Kein Mittagessen für Maika

Ramona Köpsell und ihre zehnjährige Tochter Maika verstehen nicht, wieso das Mädchen kein Essen mehr bekommen soll. Foto: Malte Behnk
Ramona Köpsell und ihre zehnjährige Tochter Maika verstehen nicht, wieso das Mädchen kein Essen mehr bekommen soll. Foto: Malte Behnk

Das kann einem fast auf den Magen schlagen: Weil es Streit um die Bezahlung des Essens für die jüngere Schwester im Kindergarten gibt, wurde Maika Köpsell (10) das Mittagessen in der Regionalen Schule Rehna verwehrt.

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22. September 2008, 07:48 Uhr

Köchelstorf - Eigentlich lebt Ramona Köpsell (44) in Köchelstorf ein glückliches Leben mit ihren vier Kindern. Die jüngste Tochter ist sogar Ehrenpatenkind des Bundespräsidenten Horst Köhler. Doch mit dem neuen Schuljahr ist Ärger in der Familie aufgekommen. Vor einer Woche kam nämlich ein Schreiben an, in dem stand, dass die älteste Tochter Maika (10) kein Mittagessen bekommen würde. „Als Grund wird angegeben, dass ich noch Schulden von der Kita-Verpflegung meiner zweitjüngsten Tochter habe“, schildert Ramona Köpsell.

Rückblick: Im November 2006 war Ramona Köpsell von ihrem damaligen Lebensgefährten verlassen worden und konnte hochschwanger ihre heute fünfjährige Tochter nicht mehr nach Rehna in die Kindertagesstätte bringen. „Daher habe ich sie im November abgemeldet. Im Dezember hieß es dann, dass der Speiseservice noch etwas mit mir zu klären hätte. Als ich darauf mit ihm sprach, sagte man mir, ich müsse noch 16 Euro Essensgeld für meine Tochter für den Dezember bezahlen“, berichtet Ramona Köpsell. Dabei war das Mädchen zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr in der Kita angemeldet.

Anwaltsgebühren: Mutter soll jetzt 130 Euro zahlen
Deswegen weigerte sich Ramona Köpsell auch, das Geld zu zahlen. Dann kam im Jahr 2007 ein Schreiben eines Gadebuscher Anwalts, der zu den 16 Euro für das nicht in Anspruch genommene Essen auch noch 114 Euro Anwaltsgebühren einforderte – 130 Euro also insgesamt.

Die junge Schwester wurde nie vom Essen abgemeldet

„Darauf habe ich mich nicht gemeldet und habe auch weder vom Speiseservice noch von dessen Anwalt wieder etwas gehört, bis Maika jetzt kein Essen bekommen sollte“, schildert die Köchelstorfer Mutter weiter. Sie fragt sich, was das Essen des einen Kindes mit dem des anderen zu tun hat. „Für Maikas Mittagessen habe ich eine Einzugsermächtigung ausgefüllt, so dass immer rechtzeitig bezahlt wird. Sie hat also gar nichts mit der Sache zu tun, wird aber dadurch, dass sie bei der Essensausgabe abgeblockt wurde, diskriminiert“, sorgt sich Ramona Köpsell. „Es ist ja nicht so, dass ich das Essen meiner Kinder nicht bezahlen kann. Aber für nicht erbrachte Leistungen muss ich auch nichts zahlen“, sagt sie.
Das wollte die Mutter auch Edeltraut Heitmann vom Speiseservice erklären. „Ich habe von der Schule die Telefonnummern bekommen und angerufen, doch alles, was die Dame mir entgegen brachte war: Sprechen Sie mit meinem Anwalt“, berichtet Ramona Köpsell.
Edeltraut Heitmann schildert den Sachverhalt anders. Sie besteht auf ihr Geld: „Auch wenn Frau Köpsell ihr Kind in der Kita abgemeldet hatte, war das Mädchen trotzdem nicht vom Essen abgemeldet. Ich habe nichts derartiges erhalten.“ Schließlich sei ihr Speiseservice eine andere Firma als die Kita des Jugendhilfezentrums und daher sei diese Abmeldung nicht mitgeteilt worden. „Dementsprechend habe ich auch im Dezember Essen für das Kind zur Kita geliefert, und dafür möchte ich das Geld“, sagt Edeltraut Heitmann. Dass sie für diese erbrachte Leistung bezahlt werden möchte, ist so auch verständlich. Und da nicht gezahlt wurde, schaltete Edeltraut Heitmann einen Anwalt ein, der die fehlenden 16 Euro einfordern sollte. „Es sind aber nie Zahlungen eingegangen. Als ich Frau Köpsells älterer Tochter dann deswegen kein Essen mehr ausgeben wollte, war sie mir gegenüber am Telefon so aufgebracht, dass ich sie bat, weiter mit meinem Anwalt zu sprechen“, berichtet Edeltraut Heitmann. Gegenüber der SVZ sagte die Inhaberin des Speiseservice zu, dass Maika in dieser Woche wieder Mittagessen bekommen wird. Auf die Begleichung der Schulden besteht sie weiterhin. Denn da das Essen bei ihr nicht abbestellt wurde, hat sie die Leistung erbracht, für die gezahlt werden muss.

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