Keine Angst vor strengen Lehrern

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23. November 2008, 05:39 Uhr

Wittenberge - Für Vincent ist die Frage überhaupt kein Problem: Was haben Kartoffelbrei, Wodka, Chips und Schüler des Wittenberger Marie-Curie-Gymnasiums gemeinsam? „Stärke“, antwortet er prompt. „Aus der Kartoffel.“ Jetzt trauen sich auch die anderen. Wie kommen denn nun aber die Gymnasiasten ins Spiel? Das Stichwort ist Verpackung. „Sie haben vielleicht herausgefunden, wie man Verpackung besser entsorgen kann“, schlägt Luise vor. Genau, die Schüler haben nämlich Folien aus Stärke erfunden. Maxi weiß warum: „Die verrotten nach einer Weile.“ Karin Kreißl, Biologielehrerin am Curie-Gymnasium, hat mit dem Thema offenbar die richtige Anknüpfung gefunden – immerhin sind die Jungen und Mädchen, die vor ihr sitzen, noch Grundschüler.

Wenn Sechstklässler im Gymnasium die Schulbank drücken, ist Schnuppertag. Vier Fächer – Englisch, Mathe, Latein und Biologie – durften 65 Jungen und Mädchen dabei am Sonnabend ganz freiwillig schon einmal ausprobieren. Noch lernen sie in jenen Grundschulen, die im Einzugsbereich des Wittenberger Gymnasiums liegen: Breese, Lenzen, Wittenberge, Glöwen, Bad Wilsnack und Lanz. „Aber bei dem Gedanken ans Gymnasium sind viele unsicher: ’Sind die Lehrer streng?’ ’Überfordert mich das?’ ’Was kann ich schon?’ Der Schnuppertag soll einige dieser Fragen beantworten“, sagt Lehrerin Ina Pleße. Auch Gymnasiasten helfen an diesem Tag freiwillig mit, haben Kuchen gebacken und Saft mitgebracht und wollen den Jüngeren Auskunft geben darüber, wies es so ist am Gymnasium.

Die vier jeweils 25-minütigenTestunterrichtsstunden – weitere Fächer werden beim zweiten Schnuppertag im Januar vorgestellt – sollen Grundschülern und deren Eltern möglichst viele Informationen liefern für die Entscheidung, ob das Kind künftig am Gymnasium oder an der Oberschule lernen soll, sagt Andreas Giske, Leiter des Marie-Curie-Gymnasiums. Und spricht offen den zweiten Grund an: Das Werben um Schüler. Denn angesichts sinkender Schülerzahlen will und muss jede weiterführende Schule auf sich aufmerksam machen.
Simone Wagner aus Wittenberge würde Sohn Julien gern auf das Gymnasium der Elbestadt schicken: „Ich möchte ihm die bestmöglichen Startchancen bieten. Allerdings hängt es von seinen Zensuren ab, ob er hier lernen darf. Falls es klappt, soll er aber nicht ganz unvorbereitet sein, deshalb sind wir heute hier“, sagt sie.
Lava zum AnfassenDer elfjährige Vincent aus Bad Wilsnack und sein ein Jahr älterer Freund Alexander wirken beim Schnuppertag schon recht gut vorbereitet. In der Bio-Probestunde waren nicht nur die Fragen leicht. Auch der Stärkenachweis unter dem Mikroskop ist den beiden schnell gelungen.

Jetzt sitzen sie vor Lehrer Rainer Neumann und erfahren, dass Latein vielleicht eine tote Sprache ist, „man kann sie aber zum Leben erwecken“. Sie hören, dass sich das Römische Reich einst vom heutigen Portugal bis ans Kaspische Meer erstreckte, werfen einen Blick auf Papyrusrollen, wie sie damals verwendet wurden, und betrachten Lavasteine vom Vesuv, die der Lehrer von einer Klassenfahrt mitbrachte.

„Ich will auf jeden Fall hierher, weil ich Deutsch- und Geschichtslehrer werden möchte“, kündigt Alexander seine Zukunftspläne an. Haben die beiden denn kein bisschen Bammel vor dem Wechsel ans Gymnasium? Vincent schüttelt den Kopf: „Ich habe zwei große Brüder, die hier zur Schule gehen und mir davon erzählen. Und die Lehrer stelle ich mir wirklich nicht so streng vor.“

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