Kameradschaften treten der NPD bei

Die Mitgliederzahl der NPD ist im vergangenen Jahr um 30 Prozent gewachsen. Für den Verfassungsschutz ein deutliches Zeichen, dass sich der rechtsextreme Rand im Land zunehmend organisiert.

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29. April 2008, 08:16 Uhr

Schwerin - Tino Müller, Landtagsabgeordneter und Aktivist der Neonaziszene im Uecker-Randow-Kreis hämmert seinen Kameraden ein: „Es muss auch von dem Letzten erkannt werden, dass endgültig Schluss sein muss mit der Aufspaltung in Kleinstgruppen, .... dass nur eine Einigkeit im Schicksalskampf um unser deutsches Volk uns weiterbringt.“ Im NPD-internen Informationsblatt „klipp und klar“ erklärt Müller weiter: „Wir brauchen dem Bündnis keinen anderen Namen zu geben, als NPD.“

Die rechtsextreme Szene organisiert sich immer besser, schlussfolgert der Verfassungsschutz in seinem gestern von Innenminister Lorenz Caffier (CDU) vorgestellten Bericht. Noch vor knapp drei Jahren hatte die NPD weniger als 200 Mitglieder. Der braune Geist verteilte sich damals in Mecklenburg-Vorpommern auf zehn bis zwölf lose organisierte, sogenannte Freie Kameradschaften wie das „Soziale und Nationale Bündnis Pommern“ oder die „Mecklenburgische Aktionfront“.

Laut Caffier sind inzwischen große Teile dieser Kameradschaften „geschlossen in die NPD eingereten.“ Allein im vergangenen Jahr wuchs deren Mitgliederzahl von 300 auf 400. Damit steigt nicht nur der Organisationsgrad der rechtsexremen Szene. Nach Ansicht des Verfassungschutzes dominieren Neonazis aus den Kameradschaften auch zunehmend die NPD. „Schwer zu sagen, wer da gerade wen schluckt“, meinte Jürgen Lambrecht, Abteilungsleiter Verfassungsschutz. Bezeichnenderweise seien auf dem jüngsten Parteitag der NPD von den neun Mitgliedern des Parteivorstandes fünf aus der Neonazi-Szene gewählt worden.

Gefahr durch IslamistenNach Einschätzung des Verfassungsschutzes geht derzeit allerdings die größte Gefahr für die innere Sicherheit in Deutschland von islamistischen Terroristen aus. „Da macht Mecklenburg-Vorpommern keine Ausnahme“, sagte Caffier . Laut Bericht gehörten im Vorjahr rund 280 Personen im Land dem „ausländerextremistischen Spektrum“ an, davon weniger als zehn der radikal-islamischen Palästinenserorganisation Hamas und rund 240 der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK).

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