Kein Tropfen erreicht Molkerei

Die Karstädter Molkerei sitzt weiter auf dem Trockenen. Übers Wochenende führten Milchbauern ihren Protest mit steigender Resonanz fort. Für heute erwarten sie erste Verhandlungsergebnisse und kündigen zugleich weitere Aktionen an.

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01. Juni 2008, 07:49 Uhr

Karstädt/Prignitz - Seit Donnerstag erreicht kein Tropfen Milch die Molkerei. Bis heute 10 Uhr ist die Demonstration der Bauern vor dem Betriebsgelände von der Polizei genehmigt. Doch Ulrich Kieback, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Prignitz, lässt gestern Abend keine Zweifel aufkommen: „Wenn es sein muss, verlängern wir die Blockade.“

Maßgeblichen Einfluss darauf, dürften Verhandlungen nehmen, die gestern Abend in Berlin begannen. Der Deutsche Bauernverband, Der Bund Deutscher Milchviehhalter und der Milchindustriverband trafen sich zu einem Krisengespräch. Ulrich Kieback erneuert die Forderung nach einem angemessenen Milchpreis. Statt der jetzt 30 Cent pro Liter fordern die Bauern 43 Cent. „Das wäre ein Preis, mit dem wir halbwegs leben können“, sagt Kieback.

Aber die Bauern fordern auch einen Systemwechsel. Bisher sei es so, dass sie die Milch liefern, aber die Molkereien ihnen erst sechs Wochen später rückwirkend den Literpreis mitteilen. „Dieses Rätselraten, wieviel wir bekommen werden, muss ein Ende haben“, so der Präsident.

Immer mehr Milchbauern hätten sich übers Wochenende den Protesten angeschlossen. In Mecklenburg-Vorpommern und Nordbrandenburg seien nahezu alle Molkereien dicht. Auch in Südbrandenburg wachse die Solidarität. „Wir schaffen Arbeitsplätze, aber wir müssen auch eine Chance haben, unsere Kollegen zu bezahlen“, sagt Bäuerin Barbara Willer aus Dambeck auf der Kundgebung in Karstädt. Sie fordert die Molkereien auf, gemeinsam zu kämpfen. „So wie wir Bauern, müssen die Molkereien mit geballter Macht gegenüber dem Handel auftreten“, sagt sie.

Für Sven Zerbin beginnt heute bereits die zweite Streikwoche. Der Landwirt aus Schönhagen bei Gumtow will hart bleiben, 14 Tage oder länger, kündigt er an. Seine rund 3500 Liter Milch kippt er täglich weg. Ungern, wie er zugibt.

Ulrich Kieback spricht von einem moralischen Problem. „Ich habe Tränen in den Augen und so geht es vielen Landwirten, die ihre Milch wegkippen. Wir alle haben ein Gewissen“, sagt er. Generalsuperintendent Schulz sprach gestern im Gottesdienst den Bauern Mut zu. Das Vernichten von wertvollen Lebensmitteln sei eigentlich nicht akzeptabel, aber in dieser Situation stehe er auf Seiten der Bauern.

Freitagabend kamen Vertreter von der Molkerei Upahl nach Karstädt. Die hiesige Molkerei ist eine Tochter der Upahler. Am heutigen Montag tage der Vorstand erneut, kündigte Manfred Remus, Vorstandsvorsitzender der Hansa Milch AG an. Er räumte ein, dass nach dem guten Abschluss im Herbst die im Frühjahr erzielte Einigung mit dem Handel „Mist“ sei. Ein Versprechen könne er den Bauern nicht geben, aber er wolle kämpfen.

Remus gab auf Nachfragen der Bauern aber auch zu, dass Upahl am Donnerstag während der Blockade Milch nach Schleswig Holstein umgelenkt habe. Bezugnehmend auf ein aktuelles Schreiben an die Bauern versicherte Remus, dass niemandem eine Vertragsstrafe drohe, wenn er derzeit keine Milch liefere. Und Manfred Remus versprach mehrfach: „Wir kaufen keine Milch aus dem Ausland ein.“ Sollte das Molkereiunternehmen dennoch Schadenersatz an Bauern stellen, sichert Ulrich Kieback in Namen des Bauernverbandes rechtlichen Beistand zu. Während in Gransee nach Augenzeugenberichten Polizisten gewaltsam die Blockade der Molkerei auflösten, blieb es in Karstädt friedlich. „Wir danken der Polizei für ihre Besonnenheit, es besteht eine gute und faire Zusammenarbeit“, so Kieback.

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