Jürgen Brähmer steht am 8. Januar im WM-Kampf im Boxring : Kampf an zwei Fronten

Beim Lauftraining: Jürgen Brähmer vor dem Schweriner Schloss. dpa
Beim Lauftraining: Jürgen Brähmer vor dem Schweriner Schloss. dpa

Wenn seine Familie demnächst die Feiertage begeht, steht Profiboxer Jürgen Brähmer im Gym. Am 8. Januar tritt der WBO-Champion zur Titelvereinigung gegen WBA-Titelträger Beibut Schumenow an.

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22. Dezember 2010, 11:10 Uhr

"Ich trainiere, das ist ein ganz guter Grund, die Feiern abzusagen", sagt der Cruisergewichts-Weltmeister, "da habe ich sowieso nicht so viel Lust drauf." Am 8. Januar tritt der WBO-Champion in Kasachstan zur Titelvereinigung gegen den einheimischen WBA-Titelträger Beibut Schumenow an. "Eine Titelvereinigung ist für ganz Deutschland eine Ehre", sagt der 32-Jährige, "ich freue mich riesig darauf."

Berufungsverhandlung beginnt im Frühjahr

Sportlich steht ihm in der kasachischen Provinzhauptstadt Tschimkent kurz nach Jahresbeginn der wohl wichtigste Fight seiner Karriere bevor, anschließend muss er seinen Kampf vor Gericht fortsetzen. Im Frühjahr startet vor dem Landgericht in Schwerin die Berufungsverhandlung wegen des Vorwurfes der Körperverletzung und Beleidigung. In erster Instanz war er vor gut einem Jahr vor dem Amtsgericht zu 16 Monaten Gefängnis verurteilt worden. "Ich freue mich schon auf das Landgericht, da werden einige Sachen zu Tage kommen, die noch nicht bekannt sind", kündigt Brähmer kryptisch an.

Privatdetektive ließ er ermitteln, um seine Unschuld zu belegen, Befangenheit des Richters nahezulegen und die Glaubwürdigkeit der Hauptbelastungszeugin zu erschüttern. "Es wurden keine Kosten und Mühen gescheut", sagt Brähmer, "ich lass mich nicht so abzocken. Ich werde jeden Schritt bis zu Ende gehen."

Das erste Verfahren ließ tatsächlich zahlreiche Fragen offen, so wurden unter anderem entlastende Aussagen nicht gewürdigt. Gegen das Urteil haben Staatsanwaltschaft und Verteidigung Berufung eingelegt. Die Staatsanwaltschaft ficht das Urteil wegen eines Fehlers des Gerichts bei der Strafbemessung an. Die Verteidigung drängt auf einen Freispruch und hält den Richter für befangen. "Es wird ein neuer Staatsanwalt Anklage erheben, der alte muss in den Zeugenstand", sagt Brähmer.

Der gebürtige Stralsunder ist durch seine sportliche Laufbahn in der Lage, die gewaltigen Kosten des Verfahrens zu tragen, er weiß aber sehr wohl, dass er damit privilegiert ist: "Gerechtigkeit muss man sich leisten können."

"Der Kachelmann ist doch jetzt erledigt"

Brähmer verfolgt deshalb auch den Fall Jörg Kachelmann mit großem Interesse: "Der Kachelmann ist doch jetzt erledigt, beruflich. Auch wenn sie ihn freisprechen sollten. Wenn man sich vorstellt, wie abhängig man von der Justiz ist. Irgendeiner behauptet einfach irgendetwas."

Die Unterstützung seines Universum-Boxstalls in dem Verfahren hatte Brähmer immer. Auch deshalb war es für ihn nie eine Frage, das Unternehmen von Klaus-Peter Kohl zu verlassen, nachdem das ZDF den Vertrag mit dem Hamburger im Sommer auslaufen ließ. "Man hat Angebote von außerhalb, aber ich fühle mich auch ein wenig verpflichtet", erklärt der Mecklenburger.

Eine Konsequenz ist nun aber, dass er seinen Titelkampf im Ausland bestreiten muss: "In Deutschland fehlt das Geld an allen Ecken und Enden." Das Interesse der TV-Sender sei da, aber die Bezahlung würde nicht mehr stimmen: "Man darf sich nicht unter Wert verkaufen", sagt Jürgen Brähmer, "die TV-Sender wollen Weltklassesport, aber die Sportler nur wie Amateure bezahlen."

Der WBO-Champion glaubt deshalb auch nicht, dass sich der Gang in die Selbstständigkeit für seinen ehemaligen Stallkollegen Felix Sturm gerechnet hat. Der Mittelgewichts-Weltmeister arbeitet mittlerweile auf eigene Rechnung und mit Sat.1 zusammen. "Seine eigene Vermarktung hat sich doch bisher finanziell gar nicht gerechnet", meint Brähmer, "wahrscheinlich bereut er inzwischen insgeheim schon seinen Schritt."

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