Keine Killerpilze auf Reetdächern

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28. März 2008, 04:51 Uhr

Von wegen grüne Killerpilze, die das Reet von den Dächern fressen. Dachdeckermeister Thorsten Ring ist froh, dass die Panik der vergangenen zwei Jahre durch wissenschaftliche Forschung gestoppt werden konnte. Medienberichten zufolge wurden norddeutsche Reetdächer von einer gefährlichen Pilzart bedroht. Neueste Untersuchungen der Gesellschaft für Qualitätssicherung Reet (GfQR) haben nun aber belegt, dass die faulenden Dächer unter anderem eine Folge zu flacher Dachneigungen sind. Bei den Pilzen handelte es sich lediglich um normale weiße und braune Schwämme.

„Wenn die Dächer zu flach werden, gleichen sie nach kurzer Zeit einem Misthaufen. Das Wasser dringt zu tief ein und trocknet nicht ab“, erläutert Ring. Gleiches gelte auch bei fehlender oder mangelhafter Hinterlüftung der Dächer.

In MV ist Thorsten Ring Gutachter seiner Branche. Im nordwestmecklenburgischen Wendelstorf leitet er eine Dachdeckerfirma. Anders als in Schleswig-Holstein, Hamburg oder Niedersachsen häuften sich die Fälle von Problemreet dort nicht so sehr. Die Forscher Dr. Kai-Uwe Schwarz und Jan Juraschek gingen dem Problem auf den Grund. In Niedersachsen, Schleswig-Holstein und MV begutachteten sie 65 schadhafte Dächer. Die Schadensquote liege offiziell bei rund 10 Prozent der tausend Dächer, die bundesweit jährlich gedeckt werden, so die Experten.

Die Forscher kamen zu der Erkenntnis, dass die Probleme lösbar seien. Architekten, Reetdachdecker, Lieferanten und Kunden wurden angehalten, besser miteinander zu kommunizieren. „Wir achten darauf, dass bessere Qualitätskontrollen möglich sind“, so Gutachter Ring. Der überwiegende Teil des Naturmaterials komme mittlerweile aus dem Ausland und sei meistens einwandfrei. Die Qualität sei aber oft erst dann überprüfbar, wenn die Bunde auf der Baustelle geöffnet werden. Seine Lieferung prüft der Meister mit einer alten Methode: Reet wird um die Hand gewickelt und darf nicht zu kurz abreißen.

„Die Handwerker müssen die Kunden intensiv begleiten, um großen Schäden vorzubeugen“, so Jan Juraschek. Erste Infoflyer wurden bereits erstellt, damit die Schönheit der norddeutschen Dächer erhalten bleibt.

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