Restaurierungsarbeiten am Sternberger Baudenkmal gehen voran : Kirche auf dem Weg zu alter Pracht

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Seit 2010 laufen die Restaurierungsarbeiten an der schönsten Baustelle Sternbergs. Es wird noch einige Zeit dauern, bis die Kirche sich ihren Besuchern in alter Pacht präsentieren kann.

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27. Oktober 2011, 11:00 Uhr

Seit 2010 laufen die Restaurierungsarbeiten an der größten und schönsten Baustelle Sternbergs. Es wird noch einige Zeit dauern, bis Gerüste, Mörtelkübel und Farbeimer verschwunden sind und die Kirche sich ihren Besuchern in erneuerter alter Pacht präsentieren kann. Interessierte nuzten bereits den "Konzertsommer auf der Baustelle", um bei einer der Veranstaltungen einen Blick hinter die Bauplanen zu werfen und den Fortgang der Arbeiten zu beäugen.

Einige der Gerüste sind inzwischen schon abgebaut, wie zum Beispiel in der Turmhalle am Westportal. Maurer und Maler haben die Wandflächen hergerichtet und linkseitig die Vorhangmalerei aufgebracht. "Wo nichts mehr ist, arbeiten die Maler", erklärt Restauratorin Hanja Stoob, "wo Altes retuschiert und ergänzt werden muss, kommen wir zum Einsatz". An der rechten Seite der Eingangstür zum Mittelschiff haben die Restauratoren Japanpapier aufgebracht. "Die alte Malerei pudert. Deshalb tragen wir über das Papier Festigungsmittel auf. Sonst würde die Malerei verwischen", erläutert die Restauratorin einige Arbeitsschritte. Zur Zeit "pinselt" sie mit ihrem Kollegen Rico Grunz hoch oben über der Orgel im Gewölbe, Schablonierung der Ornamente, so heißt das in der Fachsprache. Im Mittelschiff leuchten die Muster schon in frischen Farben. Neben gleichförmiger Arbeit über Tage und Wochen gibt es für die Restauratoren immer wieder besondere Höhepunkte. "Die mittelalterliche Malerei an der Ostseite", nennt Hanja Stoob ein Beispiel. "Es ist schon eine Freude zu sehen, wie man durch seine Arbeit Jahrhunderte alte Kunst wieder besser lesbar machen kann."

Alte Barockmalerei über dem Altar

Eine spannende Entdeckung gab es im Gewölbe über dem Altar. Alte Barockmalerei kam unter der zuletzt aufgetragenen Farbschicht zum Vorschein. Mit Skalpell und Freilegemessern rückten sie dem alten Anstrich zu Leibe und retuschierten die wahrscheinlich nach dem Kirchenbrand 1741 aufgebrachte Malerei. Nun kann man sie wieder von der Kirchenbank aus sehen, die schwebenden Posaunenengelchen.

Dass die Kirche schon jetzt viel heller und freundlicher wirkt, liegt nicht nur an den frischen Farben. Auch die Fenster erhielten eine Schönheitskur. Von der Glaserei Brügemann aus Schönfeld Mühle wurden die Kunstwerke aus buntem Glas ausgebaut und fachmännisch gereinigt. Jedes Fenster hat seine eigene Geschichte, die nun wieder in voller Farbenpracht erstrahlt. Das Weihnachtsfenster, das Oster- und Pfingstfenster, das Reformations-Gedächtnisfenster, gespendet um die vorletzte Jahrhundertwende von Julius Hüniken (Schloss Kaarz), der Familie von Kapherr (Lockwitz/Dresden), deren Vorfahre einst Bürgermeister in Sternberg war, der Familie von Barner, Nachkommen aus dem Uradel Mecklenburgs und von Johann Albrecht Herzog - Regent von Mecklenburg-Schwerin und seinem Halbbruder Heinrich, in Gedenken an ihre auf dem Fenster abgebildeten namensgleichen Ahnen.

Momentan hat Glaser Konrad Strauß an der Ostseite zu tun. Hier wie auch an der Südwest-Seite, an der Winterkirche, werden auf Zug kippbare Lüftungsteile in die Fenster eingesetzt.

Der Umgang, durch den Priester und Pilger einst in die Heilig-Blut-Kapelle gelangten, war Jahrzehnte lang mit Ziegeln und anderem Material aus den verschiedensten Bauphasen vollgestopft. Ein ganzer Container voll davon ist inzwischen ans Licht befördert. Auch hier sollen nun die Restaurierungsarbeiten beginnen.Die Wariner Bedachungsfirma Friedrich wird eine neue Abdeckung aufbringen.

Vorfreude auf Führungen ab nächsten Sommer

Bis Jahresende will der Bauhof Dorsch mit seinen Arbeiten fertig sein. Einem Mitarbeiter kann man bei seiner Arbeit auf die Finger schauen. Die dunklen, glasierten Formsteine, die er an schadhaften Stellen der Fassade einsetzt, werden in Dänemark hergestellt. Am nördlichen Treppenturm leuchten die neuen Gesimssteine schon als markanter Streifen im Gemäuer. Jetzt sind die Sockelarbeiten an der Südseite dran.

Kirchenführerin Gunna Weise freut sich schon, wenn sie Gästen, voraussichtlich ab dem kommenden Sommer, das alte Gotteshaus in seiner neuen Pracht zeigen kann. "Auch Altsternberger werden da noch viel Neues entdecken können.Vielleicht wird es in Zukunft auch Gewölbeführungen geben", verrät sie schon mal.

Die steinernen Stufen im Treppenturm, der zum Gewölbe führt, wurde von den Maurern der Neumühler Bauhütte bereits saniert. Auch aus der bisher nicht zugänglichen Sakristei haben Maurer und Maler ein Schmuckstück gemacht. "Wir werden hier vielleicht einmal einen Raum der Stille einrichten", äußert Pastorin Eva Sonny-Lagies ihre Vorstellungen von der zukünftigen Nutzung. Noch ist die Liste der zu erledigenden Arbeiten lang: komplette Erneuerung der Beleuchtung einschließlich der alten Gaslampen an den Pfeilern, Restaurierung der Pfeiler mit dem orientalischen Teppichmuster und den Wappen der Stifter, Generalwartung der Orgel, und und und "Bis Weihnachten werden aber die meisten Gewerke fertig und die Gerüste abgebaut sein" , so die Pastorin.

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