zur Navigation springen

Heiddorf: Gastwirt gibt nach 20 Jahren frustriert auf : Kein Tropfen mehr im "Chicago Treff"

vom

Vielleicht hat Mike Schilling aus Heiddorf die gewerbliche Reißleine zu spät gezogen, doch er hofft auf einen Rettungsschirm für seine Zukunft in Heiddorf und für seine Familie.

svz.de von
erstellt am 08.Apr.2011 | 10:30 Uhr

Vielleicht hat Mike Schilling aus Heiddorf die gewerbliche Reißleine zu spät gezogen, doch er hofft auf einen Rettungsschirm für seine Zukunft in Heiddorf und für seine Familie. Das bedeutet allerdings für die abendliche Stammtischrunde, die sich fast täglich im Auenkrug "Chicago Treff" zusammenfindet, das Aus. Der Zapfhahn bleibt nach dem 1. Mai trocken.

Mit der Schließung nach 20 Jahren als Gastwirt endet auch ein Projekt, dass der 44-Jährige bereits vor Jahren begonnen hat: Forellenfischen aus Teichanlagen. Das war bis zum vergangenen Herbst eine kleine, zusätzliche Einnahmequelle, doch die ist im doppelten Sinn im Sande versickert: Der Wasserzulauf für seinen Angelteich aus der Müritz-Elde-Wasserstraße wurde vom Wasser- und Schifffahrtsamt gekappt und das Bauamt im Landkreis hat einen sofortigen Baustopp erwirkt. Für den Teich, in dem Forellen durchs Nass schnellen, besteht keine Baugenehmigung. Nur 300 der insgesamt 2100 Quadratmeter großen Wasserfläche befinden sich auf genehmigungsfreier Fläche. Der Gastwirt hätte damit Tatsachen geschaffen, die allen Grundlagen entbehren, informierte Andreas Wißuwa, Leiter des Fachdienstes Bauordnung im Landratsamt. Die Konsequenz: zwei Bußgelder in Höhe von 8000 Euro.

Gestern zog Schilling seinen seit 2007 bestehenden Erschließungsantrag im Amt Dömitz-Malliß zurück. "Wir haben die Interessen mitgetragen, doch es hat länger als nötig gedauert", meinte Bauamtsleiterin Pia Ehbrecht und sah Schilling in der Pflicht.

Was dem Auenkrug-Wirt nicht in den Kopf will: Die Teichanlage mit Schafen und Hühnern besteht seit Jahr und Tag. Die Wasserfläche wurde bereits im Jahre 2007 ausgebaggert, der Sand sollte der örtlichen Feuerwehr gespendet werden, es kamen stetig Angler zum Forellenfischen und nun der plötzliche Stopp.

"Still ruhte der See bis zum Herbst", wundert es Schilling einerseits, andererseits wiederum nicht. Denn Schilling weiß, dass es Streit am Gartenzaun gibt. Schon oft wurde er unliebsam mit Anzeigen aus unterschiedlichsten Anlässen konfrontiert. "Die Polizei fuhr auch ab und an vor und sollte eine Ruhestörung eindämmen, die es überhaupt nicht gab", erinnert sich Schilling. "Die Streitereien mit einem Nachbarn, der einige hundert Meter von meinem ,Chicago Treff entfernt wohnt, hörten und hören wohl auch nicht auf." Schilling hört frustriert auf, wechselt in ein Angestelltenverhältnis, pendelt bald zwischen Heiddorf und Hamburg.

Den Auenkrug hat Schilling den Namen "Chicago Treff" gegeben, weil im Wohngebiet ortsuntypische Hochhäuser zu finden sind. Die Einwohner nennen diesen Teil Heiddorfs seit Jahr und Tag eben Klein Chicago. Und ab und an ergeben sich eben dort solche Ereignisse zwischen den Gesetzen, wie in den goldenen 30er Jahren in der US-amerikanischen Metropole.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen