uhr

Schwerin | Schlachterstraße oder Samuel-Holdheim-Straße? Demmlerplatz oder Kempowskiplatz? Die kontroverse Diskussion über die Benennung von Straßen in der Schweriner Stadtpolitik hat eine lebhafte Diskussion unter den Schwerinern entfacht. Nachdem der Landtag beschlossen hatte, dass Kommunen verstärkt Persönlichkeiten der Landesgeschichte berücksichtigen sollen, die sich um demokratische und gesellschaftliche Initiativen verdient gemacht haben, gab es in der Landeshauptstadt erste Vorschläge (wir berichteten).

"Gerade Schwerin kann den in Rostock geborenen Schriftsteller und anerkannten Bürgerrechtler Walter Kempowski, der 1946 von den Sowjets am Demmlerplatz inhaftiert worden war, auch in Schwerin anerkennend ehren. Das darf aber nicht zu Ungunsten ehemaliger prominenter Schweriner geschehen, und wenn überhaupt eine Namensänderung für den Demmlerplatz infrage käme, wäre es historisch korrekter, ihm den ursprünglich Flur- und Platznamen ,Königsbreite zu geben, den dieser 1910 bis 1933 trug", so unser Leser Horst Zänger. "In Schwerin wird viel gebaut, neue Stadtviertel und Straßen entstehen und suchen nach Namen. Die Zeit der Straßenumbenennungen sollte zwingenden Ausnahmen vorbehalten bleiben."

Auch Rüdiger Lehmann spricht sich gegen eine Umbenennung aus: "Natürlich haben wir eine Demmlerstraße und einen Demmlerplatz, dies hat aber bis dato niemanden gestört. Aber einen Kempowskiplatz aus dem Demmlerplatz machen, das hieße, man habe in letzter Zeit keine Nachrichten gehört. Natürlich hat auch Kempowski seine Verdienste, aber er ist Rostocker und dort wird er genug geehrt. Im Gefängnis am Demmlerplatz haben noch berühmtere Leute eingesessen."

"Für Herrn Kempowski sollte es in dieser Stadt einen Ort der Würdigung geben, der nichts mit seinem Selbstmordversuch und einer Umbenennung zu tun hat, sondern mit seinem künstlerischen Schaffen, ein Kempowskizimmer in der Landesbibliothek zum Beispiel", schlägt Jörg Hesse vor.

Auch ein Experte in Sachen Straßennamen meldete sich: Dieter Greve, der jahrelang die städtische Vermessungs- und Katasterbehörde geleitet hatte und Autor des Buches der Schweriner Straßennamen ist. "Zu diesem Thema hat sich generell bereits der Schweriner Stadthistoriker Wilhelm Jesse in der ,Mecklenburgischen Zeitung vom 6. April 1913 geäußert. Er schrieb: ,In den Straßennamen einer Stadt spiegelt sich … ein großer Teil ihrer Geschichte. Die Straßennamen der Stadt vor dem Untergang zu schützen, ist eine ebenso dankbare Aufgabe wie der Schutz des Ortsbildes. Das ist eine Meinung, der ich mich, der sich intensiv mit den Straßennamen beschäftigt hat, voll anschließen möchte", so Greve. "Man sollte sich generell hüten, im altstädtischen Bereich - noch dazu in unmittelbarer Nähe zum Rathaus und zum Markt - Umbenennungen vorzunehmen. Es ist anzunehmen, dass ein neuer Name in der Schweriner Bevölkerung ohnehin nicht angenommen würde."

Für andere Leser wie Ute Moldenhauer ist die politische Diskussion über Straßenumbenennungen gänzlich unsinnig. "Widmet euch doch endlich den Angelegenheiten, die wichtig für unsere Landeshauptstadt sind und steuert damit einer gesunden Zukunft entgegen", lautet die Forderung der Schwerinerin.

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