Keine Zeit für, kein Bock auf Kultur

Ins Kino geht Luisa Voß gern. Sie ist nicht allein, Jugendliche stürmen Kinos manchmal geradezu. In Theatern und Museen werden sie seltener gesehen.Katharina Sergeeva
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Ins Kino geht Luisa Voß gern. Sie ist nicht allein, Jugendliche stürmen Kinos manchmal geradezu. In Theatern und Museen werden sie seltener gesehen.Katharina Sergeeva

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10. Februar 2010, 10:15 Uhr

Güstrow | "Wir machen einen Ausflug ins Museum!", kündigt die Lehrerin der Klasse an - und trifft damit nicht unbedingt den Nerv der ihr gegenüber sitzenden Schüler. Jugendliche sind nicht immer erpicht darauf regelmäßig kulturelle Einrichtungen zu besuchen. Woran aber mag das liegen? Und wie wichtig sind solche Aktivitäten eigentlich?

"Als Jugendlicher möchte man abschalten. Und im Museum muss man sich alles durchlesen. Darum sind Jugendklubs beliebt, weil man mit seinen

Freunden quatschen kann", sagt Elisa Boerner. Und so etwa denken viele jungen Leute: Es sei viel zu anstrengend und uninteressant, sich mit Kultur auseinander zu setzen. Außerdem ist es doch bestimmt out, oder?! "Na ja, eigentlich finde ich Museen oder Theater in Ordnung. Ich kenne viele schöne Theatervorstellungen und klasse Museen in Berlin zum Beispiel. Geld spielt jedoch auch eine große Rolle", meint die 16-Jährige. Viele Schüler bekommen Taschengeld und müssen sehen, wie sie damit zurecht kommen, damit das Geld noch für andere Freizeitbeschäftigungen reicht.

Weg ins Internet kürzer als Weg ins Museum

Ist es womöglich Faulheit, die Jugendliche umzingelt und nicht mehr loslässt. "Nein! Um das Nötige zu erfahren oder zu sehen würde ich schon lieber hingehen als es per PC einzustudieren. Es scheint dann so unreal!", sagt Ole Reinholdt. Selbst macht der 17-Jährige keine freiwilligen Ausflüge in die kulturellen Einrichtungen, aber gerne schaut er sich mal Meereskundemuseen oder Musicals an.

"Das Problem ist, dass sich manche nicht trauen, alleine zu gehen", vermutet Ole. So scheint es, denn es passiert oft, dass die Schüler deswegen ausgelacht und in schlimmsten Fällen tyrannisiert werden. Es ist ihnen peinlich und doch haben sie Interesse. Ein ernstes Problem! "Die meisten wollen einfach hip sein, cool und nicht so altmodisch wirken", erklärt Marie Khachatryan. "Für die ist es langweilig. Sie interessieren sich beispielsweise nicht für ältere Musik", setzt die Güstrowerin fort. Schade, denn sie verlieren vieles dabei.

"Kinder und Jugendliche muss man heranführen, sonst werden sie niemals ins Museum gehen. Das Elternhaus hat die Aufgabe, die Kinder zu fördern. Denn was würde passieren, wenn dieses nicht geschieht und ihre Kinder später auch nichts davon erfahren?", fragt Iris Brüdgam. Die Kuratorin des Stadtmuseums Güstrow sieht einen Ausweg: "Es müssen Angebote durch das Museum gemacht und museumspädagogische Arbeit geleistet werden." Bleibt ein Aber: Die heutige Technik hat einen Stand erreicht, dass sich in der Regel niemand mehr Sorgen machen muss, wie er zum "Objekt seiner Wissensbegierde" kommt. Auch die Bücher oder andere Medien ermöglichen einen Einblick.

"Warum dann der ganze Aufwand?", fragen sich vermutlich einige Jugendliche. "Es ist halt schneller und leichter für manche", sagt Steffi Bahls. "Aber eigentlich erlebt man es im Museum direkt besser als im Internet", schließt die 17-Jährige an. Die Schülerin schaut zwar nicht so oft vorbei. "Keine Zeit!", lautet ihre Ausrede, "aber ich würde es zwischendurch mal machen, ist ja schon interessant."

Eine Gruppe ist interessiert, die andere will mundgerechte Kost

Also: Desinteresse, Faulheit, wenig Zeit und Geld und mitunter auch Angst sind offenbar die Ursachen dafür, dass Jugendliche kulturellen Einrichtungen und Veranstaltungen oft fernbleiben. "Ich sehe das Ganze zweiseitig. Es gibt durchaus eine Gruppe, die sich interessiert. Eine andere erwartet jedoch fest vorgeschriebene Fakten. Sie selbstständig zu erarbeiten, dazu sind manche vielleicht doch zu faul", sagt Elke Garbe, Mitarbeiterin der Tourist-Information Güstrow.

Welche Rolle die Kultur im Leben eines jeden spielt, unterschätzen Jugendliche vielfach. Einige verbinden es mit einem "langweiligen Kram", der nichts bringe. Wer sich aber fordert, erreicht nicht nur Erfolge im beruflichen Leben, sondern entwickelt seine Persönlichkeit. Deshalb sollte jeder Platz für ein bisschen Kultur finden und seinen Stil gestalten. Bestimmt findet jeder etwas, das richtig spannend sein kann.

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