Klagt der Kreis gegen „Doppik“?

Der Landkreis Bad Doberan prüft gegenwärtig, gegen die geplante Einführung der doppelten Buchführung in öffentlichen Verwaltungen, kurz Doppik, zu klagen. Morgen befasst sich der Haushalts- und Finanzausschuss mit dem Thema.

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06. Oktober 2008, 06:27 Uhr

Bad Doberan - Es ist kein Geheimnis, dass Doberans Landrat Thomas Leuchert (SPD) kein Freund der doppelten Buchführung ist. „Wir sehen Doppik sehr kritisch“, sagt Landkreis-Sprecherin Anja Frommholz. Je mehr sich der Landkreis mit dem Thema befasse, desto größer werde die Skepsis. „Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass die doppelte Buchführung nichts bringt“, sagt Frommholz. Denn mehr Geld sei für die Kommunen auch dann nicht vorhanden. Stattdessen verursache die doppelte Buchführung höhere Verwaltungskosten. Sie sei personal- und zweitaufwändig. Wie teuer Doppik tatsächlich wird, könne der Kreis noch nicht sagen.

Zur Erklärung: Doppik ist ein seit Jahrzehnten bekanntes Kunstwort, das den Begriff doppelte Buchführung abkürzt. Die Abkürzung steht für Doppelte Buchführung in Konten. Der Gesetzgeber fordert die Einführung der Doppik bundesweit in allen Kommunen bis spätestens 2012. Dann sollen Landkreise, Städte und Gemeinden ihre Haushalte nach den Regeln der doppelten Buchführung aufstellen. „Es soll dann eine kaufmännische Buchführung stattfinden, wie in jedem Unternehmen – mit Abschreibungen und Bewertung des Vermögens“, erklärt Frommholz.

In der bisherigen „kameralisten“ Buchführung werden nur kassenwirksame Einnahmen und Ausgaben berücksichtigt. Der Gesetzgeber verspricht sich von der Doppik u.a. mehr Kostentransparenz. Ziel ist auch, jederzeit die Vermögenswerte einer Kommune vor Augen zu haben.

Kreis mit Verzögerungstaktik
„Wir haben in unserem Hause noch nicht mit der doppelten Buchführung begonnen“, sagt Anja Frommholz. Der Kreis Bad Doberan wolle die Doppik so lange wie möglich hinauszögern. Der 1. Januar 2012 gilt bislang als Stichtag, bis dahin läuft die Übergangsfrist. Ob der Landkreis gegen die Einführung der doppelten Buchführung klagt, entscheiden die Kreistagsmitglieder. In den nächsten Tagen und Wochen sollen sich die Ausschüsse damit befassen, morgen, 16 Uhr, der Haushalts- und Finanzausschuss. „Die Erfolgsaussichten einer Klage sind zunächst zu prüfen“, sagt Anja Frommholz. Ausgang offen.

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