Keine Angst vor Nebenwirkungen

<strong>Wer will Hausarzt werden?</strong> Bei einer Veranstaltung der Uni Rostock informierten sich Medizin-Studenten über den Berufsweg der Allgemeinmediziner in MV.
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Wer will Hausarzt werden? Bei einer Veranstaltung der Uni Rostock informierten sich Medizin-Studenten über den Berufsweg der Allgemeinmediziner in MV.

svz.de von
24. November 2009, 06:08 Uhr

Rostock | Von den Chancen einer Hausarzt-Laufbahn in MV muss Christian Klein keiner mehr überzeugen. Am 1. Dezember beginnt der 27-Jährige, der gerade sein Medizin-Studium beendet hat, am Uniklinikum Rostock eine Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin. "Als Allgemeinmediziner hat man ein breites Betätigungsfeld: Man ist Allrounder und Ansprechpartner für die Leute", sagt er. "Das gefällt mir." Da der Arzt aus Rostock kommt, in Rostock studiert hat und sich mit Rostock verbunden fühlt, war es nahe liegend für ihn, hier zu bleiben. Außerdem hat ihn die Weiterbildung am Uniklinikum überzeugt. Nach seiner fünfjährigen Assistenzzeit würde Christian Klein gerne in der Umgebung eine Praxis eröffnen und vielleicht nebenbei forschen und lehren. "Ein bisschen Stadtnähe brauche ich aber schon", sagt der Rostocker.

Laut einer Befragung kommen 39 Prozent der Medizin-Studenten an der Uni Rostock aus MV. Die Brandenburger stellen mit 15 Prozent die zweitstärkste und die Berliner mit 7 Prozent die drittstärkste Fraktion dar. Paul Blaschkes Heimat ist das brandenburgische Wusterhausen, auch wenn der Medizin-Student nun schon seit vier Jahren in Rostock lebt. Nach seinem Studium und seiner Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin wird der 25-Jährige voraussichtlich wieder nach Wusterhausen zurückzukehren und dort in die Hausarztpraxis seines Vaters einsteigen. "Ich bin sehr heimatverbunden und wäre doof, wenn ich mich nicht ins gemachte Nest setzen würde", sagt er. Lediglich ein "richtiges gutes Angebot" in MV könnte ihn noch davon abhalten.

Zu wenig Trubel

und Privatpatienten13 Prozent der befragten Studenten wissen bereits, dass sie Allgemeinmediziner werden möchten. Mehr als die Hälfte davon hat sich schon in den ersten beiden Semestern dafür entschieden. Lena Wolf gehört nicht zu ihnen. Die Studentin ist im 9. Semester und weiß noch nicht, welchen Weg sie einschlagen wird. Neben Allgemeinmedizin kommen für sie auch noch Pädiatrie und Psychiatrie infrage. "Doch erst einmal muss ich mein Praktisches Jahr machen", sagt die 26-Jährige. Dass sie nach ihrem Studium nicht in MV bleiben wird, steht dagegen schon so gut wie fest. Eine Tätigkeit in der ostdeutschen Prärie birgt zu viele Risiken. "Hier fehlt mir der Trubel", sagt die Bremerin.

Weitere Argumente, die laut der Studentenbefragung gegen eine Tätigkeit als Allgemeinmediziner in MV sprechen, sind: die geringe Bezahlung, die Entfernung von der Heimat, die schlechte Infrastruktur, die Bürokratie oder fehlende Arbeitsmöglichkeiten für den Partner. Student Richard Rotter sieht vor allem in der Bezahlung einen Nachteil. "Du verdienst hier weniger als woanders", sagt der 23-Jährige. Ein Grund dafür sei, dass es in MV weniger Privatpatienten gebe. Ansonsten habe Rostock nicht weniger zu bieten als andere Städte. "Ich finde es schön hier, aber ich will auch erst mal weg", sagt der Rostocker. Vielleicht kehre er ja zurück. "Am Ende ist es doch so: Verhungern werden wir nirgendwo."

Der Greifswalderin Marie Rutke geht es ähnlich. "Trotz familiärer Anbindung werde ich wahrscheinlich nicht hier bleiben", sagt die Medizin-Studentin. Auch finanzielle Anreize wie Investitionskostenzuschüsse könnten sie nicht vom Gegenteil überzeugen. Es bringe nichts, jemandem Unterstützung in Aussicht zu stellen, der nicht in MV bleiben wolle. Bei Unentschlossenen könne das vielleicht den Ausschlag geben.

Nähe zum Meer

und zur FamiliePositive Faktoren, die bei der Entscheidung der befragten Studenten für eine hausärztliche Tätigkeit in MV ein Rolle spielen, sind: die Nähe zur Heimat, die Vorliebe für das Bundesland, die Zulassung für eine eigene Praxis, die Nähe zum Patienten, die Praxisübernahme von den Eltern oder die Vielfältigkeit des Berufs. Bei Ulrike Engel aus Frankfurt (Oder) hat die Familie den Ausschlag gegeben. Weil ihr Mann in Rostock arbeitet, will die 24-jährige Mutter eines Kindes ebenfalls in der Region bleiben. "Außerdem ist es schön hier, das Meer ist in der Nähe. Und Rostock ist groß genug, um was zu erleben", sagt die Studentin. Nach ihrer Weiterbildung zum Facharzt möchte sie dann ihre eine eigene Praxis eröffnen. Das lasse sich besser mit einer Familie vereinbaren als die Arbeit im Krankenhaus. Eine Landarztpraxis kommt für Ulrike Engel aber eher nicht infrage. "Ich brauche ein bisschen Kultur", sagt sie. Und bislang habe sie noch kein Argument vom Gegenteil überzeugt.

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