Kameraden unter "Beschuss"

Es war nicht nur der bisher größte Waldbrand in der Region in diesem trockenen Sommer. Es war auch der bislang gefährlichste: Vier Hektar Privatwald bei Neu Karstädt standen in Flammen. Ein Gelände, von dem bekannt ist, dass es mit Munition aus dem Zweiten Weltkrieg stark belastet ist. Und das Feuer ließ etliches hoch gehen.

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10. Juni 2008, 08:55 Uhr

Neu Karstädt - „Nicht reingehen, da liegt überall Munition. Wir löschen von außen!“ Bernd Rüsch, der den Einsatz vor Ort leitete, instruiert seine Leute im Befehlston, der keinen Widerspruch duldet. Er weiß warum. „In der Gegend haben wir etliche Stellen, wo Munition aus dem Zweiten Weltkrieg liegt. Wahrscheinlich weggeworfen oder in Bombentrichtern verscharrt von den Deutschen, die hier bei Karstädt auf die Amerikaner trafen und flohen.“ Reingehen kann das Leben kosten. Während die Wehren von Grabow und Karstädt zu löschen beginnen, alarmiert Rüsch alle verfügbaren Wehren nach. Zwölf sind es am Ende, insgesamt 109 Mann. „Draußen bleiben“, geht die Weisung über Funk an alle Truppführer. Immer wieder geht Karabiner- und Flakmunition hoch. Manchmal direkt neben den Kameraden. „Das war, als wenn einem das Zeug um die Ohren fliegt. Gar nicht mal laut, aber unberechenbar“, sagt Rüsch, der bei 23 Detonationen zu zählen aufgehört hatte.

Die Männer bleiben draußen, bringen drei Wasserwerfer in Stellung, Reichweite ca. 80 Meter und haben den Brand noch nicht unter Kontrolle, als der Bohrbrunnen im einen Kilometer entfernten Neu Karstädt nach 43 mal 4000-Liter-Tankungen leer ist. „Das Grundwasser war weg“, zuckt Rüsch die Schultern. Die zweite Zapfstelle, ungefähr 900 Meter weit weg, versiegt zum Glück nicht. Vier Pumpen sorgen dafür, dass pro Minute 2000 Liter auf die Flammen abgefeuert werden können.

Doch der Kampf ist längst noch nicht gewonnen. Die Kameraden – weiter unter „Beschuss“ – versuchen das Feuer, das inzwischen mehr als vier Hektar gefressen hat, einzukreisen. „Auf einmal dreht es sich und marschiert auf den Hochwald zu“, berichtet der Grabower Wehrführer und meint: „Das war genau der Moment, als wir kurz davor waren, Bundeswehrhubschrauber anzufordern.“ Kurze Absprache mit dem Kreiswehrführer, dann wird die Idee jedoch wieder verworfen. Rüsch: „Löschen aus der Luft, das wär’s gewesen. Hätte aber wegen der ganzen Bürokratie zu lange gedauert.“ Also „feuern“ die Kameraden weiter aus allen Rohren, ziehen Feuergräben und bringen den Waldbrand, der sich bis nach Grabow hätte durchfressen können, endlich unter Kontrolle.

Bis gestern Vormittag hatte Rüsch Feuerwachen eingeteilt. Danach musste der Eigentümer, der noch gestern bei der Polizei Anzeige wegen Brandstiftung stellte, übernehmen. „Allerdings denke ich, dass die Sache vielleicht noch nicht ausgestanden ist“, sagt der Einsatzleiter mit Blick auf den rußigen Waldboden, der an vielen Stellen qualmt. „Wir können nicht weiter Wache schieben, das ist zu teuer. Aber im Ernstfall sind wir natürlich wieder da.“

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