Kaufen Russen die Aker-Werften?

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20. März 2008, 09:21 Uhr

Rostock - Die Spekulationen überschlagen sich: Seit dem spektakulären Ausstieg des norwegischen Aker-Haupteigners Kjell Inge Røkke aus der Schiffbausparte vor fast genau einem Jahr kursieren in Schiffbau- und Finanzkreisen die verschiedensten Pläne. Sie reichen von der Zerschlagung des Werftenverbundes, der Ausgliederung einzelner Unternehmensbereiche wie zum Beispiel Offshore-Sparte bis zum Verkauf der beiden gewinnbringenden Werften im Handelsschiffbau in Wismar und Warnemünde. Die zukünftige Struktur des Konzerns und die Zukunft der deutschen Töchter mit 2300 Beschäftigten sei nach dem enttäuschenden Abschluss für 2007 „völlig offen“, erklärte Aker-Sprecher Torbjørn Andersen gestern in Oslo.

Noch keine Entscheidung des Aufsichtsrates

Doch die Pläne scheinen Gestalt anzunehmen. Einem Bericht zufolge sollen die Ostseewerften in MV von einer russischen Investorengruppe übernommen werden. Das Geschäft soll über eine ukrainische Tochtergesellschaft abgewickelt werden, an der die russische Gruppe zu 70 Prozent beteiligt ist. In Finanzkreisen hieß es gestern, dass sich ein Einstieg der Russen für die beiden Ost-Werften durchaus förderlich auswirken könnte. So liege die russische Flotte ziemlich am Boden, so dass reichlich investiert werden müsse – Arbeit für Wismar und Warnemünde.

Derzeit verfügen die beiden Betriebe 23 Neubauaufträge, die bis zum dritten Quartal 2010 reichen. Die koreanischen Hauptgesellschafter hingegen seien weniger an Containerfrachtern als am Know-how im Spezialschiffbau interessiert. Die koreanische STX-Gruppe, zu der die weltweit siebtgrößte Schiffbauer STX Shipbuildung gehört, hatte erst im Herbst 2007 für 560 Millionen Euro 39,2 Prozent der Anteile erworben.

„An solchen Spekulationen werden wir uns nicht beteiligen,“ wehrte Werft-Sprecher Matthias Trott gestern in Wismar noch ab. Auch das Wirtschaftsministerium wollte keine Stellungnahme abgeben. Es gebe bisher weder einen Vertrag noch eine „Entscheidung des Aufsichtsrates zur Veränderung der Eigentümerstruktur“, sagte Trott. Das könnte sich schnell ändern. Für den 1. April ist auf Drängen des neuen großen Aktionärs Havyard Invest AS eine außerordentliche Aktionärsversammlung einberufen worden – offiziell um einen neuen Aufsichtsratschef zu wählen. Experten sehen indes „viele Optionen“.

Erst Anfang März hatte sich der Verbund nach Verlusten im vergangenen Jahr von seinem Vorstandschef Yrjö Julin getrennt. Rote Zahlen beim Bau von Kreuzfahrtschiffen in Finnland sowie im Schiffbau in Norwegen konnten durch die Gewinne auf den beiden deutschen Werften nicht ausgeglichen werden, sagte Werftsprecher Matthias Trott gestern in Wismar.

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