Junger Regisseur begeistert die Jury

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18. April 2010, 08:02 Uhr

Rostock | Mit zwei Jahren Verspätung schafft Ralf sein Abitur. Nach einem halben Semester als Musikstudent gibt er auf. "Einfach nicht mein Ding", so sein Kommentar dazu. Außer einem kurzen Job an einer Tankstelle passiert nichts in seinem Alltag. "Ich habe in meinem Leben nicht viel gemacht, außer ein bisschen gekifft", erzählt er trocken. Die neunminütige Dokumentation "Ralf" gibt einen kurzen Einblick in das antriebslose Leben des Protagonisten, den außer seiner Gitarre und einem Zauberwürfel nichts bei Laune hält. Die Dokumentation "Ralf" ist der zweite Film von Helge Brumme. Der 23-jährige Hamburger erhielt dafür auf dem Rostocker Filmfest im Stadthafen (Fish) die Auszeichnung "Film des Jahres". Der Preis ist mit 1000 Euro dotiert. "Der Film gibt sehr viel über die Gegenwart preis", sagt Steffen Zillig. Der Autor und Filmemacher war der Gewinner des Fish 2009 und saß in diesem Jahr in der Jury. Nach einer lebhaften Diskussion wählten die fünf Mitglieder Brummes Werk aus dem Jahr 2008 als Sieger aus den insgesamt 30 Beiträgen aus. "Brumme hat mit seinem Film ein gutes Gespür gezeigt", erklärt Zillig weiter.

Von Freitag bis Sonnabend zeigte das Festival 30 verschiedene Filme aus den unterschiedlichsten Genres. Musikvideos, Dokumentationen und Experimentelles flimmerte über die Leinwand. "In diesem Jahr gingen bei uns 400 Einsendungen ein, aus denen die Jury an sechs Tagen 30 auswählte", so Henrike Hübner von der Festivalleitung. Neben ihnen wurden auch sechs Kurzfilme aus Litauen gezeigt, dem diesjährigen Partnerland. Der bundesweite Wettbewerb hat sich in den vergangenen sieben Jahren in der Filmszene etabliert. "Es wird von Jahr zu Jahr besser", sagt Bärbel Dudeck vom Bundesverband deutscher Film-Autoren (BDFA). Vor allem die Macharten der einzelnen Beiträge könnten unterschiedlicher nicht sein.

Helge Brumme kann seinen Erfolg kaum glauben. "Bei manchen Festivals wurde die Doku sogar abgelehnt." In Rostock erhielt er seine erste Auszeichnung. Von den 1000 Euro will Brumme sein nächstes Projekt finanzieren. "Für mich ist es wichtig, Interessantes vor die Linse zu bekommen und festzuhalten". Neben dem Hauptpreis wurde mit großer Spannung der Publikumspreis erwartet. Dieser ging an "Fallen lassen" von Daniel Büttner und Max Baberg aus Berlin. Ihr Animationsfilm hatte sich mit "Ralf" auch ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Hauptpreis geliefert.

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