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18. Dezember 2017 | 15:53 Uhr

Kaum Adoptionen im Kreis

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erstellt am 27.Mai.2010 | 07:27 Uhr

Prignitz | Adoptionen sind ein zweischneidiges Schwert: Auf der einen Seite die ungewollt kinderlosen Eltern, die sich sehnlichst Nachwuchs wünschen - auf der anderen Seite die abgebenden Mütter, die nicht selten lebenslang unter dem Dilemma leiden. Manuela Bittner wandelt ständig zwischen diesen Fronten. Die Diplomsozialpädagogin ist seit 2003 für die Kindesvermittlung in der Prignitz zuständig.

Die Adoptionsstelle ist im Landratsamt Ostprignitz-Ruppin angelagert. Bittner hält jeden ersten Dienstag im Monat in Perleberg eine Sprechtag ab und sie kennt sich aus in den aktuellen Trends: Obgleich sich die Wartezeit für adoptionswillige Eltern deutlich verringerte und Hürden abgebaut wurden, ist seit Anfang dieses Jahres ein Abschwung in der Region zu verzeichnen. "Wir haben keine Ahnung, woran das genau liegt", sagt Bittner. Sie mutmaßt, dass es existenzielle Gründe in Zeiten der Wirtschaftskrise sein könnten. Allerdings geht die Zahl der Adoptionen auch deutschlandweit seit Jahren zurück.

Im Schnitt werden im Landkreis Prignitz pro Jahr fünf bis sieben Kinder vermittelt. Ein Hoch gab es im zurückliegenden Jahr mit 13 Adoptionen. In der Regel sind es neugeborene Kinder, die in ein neues Zuhause kommen. In Einzelfällen können sie aber auch bis zu acht Jahren alt sein. "Usus ist es, dass die Neugeborenen inkognito abgegeben werden. Die meisten leiblichen Mütter beziehungsweise Eltern möchten dennoch gern auf dem Laufenden gehalten werden über die Entwicklung ihrer Sprösslinge", berichtet Manuela Bittner. Bei älteren Kindern, so die Expertin, sei hingegen eher die offene Adoption üblich.

Wartezeit maximal zwei Jahre

Die Wartezeit für Adoptiveltern halbierte sich seit 2003 von seinerzeit drei Jahren auf aktuell ein bis maximal zwei Jahre. Die Hürden, die Adoptiveltern zu nehmen haben, seien gesellschaftlichen Entwicklungen angepasst worden. "Häufig existiert in den Köpfen noch die Vorstellung, dass man mit 40 zu alt für eine Adoption sei. Allerdings hat sich das Alter, in dem Frauen ihre Kinder bekommen, deutlich nach hinten verlagert. Somit entscheiden wir im Einzelfall nach der Vitalität der Eltern in spe, nicht allein nach den Lebensjahren." Auch Singles dürfen Kinder adoptieren, wenngleich das die Ausnahme sei. "Wir sind flexibel", fasst sie die Vorgehensweise in der Adoptionsstelle in Neuruppin zusammen, wo sie mit einer Kollegin zusammenarbeitet, die den Nachbarkreis betreut.

Der Großteil der Bewerber, die Manuela Bittner bisher in der Prignitz betreute, adoptiert im Alter von Mitte bis Ende 30. Es ginge auch eher, die untere Altersgrenze liegt bei 25 Jahren für Alleinstehende bzw. 25 und 21 Jahren (ein Partner muss das 25. Lebensjahr vollendet haben, einer mindestens das 21.). "Allerdings beansprucht die Unfruchtbarkeitsbehandlung ihre Zeit. Hinzu kommt die Vorbereitungsphase auf die Adoption."

Die künftigen Eltern müssen den Umstand, dass sie keine leiblichen Kinder haben können, vollständig verarbeitet und betrauert haben, gesund, belastbar und finanziell abgesichert sein, sich zudem auf die Betreuung durchs Jugendamt einlassen, die auf die Adoption folgt. "Grundsätzlich suchen wir immer die geeigneten Eltern für das Kind - dessen familiären Hintergrund wir in der Regel sehr genau kennen", fasst Bittner zusammen. Dabei werde auch darauf geachtet, dass sich abgebende und adoptierende Eltern regional nicht zu nah sind.

Insgesamt sei das Klima für Adoptionen freundlicher geworden. Man gehe offensiver mit dem Thema um, es gebe einen anderen fachlichen Blick, Klischees verlören an Bedeutung. Und kleine Wunder geschehen hier auch: So wartete und kämpfte eine Prignitzer Familie sieben Jahre lang um ein Adoptivkind. Als das Baby endlich in der Familie ankam, wurde die Frau schwanger. "Die beiden Kinder sind nur ein knappes Jahr auseinander. Es funktioniert", weiß Bittner, die einschränkt, dass es eine Garantie auf später trotz noch so sorgfältiger Prüfung im Vorfeld niemals geben könne.

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