Junghans als lachender Gewinner?

Heute muss der von den Schwerinern abberufene Oberbürgermeister Norbert Claussen (CDU) seinen Stuhl im Stadthaus endgültig räumen. In ruhiges Fahrwasser kommt die Verwaltung indes nicht: Pläne, dem umstrittenen Dezernenten Hermann Junghans (CDU) wieder mehr Aufgaben zu übertragen, stoßen nicht nur in der Politik auf Protest. Die laut Stadt mittlerweile wieder verworfene Idee, dass Junghans sogar den wichtigen Wirtschaftsbereich übernehmen könne, traf offenbar auch in Ämtern auf Widerstand.

svz.de von
16. Juli 2008, 09:46 Uhr

Schwerin - „In der Verwaltung herrscht in etlichen Amtsstuben pure Panik“, sagt der bündnisgrüne Stadtvertreter Dr. Edmund Haferbeck. Grund dafür seien Pläne des nach der Abberufung von Oberbürgermeister Norbert Claussen amtierenden Verwaltungschefs Dr. Wolfram Friedersdorff (Linke), dem umstrittenen Dezernenten Hermann Junghans (CDU) künftig doch wieder mehr Aufgabenbereiche zu übertragen. Wie berichtet, hatte der damalige OB Claussen den – wie er selbst – im Fall Lea-Sophie unter Druck geratenen Junghans „aus der Öffentlichkeit genommen“, nachdem das Abwahlverfahren gegen den Dezernenten in der Stadtvertretung Ende Februar überraschend gescheitert war. Junghans verantwortet seitdem nur noch das Liegenschaftsamt.

Das soll sich jetzt offenbar wieder ändern. „Der endgültige Zuschnitt des künftigen Junghans-Dezernates ist nach wie vor nicht klar, wird aber überaus kontrovers in den zuständigen Kreisen der Verwaltung diskutiert“, sagt Edmund Haferbeck. Nach seinen Informationen solle Junghans zusätzlich für den Bereich Gefahrenabwehr und den gesamten Kultursektor verantwortlich sein. „Dass der als Führungskraft inkompetente und deshalb auch bei Behörden-Mitarbeitern als Chef gefürchtete Junghans künftig möglicherweise auch noch für die Wirtschaft zuständig sein soll, trifft auch in der Verwaltung selbst auf massiven Widerstand“, so Haferbeck.

Die Verwaltung bestätigte gestern grundsätzlich, dass eine Umstrukturierung der Dezernate geplant sei und begründete dies mit Personalmangel in der Stadthaus-Spitze: „Nach dem Ausscheiden von Norbert Claussen, der ja auch ein umfangreiches Dezernat geleitet hat, sollen die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt werden“, so Stadtsprecher Christian Meyer. Welche Bereiche Finanzdezernent Dieter Niesen (SPD), Baudezernent Dr. Wolfram Friedersdorff und Hermann Junghans künftig verantworten werden, wolle die Verwaltung mit den politischen Gremien der Stadt beraten. Meyer: „Eine endgültige Entscheidung ist Anfang kommender Woche zu erwarten“.

Hauptamtsleiter Hartmut Wollenteit war es gestern jedoch einen zusätzlichen Anruf in unserer Redaktion wert, um mit einem „Gerücht“ aufzuräumen, wie er formulierte: Eine Übernahme der Wirtschaftsförderung durch Junghans sei „nie vertieft“ diskutiert worden. Wollenteit bestätigte damit aber indirekt, dass es eine solche Überlegung in der Verwaltungsspitze sehr wohl gegeben hat.
SPD-Fraktionschefin Manuela Schwesig hätte einen Wirtschaftsdezernenten Junghans nicht akzeptiert. „Wir brauchen einen starken Wirtschaftsstandort. Da hätte ein so in seinem Ruf beschädigter Dezernent eine fatale Außenwirkung gehabt“, so Schwesig.

Die Unabhängigen Bürger lehnten „jede öffentlichkeitswirksame Verantwortung“ für Junghans strikt ab, so Fraktionsvorsitzender Rolf Steinmüller. Wie die Grünen schließe seine Fraktion ein erneutes Abberufungsverfahren gegen den CDU-Dezernenten nicht aus. Denn es könne nicht sein, dass Junghans „jetzt durch neue Zuständigkeitsbereiche vielleicht auch noch belohnt wird“.
„Wir stecken in einem Dilemma“, sagt Linke-Fraktionschef Gerd Böttger: „Einerseits ist Junghans diskreditiert, andererseits hat die Stadtvertretung ihn nun einmal nicht abgewählt.“ Junghans solle nun auch für sein Geld arbeiten, so Böttger, „aber niemals mehr das Jugendamt verantworten“.
Er wolle sich „an Spekulationen nicht beteiligen“, erklärt hingegen CDU-Fraktionschef Gert Rudolf. „Die Hoheit für Dezernats-Zuschnitte liegt beim amtierenden Verwaltungschef, das akzeptiere ich“, so Rudolf. Darüber hinaus sei zu erwarten, „dass der demnächst neu gewählte OB die Verwaltung ohnehin noch einmal neu sortiert“.

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