Keine Tempelhof-Mehrheit

Der Volksentscheid zum Weiterbetrieb des Berliner Flughafens Tempelhof ist klar gescheitert. Damit stärkte die Mehrheit der teilnehmenden Berliner am Sonntag die Position des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD), den innerstädtischen Flughafen im Oktober zu schließen.

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27. April 2008, 09:33 Uhr

Berlin - Nach Auszählung von 97 Prozent der Stimmen wurde mit lediglich 21,3 Prozent Ja-Stimmen nach Angaben des Landeswahlleiters die notwendige Stimmenzahl verfehlt. Für einen Erfolg war die Zustimmung von 25 Prozent der Wahlberechtigten erforderlich.

Die Interessengemeinschaft City Airport Tempelhof (ICAT) wollte zusammen mit der CDU, der FDP und Wirtschaftsverbänden erreichen, dass der älteste Berliner Flughafen als Verkehrsflughafen mit regulären Linienflügen offen bleibt. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich dafür eingesetzt, dass Tempelhof nicht geschlossen wird.

Der Volksentscheid war für den rot-roten Berliner Senat von vornherein nicht bindend, da er nur als Empfehlung, aber nicht als Gesetzentwurf formuliert war. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 34,3 Prozent.

Es war der erste Volksentscheid in der Geschichte Berlins. Wowereit hatte stets betont, Tempelhof werde in jedem Fall geschlossen. Anderenfalls könnte der Ausbau des künftigen Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg International (BBI) gefährdet sein, der Ende 2011 in Betrieb gehen soll.
Der 1923 eröffnete Flughafen Berlin-Tempelhof ist einer der dienstältesten Luftverkehrsstandorte der Welt. Während der Luftbrücke 1948/49 landeten dort wegen der sowjetischen Blockade die legendären „Rosinenbomber“ mit Hilfsgütern für den Westteil der Stadt. Die Nazis hatten das große Gelände mit seinem mehr als 1,2 Kilometer langen Flughafengebäude von 1937 bis 1941 ausgebaut. Inzwischen schreibt der Komplex aber seit Jahren Verluste. Der Berliner Senat, der Tempelhof im Oktober schließen will, beziffert die jährlichen Defizite auf rund zehn Millionen Euro.

Der Betrieb auf dem kleinsten der drei Berliner Flughäfen ist stark zurückgegangen, weil Starts und Landungen auf die anderen Standorte Tegel und Schönefeld verlegt wurden. Im Jahr 2006 erlebte der Stadtflughafen noch einen Aufschwung auf 635 000 Reisende (plus 16,3 Prozent). Grund war die Fußball-Weltmeisterschaft, während der wesentlich mehr Privatflugzeuge dort starteten und landeten. Im vergangenen Jahr ging die Zahl der Fluggäste dann aber auf 350 000 zurück. Im Februar 2008 nutzen noch 25 500 Reisende Tempelhof (- 15,2 Prozent zum Vorjahresmonat). Die Zahl der Starts und Landungen ist laut Flughafengesellschaft derzeit auf jeweils zwölf pro Tag geschrumpft.

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