Kein Geld: Perlin will Straße sperren

Entlang dieser Straße gelten 14 Alleebäume als krank. Sie stellen eine Gefahr da.
Entlang dieser Straße gelten 14 Alleebäume als krank. Sie stellen eine Gefahr da.

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26. April 2010, 06:48 Uhr

Perlin | Mecklenburg-Vorpommern hat mehr als 4400 Kilometer Alleen und den umfangreichsten Alleenschutz in Deutschland. Probleme gibts trotzdem, denn nach Angaben des Bundes für Umwelt und Naturschutz sind nur noch 20 Prozent der Alleebäume gesund. Das Land, das sich um Landes-und Bundesstraßen kümmert, spricht dagegen von einem guten Zustand und verweist auch auf Nachpflanzungen, zum Beispiel zwischen Gadebusch und Rehna. Wer mit dem Alleenschutz aber immer mehr Schwierigkeiten bekommt, sind die Kommunen. Gemeinden, die Alleebäume fällen und nachpflanzen müssen, fehlt das Geld. Beispiel Perlin: Fünf Kilometer lang ist die Gemeindestraße von dort nach Boddin. Für Autos und Lkw ist sie der kürzeste Weg, um über Perlin auf die A24 bei Wittenburg zu kommen. Doch künftig sollen dort nur noch Fahrzeuge der Forst- und Landwirtschaft fahren dürfen, sagt Bürgermeister Hans-Heinrich Franck - Radfahrer und Autos nicht mehr. Denn 14 Kastanien in der Allee sind krank und damit eine Gefahr für Passanten.

Fällen wäre die einfachste Lösung. Aber dann muss die Gemeinde laut Gesetz nachpflanzen. Und das wird teuer, sagt Bürgermeister Franck. "Das Land verpflichtet sich, besonders Alleen zu schützen. Wir haben hier etwa 800 Alleebäume in der Gemeinde. Diese Bäume belasten unseren Haushalt in diesem Jahr schon mit 20 000 Euro. Das Land legt zwar fest, wir wollen diese Bäume schützen, aber es gibt dafür kein Geld", so Franck.

Perlin ist kein Einzelfall. Überall im Land gibt es kranke Bäume an den Straßen, sagt Katharina Brückmann vom BUND. Vor allem große, alte Bäume, die ihr grünes Blätterdach erhaben und schön über die Straßen Mecklenburg-Vorpommerns legen, gebe es immer weniger. "Wir können sagen, dass der Altbaumbestand sehr kritisch zu bewerten ist. Vielleicht sind noch 20 Prozent wirklich gesund. An allen anderen müssen wir schon Abstriche machen an Vitalität und an der Vekehrssicherheit."

Widerspruch dazu kommt von Bernd Sievers vom Verkehrsministerium. "Den Bäumen an Bundes- und Landesstraßen gehts naturgemäß gut. Wir sind für sie zuständig und wir passen auf sie auf", verdeutlicht Sievers. Nicht nur beim Zustand der Alleen sind BUND und Land unterschiedlicher Auffassung. Auch beim Thema Winterdienst. Brückmann sagt: Mit Tausalz sei im Winter nicht gespart worden. Sievers hält dagegen: Es wurde nicht viel Salz gestreut - nur etwa ein Zuckertütchen pro Quadratmeter am Tag.

Das Problem: "Durch diesen Eintrag von Tausalz in den Boden, hat der Baum es sehr schwer, Wasser und auch Nahrung aufzunehmen. Ich sag mal, man bringt einen Patienten, der soll ja eigentlich genesen, und gibt ihm aber nichts zu essen und nichts zu trinken, dann kann er nicht gesund werden. Dann muss er eigentlich nur sterben. Und das ist genau das, was wir am Straßenrand finden."

Einig sind sich BUND und Land dagegen, dass der Alleenschutz wichtig ist. Der kommt das Land auch teuer zu stehen. Die gesetzlich vorgeschriebenen Nachpflanzungen und die Pflege der Bäume an Bundes- und Landesstraßen haben im vergangenen Jahr mehr als sechs Millionen Euro gekostet. Die Gemeinde Perlin geht allerdings leer aus. Denn ihre fünf Kilometer lange Allee ist eine Gemeindestraße, für die die Gemeinde auch zahlen muss. Bürgermeister Franck will sie auch nicht wirklich sperren. Aber woher das Geld für die Nachpflanzungen nehmen? Denn Perlin ist pleite. Wie viele andere Gemeinden auch.

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