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21. September 2017 | 18:04 Uhr

Junge Frauen mit Fingerfertigkeit

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svz.de von
erstellt am 11.Okt.2010 | 10:13 Uhr

Perleberg / Wentdorf | Birko Lüß sieht seine alltägliche Arbeit praktisch überall auf der Straße umherlaufen: Er ist Zahntechniker in der Praxis von Dr. Uwe Steuer in Perleberg, bildet seit elf Jahren Berufsnachwuchs und auch Meister aus. Vor allem aber fertigt er Kronen, Brücken und Prothesen, außerdem kieferorthopädische Geräte. "Ich kenne jeden meiner Patienten persönlich. Und wenn ich sie treffe und sie mich anlächeln, kann ich ganz genau sehen, ob ich meine Arbeit ordentlich gemacht habe", sagt der Spiegelhagener.

Kristina Röhl weiß also, auf was für eine Ausbildung sie sich da einlässt - zumal sie nach den insgesamt dreieinhalb Jahren die Chance hat, in Perleberg übernommen zu werden. "Zähne haben mich schon immer interessiert. Das hier ist genau mein Ding", sagt die 20-Jährige. Meister Birko Lüß ist zufrieden mit seinem Schützling. Es gebe eigentlich nichts zu meckern, Kristina sei ehrgeizig. Und sie bringe die Voraussetzungen mit, die man als Zahntechniker haben sollte: gute Leistungen in Chemie, Biologie und Physik, Fingerfertigkeit, ein gewisses räumliches Vorstellungsvermögen. Abitur, sagt Birko Lüß, müssten die Lehrlinge nicht zwingend haben. "Es wird viel davon gesprochen, Gymnasiasten als Lehrlinge zu nehmen. Aber das hier ist ein Handwerksberuf", unterstreicht er, und man behandle in der Ausbildung in den naturwissenschaftlichen Fächern Themenfelder, die ohnehin nicht unbedingt Schulstoff seien. Wichtig sei hingegen das Grundverständnis und das Interesse, beispielsweise für Chemie.

Kristina Röhl stieg mit einem Realschulabschluss in die Ausbildung ein, den sie in Wittenberge in der Abendschule erwarb. Der theoretische Teil der Lehre findet in Potsdam statt. "Ich fahre dann täglich mit dem Zug hin und zurück", beschreibt die Auszubildende den Aufwand, den sie jedoch gern in Kauf nimmt.

Arbeitslosigkeit oder Selbstständigkeit? Vor dieser Entscheidung stand Jan Peters vor 13 Jahren. "Weggehen war keine Option", sagt der Prignitzer und gelernte KfZ-Mechaniker. Er hatte das wirtschaftliche Umfeld sondiert, sah eine reelle Chance und eröffnete in Wentdorf eine Autolackiererei.

Mit zwei Kollegen begann er, hat jetzt 15 Beschäftigte, darunter vier Lehrlinge. Zwar sei die Zahl der Kollegen leicht gesunken, dennoch relativ konstant. "Wir haben Auftragspartner aus der Industrie und der Lkw-Branche. Da sind große Teile zu lackieren, dazu braucht man Leute", sagt der Geschäftsführer.

Dennoch müsse so ein kleiner Handwerksbetrieb auf möglichst viele Standbeine setzen. Private Pkw und Motorräder gehören selbstverständlich dazu. "Unter anderem arbeiten wir mit dem Wittenberger Rennstall von Jens Holzhauer Racing Promotion Team zusammen", verrät Katrin Beckmann, Jans Schwester. Sie arbeitet genauso mit wie ihr Vater. "Ein richtiger Familienbetrieb halt", lacht sie. Lackieren lasse sich fast alles. "Manche kommen mit ihrer Katzenklappe zu uns, andere mit Fensterteilen." Die Kita Cumlosen unterstütze Jan Peters unentgeltlich. Manch alter Schrank leuchte mittlerweile farbenfroh in der Gemeindekita.

Ein ganz eigener und wachsender Bereich sei der Wassertransferdruck, mit dem Oberflächen veredelt werden. "Besonders beliebt bei Autofreaks. Gerade vor dem VW-Treffen lassen sich viele Armaturen oder Radkappen verschönern", erzählt Katrin Beckmann. Etliche Alltagsgegenstände ließen sich so bearbeiten. Angefangen vom Lichtschalter bis hin zum Aschenbecher.

All das fasziniert Anika Franke. Sie kommt aus Oranienburg und ist bei Jan Peters im ersten Lehrjahr. "Schon als Kind habe ich meinen Papa zu Rennen begleitet, Autos gezählt", sagt sie. Ihre Eltern seien von ihrem Berufswunsch nicht begeistert gewesen, aber sie fühle sich wohl.

Nicht anders empfindet es Emily Masarczyk. Sie kommt aus dem Harz. "Doch dort fand ich nirgends einen Ausbildungsbetrieb, viele haben meine Bewerbung gar nicht beantwortet." Aus Wentdorf sei sofort eine Reaktion gekommen. Erst Probepraktikum, dann Lehrausbildung. Im nächsten Jahr wird sie fertig.

Eine Übernahmegarantie könne Jan Peters nicht geben. Erst kürzlich wurde ein Lehrling übernommen. Fest stehe aber, dass auch im nächsten Jahr wieder neue Lehrlinge eingestellt werden.

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