Kein Dioxin im Lammfleisch

Schäfermeister Maik Gersonde darf derzeit etwa acht Hektar Weidefläche auf und am Deich zwischen Dömitzer Hafen und der Landesgrenze zu Brandenburg nicht mit seinen Tieren betreten. Eine reine Vorsichtsmaßnahme, seit festgestellt worden ist, dass im Elbdeichvorland erhöhte Dioxinwerte existieren.

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02. Mai 2008, 06:35 Uhr

Dömitz/Schlesin - „Die Sperrung ist schon okay, denn wir als Schäfer sind natürlich auch sehr daran interessiert, dass nur einwandfreie und erstklassige Lebensmittel in Umlauf gebracht werden“, zeigt Maik Gersonde Verständnis für diese Vorsichtsmaßnahme. Schließlich führt er in Schlesin einen Bio-Betrieb.

„Es wurden bei einigen meiner Tiere Probeschlachtungen durchgeführt. Im Lammfleisch selbst ist nachweislich kein Dioxin nachgewiesen worden. Nur in einigen Fällen wies die Leber leicht erhöhte Werte auf, so dass diese Organe im Schlachthof künftig verworfen werden. Ich muss jetzt jede Schlachtung beim Veterinäramt anmelden. Von dort wird dann ein Kontrolleur beauftragt, Schlachtung und Entsorgung zu beaufsichtigen.“
Der 41-Jährige besitzt für seine etwa 2000 Tiere mit Nachzucht rund 60 Hektar Weidefläche in Mecklenburg, acht davon an der Elbe, die er derzeit nicht nutzen kann.

Das Landwirtschaftsministerium hat nach einer kürzlichen Zusammenkunft, den vier von den Sperrungen am Mecklenburger Deich betroffenen Schäfern Hilfen versprochen, denn schließlich haben sie diese Situation nicht herbeigeführt.

„Ich muss beispielsweise die Proben nicht bezahlen, die Pacht wurde uns nicht aufgekündigt sondern eine andere Art der Bewirtschaftung angeboten und auch der Kreisbauernverband will mit Winterfutter aushelfen, das wir ja derzeit nicht von den Deichen holen können.“

Sollten die laufenden Untersuchungen eine Entwarnung ergeben, könnten die Schäfer die Deiche auch wieder abschnittsweise beweiden. Das gebe das Lebensmittelrecht so her, sagt Maik Gersonde. „Was viele nicht wissen ist: Das Dioxin befindet sich nicht im Gras sondern im Sand, es wird von den Pflanzen also nicht aufgenommen.“

Dioxin ist untrennbar mit der Industrieproduktion verbunden, aber in besonders leichtsinniger Weise bis 1989 vor allem im Ostblock in Kauf genommen worden. Ob damalige Tschechoslowakei oder DDR, das Gift gelangte in die Flüsse und damit vor allem in die Elbe. Hier lagert es sich ab, wird dann von den Hochwassern mitgerissen und neu am Unterlauf des Flusses abgelagert. Diesen Vorgang kann keine Politik beeinflussen. Proben mit mehr als 1000 Nanogramm des Giftes je Kilo Bodentrockenmasse seien im Elbdeichvorland und Poldern bei Boizenburg und Dömitz gemessen worden, teilte das Schweriner Landwirtschaftsministerium unlängst mit.

Der höchste gemessene Wert betrage 1854 Nanogramm. Der Grenzwert für Parks, Freizeitflächen und Wohngebiete liege bei 1000 Nanogramm. Die stärker belasteten Flächen lägen jedoch alle abseits der Wohnbebauung. „Wer sich an die zur Benutzung freigegebenen Wege und Flächen hält, setzt sich keinem Risiko aus", erklärte Umweltminister Till Backhaus. Ein Vergleich der gemessenen Werte mit dem Dioxin-Grenzwert für Kinderspielplätze sei „nicht sachgerecht“, weil es in den betroffenen Gebieten an Elbe und Sude weder offizielle Badestellen noch Spielplätze gebe. Für die Beweidung und Tierfuttererzeugung seien bereits im vergangenen Jahr Beschränkungen erlassen worden.

Als Quelle für das Dioxin vermutet das Ministerium Altlasten, die von der Elbe mitgeführt werden. Seit der großen Elbeflut von 2002 wird jedes Jahr im Frühjahr das Gras auf den Überflutungswiesen auf Schadstoffe untersucht. Im April vergangenen Jahres hatten Experten erstmals erhöhte Werte gemessen. Pflanzen nehmen Dioxin in der Tat nicht auf. Bei Menschen und Tieren lagert es sich im Fettgewebe ab. Bereits geringe Dioxin-Konzentrationen gelten als gefährlich für das Immunsystem und sind möglicherweise krebserregend.

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