Kahn beim letzten Titel im Abseits - Klinsmann erhält „intaktes Team“

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05. Mai 2008, 06:12 Uhr

Wolfsburg/München - Ausgerechnet bei seinem 8. und letzten deutschen Meistertitel stand Bayern-„Titan“ Oliver Kahn im Abseits. Als seine Teamkollegen am Sonntagabend mit dem 0:0 beim VfL Wolfsburg den Start-Ziel-Sieg des FC Bayern München in der Fußball-Bundesliga unter Dach und Fach brachten, war der Kapitän weit weg. Wegen eines eingeklemmten Nervs am Rücken, der ihn immer noch behindert, war der 38-Jährige erst gar nicht mit nach Wolfsburg gereist. „Weil es keinen Sinn macht“, wie der Torhüter erläuterte. So durfte sein designierter Nachfolger Michael Rensing (23) in seinem 22. Bundesliga-Spiel das Meisterstück mit der Nullnummer einfahren - und anschließend jubeln.

„Richtig gefeiert wird ohnehin erst in München - und die Schale gibt´s ja heute auch noch nicht. Insofern hat Oliver Kahn nichts versäumt“, kommentierte Trainer Ottmar Hitzfeld. Drei Tage nach dem Tiefschlag im UEFA-Pokal-Halbfinale bei Zenit St. Petersburg (1:4) waren Hitzfeld und der FC Bayern wieder obenauf, und Uli Hoeneß durfte die von ihm gewünschte „Fernglas“-Meisterschaft bejubeln. Die Formel Geld = Erfolg ging mit dem 7. Double der Vereinsgeschichte auf - national steht der FC Bayern wieder als Dominator da. „Für uns war die Priorität, in dieser Saison deutscher Meister zu werden“, betonte Hoeneß.

Rund 80 Millionen Euro hatten die Macher des Rekordmeisters nach dem bitteren vierten Platz der Vorsaison für Stars wie Franck Ribéry oder Luca Toni locker gemacht. „Die hohen Investitionen haben große Rendite gebracht“, frohlockte Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge.

Trotz des geplatzten Triple-Traums: Der 14. DFB-Pokalsieg und die 21. Meisterschaft sind eine großartige Saison-Ausbeute, gerade auch für Kahn und den ebenfalls am Saisonende scheidenden Trainer Ottmar Hitzfeld. Dieser machte seinen siebten deutschen Meistertitel ausgerechnet in seinem 250. Bundesliga-Spiel als Bayern-Coach perfekt. „Bei Bayern zählen nur Titel“, sagte der künftige Nationaltrainer der Schweiz.

Am 17. Mai wird der 59-Jährige nach dem letzten Liga-Spiel gegen Hertha BSC noch einmal mit seinem Weggefährten Kahn in München auf dem Rathaus-Balkon stehen - mit der Meisterschale und dem DFB-Pokal in der Hand. „Ottmar Hitzfeld hat großartige Arbeit geleistet“, würdigte Bundestrainer Joachim Löw den Trainer-Kollegen.

Hitzfeld wird den Stab an Jürgen Klinsmann weiterreichen. „Ich kann ihm ein intaktes Team übergeben“, sagte der scheidende Coach. Der Auftrag an den früheren Bundestrainer bei seinem ersten Job als Vereinscoach ist klar definiert. „Natürlich werden wir nächstes Jahr viel Wert auf die Champions League legen“, erklärte Hoeneß. Klinsmann muss „die Mannschaft weiterentwickeln“, wie Kahn bemerkte - das Projekt Klinsmann macht den FC Bayern künftig noch spannender.

Ob Klinsmann beim Champions-League-Angriff neue Stars als Starthilfe erhält, ist offen. Zu einem neuerlichen Großeinkauf im Sommer tendieren die Bosse nicht. „Im letzten Jahr hatten wir eine Mannschaft, die runderneuert werden musste. Wir mussten tabula rasa machen“, sagte Karl-Heinz Rummenigge. Er versprach: „Wir werden auch nächstes Jahr eine Klasse-Mannschaft auf dem Platz haben.“

Die Bayern-Gesichter der Meisterschaft 2008 waren Ribéry und Toni. Der Franzose verzauberte die Fußballfans mit Tricks und Tempo. Nicht nur Rummenigge fühlte sich bei Ribérys Vorstellungen bisweilen wie im „Zirkus Sarrasani“. Italiens Weltmeister Toni glänzte mit Toren, Toren, Toren. Das Fachmagazin „kicker“ erkor ihn zum „Besten seit Gerd Müller“. Die Torjäger-Kanone des Fußball-Magazins ist dem Italiener (21 Treffer) bei fünf Toren Vorsprung auf Nationalspieler Mario Gomez vom entthronten Champion vfB Stuttgart in seiner Bundesliga-Premieren-Saison kaum noch zu nehmen.

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