Kobrow : Kaiserlicher Landauer das neue Juwel

Die Kordeln müssen richtig liegen. Museumsbetreuer Norbert Schönborn achtet auch auf Details. Dieser kaiserliche Landauer  ist das neue Glanzstück im Kobrower Kutschenmuseum, dessen Sammlung  noch sehenswerter geworden ist. Fotos: Rüdiger Rump
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Die Kordeln müssen richtig liegen. Museumsbetreuer Norbert Schönborn achtet auch auf Details. Dieser kaiserliche Landauer ist das neue Glanzstück im Kobrower Kutschenmuseum, dessen Sammlung noch sehenswerter geworden ist. Fotos: Rüdiger Rump

Im Kutschenmuseum wurde vorigen Monat kräftig umgeräumt. Durch den Zukauf weiterer Fahrzeuge ist die weit und breit einmalige Sammlung noch umfangreicher und sehenswerter geworden.

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04. Mai 2013, 05:14 Uhr

Im Kutschenmuseum wurde vorigen Monat kräftig umgeräumt. Durch den Zukauf weiterer Fahrzeuge ist die weit und breit einmalige Sammlung noch umfangreicher und sehenswerter geworden. Ein Großteil der Militärtechnik musste zeitweilig ausquartiert werden und fand seine Bleibe in einer ehemaligen Getreidehalle, damit die neu eintreffenden Kostbarkeiten sicher und trocken abgestellt werden konnten. Die Militärfahrzeuge, vorwiegend aus der Zeit beider Weltkriege und von Pferden gezogen, stehen wieder an ihrem angestammten Platz im rechten Hallentrakt. Die Kutschen, die dazugekommen sind, wurden inzwischen in die Ausstellung integriert, die anderen, die weichen mussten, untergestellt, bis für sie Raum geschaffen ist.

Allein fünf achtfach gefederte Wagen sind hinzugekommen. Diese gehobene Ausführung würde heute bei den Pkw als Oberklasse verkauft. Noch eine darüber in Richtung Luxuslimousine gehe ein kaiserlicher Landauer, das neue Juwel in der

illustren Sammlung, wie Museums betreuer Norbert Schönborn findet. Am englischen Königshaus zum Beispiel gäbe es zwar noch schönere Kutschen, regelrechte Prunkwagen, die unter anderem mit Kronen bestückt sind, doch was die Besucher im Kobrower Museum zu sehen bekommen, sei schon aller Ehren wert, ist Schönborn überzeugt. Mit großem Interesse und Akribie recherchiert er in historischen Quellen und Fachliteratur, um möglichst viel über die Fahrzeuge aus der Vergangenheit zu erfahren und sie danach möglichst originalgetreu zu präsentieren, aber auch dieses Wissen bei Führungen weiterzugeben. Oft begleiten Geschichten, die verbürgt oder manchmal nur erzählt worden sind, den Fundus an Informationen.

Die kaiserliche Kutsche wurde ursprünglich à la Daumont gefahren, benannt nach dem französischen Adligen, der diese vornehmste Art der Anspannung kreiert hat. Grundsätzlich vierspännig, saßen der Oberhof- und der Ober stallmeister des Kaisers jeweils auf dem linken Pferd, und von dort führten sie mit den Zügeln auch die beiden rechten Pferde, erklärt der Museumsbetreuer. Ein Vorreiter bahnte den Weg oder kündigte das Gefährt mit den herrschaftlichen Insassen an. Das in der Kobrower Ausstellung wurde allerdings nicht à la Daumont gefahren. Dieser Landauer hat vorn einen Kutschbock mit Galadecke für die beiden Meister vom Hofe. Dazu für den interessierten Besucher unscheinbare Details: An der Seite sind Leder schlaufen angebracht als kleine Hilfe für die Kutscher beim Aufsteigen, und das Bockbrett schließen gedrechselte Säulen ab, die die Füße schützen. Der Wagenkasten ist separat in vier Riemen aufgehängt und schaukelt so zwischen den aufgesetzten Federn. Schönborn ist begeistert. Schon als er eine Tür leicht zufallen lässt, gerät die Kutsche ins Schwingen. Das Verdeck lässt sich umklappen, das Fenster der geteilten Türen versenken. Damit die Herrschaften bequem in die Kutsche kamen und ebenso wieder heraus, ist der Ausstieg dreifach ausklappbar. Hinter dem Wagenkasten gibt es extra einen Sitz für zwei Lakaien, die bei einem Halt heruntersprangen. Einer stellte sich vor die Pferde, damit sie ruhig stehen, der andere öffnete die Türen.

Achtfach gefedert ist auch die Barouche, mit der bei schönem Wetter promeniert wurde, angesichts der vier dunkelblau gepolsterten Sitze auch in Gesellschaft. Mit dieser Kutsche ließen sich keine Herrschaften aus Hochadel oder Fürstenhäusern fahren, sondern eher Barone oder reiche Kaufleute.

Als weiteres Glanzstück nennt Schönborn ein Damen-Coupé in Beige, innen original mit Seidenbrokat tapeziert und mit Vorhängen ausgestattet. Der Wert stecke in der Tapezierung. Über das Beige lasse sich vielleicht streiten, doch den Damen habe es vermutlich gefallen, und das Gefährt wurde wohl nur in der Stadt gefahren. Auch mit dem Weiß der Hochzeitskutsche kann sich der Museumsbetreuer wenig anfreunden. "Manche mögen das, aber es war wohl eher die Idee von Filmleuten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass früher bei den unbefestigten, manchmal matschigen Wegen auf dem Lande mit einer weißen Kutsche gefahren wurde. Kenner lächeln eher darüber." Eine sehenswerte Ergänzung für das Kutschenmuseum sei sie dennoch, denn gerade ältere Besucher hätten häufiger nach einer Hochzeitskutsche gefragt. Jetzt ab Mai hat das Kobrower Kutschenmuseum auch am Wochenende und damit täglich von 10 bis 16 Uhr geöffnet.

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