Junge Kunst für alle Schweriner

'Schwerin ist vielfältiger als die meisten glauben': Madeline Cords hat sich in den vergangenen Jahren neu in ihre Heimatstadt verliebt.Reinhard Klawitter
"Schwerin ist vielfältiger als die meisten glauben": Madeline Cords hat sich in den vergangenen Jahren neu in ihre Heimatstadt verliebt.Reinhard Klawitter

von
12. April 2010, 11:42 Uhr

Schwerin | Zum 850-jährigen Stadtjubiläum gibt es nicht nur Historisches, sondern auch Zukunftsweisendes: Im Kunstprojekt "Mein Block 3" zeigen junge Leute den ganzen Sommer über, wie sie sich Leben in Schwerin vorstellen. Madeline Cords gehört zum Organisationsteam und koordiniert mit anderen Jugendlichen die verschiedenen Aktionen und Termine bei der Evangelischen Jugend Schwerin. Maren Ramünke-Hoefer sprach mit der 19-Jährigen über das Projekt, über Kunst und die Jugendszene in Schwerin.

850 Jahre Schwerin - ist das überhaupt ein Thema für die Jugend?

Madeline Cords: Ganz bestimmt. Vielen Jugendlichen fällt es zurzeit schwer, sich mit ihrer Stadt zu identifizieren. Als wir "Mein Block" in Schulklassen vorgestellt haben, erzählten uns viele, dass sie später aus Schwerin weg wollten. Sie assoziieren Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit mit der Stadt und sind ziemlich frustriert. "Mein Block" bietet ihnen nun die Möglichkeit, sich kreativ mit ihrer Stadt auseinanderzusetzen, selbst Wünsche und Ideen zu äußern und aktiv zu werden. Dazu gehört auch, dass sie laut sagen dürfen, was ihnen nicht passt und was man verändern sollte.

"Mein Block" ist ein Jugendkunstprojekt. Welche Form von Kunst erwartet uns?

Wir wollen den Begriff Kunst ganz weit fassen. Angefangen hat "Mein Block" vor fünf Jahren mit bildender Kunst. Wir planen dieses Jahr aber auch Theater, Breakdance-Vorführungen, Poetry-Slams und natürlich Konzerte.

Wie wird die Kunst präsentiert?

Sehr öffentlich. Theater und Tanz sollen auf der Straße gezeigt werden, wir möchten auch gerne in Schaufenstern in der Innenstadt Bilder und Fotos ausstellen. Und wir bekommen bald zwei Etagen im ehemaligen Ordnungsamt gegenüber der Paulskirche. Das ist für alle frei zugänglich. Dort laufen die Workshops, aber auch Ausstellungen. Wir möchten, dass die Schweriner in diesem Sommer mehr mitbekommen von der Jugend und ihren Ideen.

Ein ganzes Jahr "Mein Block"-Organisation: Wie sieht Ihre Arbeit konkret aus?

Als "warm up" haben wir in den Schulen "Mein Block" vorgestellt und dafür geworben. Dann mussten die Profis organisiert werden - mehr als zehn Schauspieler, Fotografen, Zeichner und Musiker machen mit. Das Organisationsteam trifft sich alle zwei Wochen im Paulskeller, wir diskutieren jetzt, welche Schwerpunkte die einzelnen Projekte haben und wie sie umgesetzt werden können. Außerdem sind wir auf Facebook und Myspace präsent. Zurzeit sitze ich im Büro der Evangelischen Jugend, wenn wir im April die Räume gegenüber der Paulskirche beziehen, werde ich vor allem dort zu finden sein.

Wie viele Jugendliche machen mit? Und wie schwierig ist es, die zu motivieren?

Bei der ersten Runde im März waren wir 30 Leute. Wer jetzt noch Lust hat mitzumachen, kann jederzeit einsteigen, sich entweder bei der Evangelischen Jugend Schwerin melden oder auf unserer Homepage, wo auch die nächsten Termine angekündigt sind. Meine Erfahrung ist: Schülern fällt es manchmal schwer, völlig frei eigene Ideen zu entwickeln. Aber wenn man ihnen einen kleinen Anstoß gibt, sind sie voll dabei.

Gibt es in Schwerin außerhalb von "Mein Block" denn genug Angebote für junge Leute?

Schwerin ist vielfältiger, als die meisten glauben. Ich selbst habe zum Beispiel erst vor einem Jahr den Paulskeller kennen gelernt, obwohl es den schon seit 1981 gibt. Man muss sich einfach mal trauen, loszugehen. Nicht nur shoppen und zu Hause vor dem Computer sitzen. In meinem Freundeskreis gibt es viele Jugendliche, die nach dem Abi weggegangen sind und Schwerin jetzt schon vermissen. Auch in anderen Städten gibt es nämlich Probleme. Bevor ich dieses Projekt gemacht habe, wollte ich auch unbedingt weg. Jetzt weiß ich Schwerin mehr zu schätzen. Es lässt sich hier gut miteinander arbeiten. Man fühlt sich hier aufgehoben und kann so sein, wie man ist.

Auf welchem Feld werden Sie selbst künstlerisch aktiv sein bei "Mein Block"?

Ich selbst mag sehr gerne schreiben, fotografieren und malen. Momentan beschäftige ich mich mit dem Poetry Slam. Zum Schluss werde ich aber wohl bei dem Projekt mitmachen, das noch Unterstützung braucht.

Bleiben Sie nach dem Praktikumsjahr bei der Kunst?

Beruflich wohl nicht. Ich werde im Herbst mit einem Jurastudium anfangen. Dann muss ich leider auch weg aus Schwerin.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen