Kameras schauen immer zu

Ob Bus oder Bahn, Straße oder Fußgängerzone: Immer mehr Überwachungskameras richten auch in Rostock ihr Teleobjektiv auf ahnungslose Passanten. Zu ihrer Sicherheit oder zu ihrer Kontrolle – darüber streiten Gegner und Befürworter.

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31. März 2008, 04:16 Uhr

Gleich zwei Überwachungskameras haben Nicole L. überführt. Die 17-Jährige hatte vor wenigen Wochen einen jungen Mann am Haltepunkt Lütten Klein regelrecht niedergestochen. Jetzt drohen ihr Verfahren und Verurteilung – dank der Videoaufzeichnungen.

Dazu beigetragen haben unter andrem die Kameras der Deutschen Bahn, die an jedem Steig auf der S-Bahnstrecke zwischen Hauptbahnhof und Warnemünde sowie in einigen Tunneln angebracht sind. „Wie der aktuelle Fall zeigt, unterstützt dieses Mittel die polizeiliche Arbeit ernorm“, sagt Stefan Perschal von der Bundespolizei, die die Bilder auswerten. Im Rostocker Hauptbahnhof laufen die Daten zusammen. Bahnsprecher Burkhard Ahlert will erst keine Empörung aufkommen lassen: Die Aufzeichnungen dienten in erster Linie dazu, das Aus- und Zusteigen zu koordinieren und das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste zu erhöhen. Wenn Straftaten dadurch aufgedeckt werden, gut. Wenn Kriminalität verhindert werden kann, um so besser.

Überwachung lässt Straftaten sinken
Eine ähnliche Strategie verfolgt auch die Rostocker Straßenbahn AG, die ebenfalls Bilder zur Ergreifung der 17-jährigen Messerstecherin beitragen konnte. Mittlerweile sind 60 Prozent aller Busse und Straßenbahnen mit moderner Überwachungstechnik ausgerüstet. Zum Jahresende sollen sogar bei drei von vier RSAG-Fahrzeugen Kameras mitfahren. Die Statistik spricht für sich: 90 Prozent weniger Straftaten, verzeichnet das Unternehmen nach eigenen Angaben seit 2004. Von 30 gemeldeten Starftaten im vergangenen Jahr seien 17 Fälle anhand des Videomaterials aufgeklärt worden.

Seit etwa einem halben Jahr Jahr lugt über dem Dach des ehemaligen Schiffcomerzgebäudes in der Doberaner Straße eine Überwachungskamera hervor. Sie kontrolliert den Eingangbereich des rechten Szenegeschäfts „East Coast Corner“. Nach Kritik von Einwohnern und dem Landesbeauftragten für Datenschutz und einigen Zugeständnissen kann die Rostocker Polizei nun eine positive Bilanz ziehen: Zwölf Straftaten in drei Monaten vor der Installation der Kamera, drei in sechs Monaten danach. Kameras an anderen Stellen der Stadt seien allerdings derzeit nicht geplant, teilt Polizeisprecherin Katrin Drewelow. Dabei lässt der Behörde ein im Juni 2006 verschärftes Ordnungsgesetz mehr Befugnisse. Doch dazu müsste die Polizei Kriminalitätsschwerpunkte in Rostock definieren. Doberaner Platz, Universitätsplatz und Bahnhofsvorplatz geben dies derzeit nicht her.

Auch die Stadtverwaltung überwacht mittels Videokameras. Allerdings nur den Verkehr – an den Kreuzungen Arnold-Bernhard-Straße und Vögenteich sowie Rennbahnallee und Barnstorfer Ring. Diese Daten würden allerdings nicht aufgezeichnet, beschwichtigt das Tief- und Hafenbauamt.

Sollten sie ruhig. Weitere Videokameras würden durchaus einen positiven Effekt bedeuteten. Das meint Innenminister Lorenz Caffier, der mit Blick auf die Ermittlungserfolge im Fall der jugendlichen Messerstecherin einen weitere Ausdehnung der technischen Überwachung fordert. „Derzeit wird im Innenministerium geprüft, an welchen Orten und öffentlichen Plätzen diese Maßnahmen dazu beitragen könnten, die öffentliche Sicherheit zu erhöhen.“

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