Jung, schwul und voller Ideen

Sich zu seiner Homosexualität zu bekennen, ist immer noch ein riesiger Schritt. Auch für Teenager. Felix, Matthias und Hendrik aus Schwerin haben es getan – und sind dabei nicht nur auf Gegenliebe gestoßen. In der Jugendgruppe „Crazy Gays“ wollen sie etwas dafür tun, das Schwule besser akzeptiert werden.

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03. September 2008, 07:10 Uhr

Sie organisieren Fahrten zu Ausstellungen, planen Aktionen zum Welt-Aids-Tag, beschäftigen sich mit der politischen Vergangenheit und Verfolgung von Schwulen und Lesben, sie bieten Präventionsarbeit an Schulen an und planen sogar ein Rosenstolz-Musical. Die Jugendgruppe „Crazy Gays“, die ihre Domizil im Klub Einblick hat, ist sehr aktiv. Ein Stamm von zehn jungen Leuten trifft sich dort regelmäßig jeden zweiten und vierten Montag im Monat von 18 Uhr an. „Unsere offizielle Mitgliederzahl beträgt 23 und im Internet sind sogar 41 Crazy Gays registriert“, erzählt Felix.

Der Schweriner Gymnasiast ist 17 Jahre alt und seit einem Jahr Mitglied in der Gruppe. Er selbst sei bisexuell, sagt er. Sein Coming-Out habe er bereits mit 13 gehabt, seinen Großeltern hat er als ersten davon erzählt. „Ich habe zwar schon zwei Jahre vorher gemerkt, dass ich auf Jungen stehe, aber ich wollte es erstmal nicht wahr haben“, sagt Felix. Schwul zu sein bedeute eben auch, gegen offene oder versteckte Anfeindungen zu kämpfen. Und die eigenen Eltern zu schockieren. „Ich kenne zwar Mütter, die wünschen sich einen schwulen Sohn, weil sie glauben, dass sie mit dem besser shoppen gehen, Musik hören und reden könnten“, sagt Felix. Ganz so begeistert sei seine Mutter leider nicht gewesen: „Aber sie kann damit leben.“

Der 18-jährige Hendrik hat erst mit Freunden über seine „andere“ Sexualität gesprochen – und dann mit den Eltern. „Mein Vater musste sich erstmal ein Bier holen auf die Nachricht, aber mittlerweile hat er damit keine Probleme. Meine Freunde und Familie akzeptieren mein Schwulsein zu 100 Prozent.“

Ein weiterer entscheidender Schritt auf dem Weg zur eigenen Identität sei der erste Besuch im Klub Einblick gewesen, erzählen beide: „Wenn man zum ersten Mal auf den Klingelknopf drückt, ist klar, dass sich das Leben ändern könnte.“ Was sie im dort erlebt haben, bezeichnen sie als durchweg positiv. Was sie sich wünschen: Mehr Jugendliche, die im Klub für gute Stimmung sorgen. Denn dass es viele junge Lesben und Schwule in der Stadt gibt, da sind sich Felix und Hendrik sicher. „Bei uns auf der Schule mindestens in jeder Klasse einen“, sagen sie.

Für ihren neuesten Traum holen sie aber auch gerne junge „Heteros“ mit ins Boot: Ein Musical nach der Musik von Rosenstolz. Natürlich geht es darin um die Liebe zwischen zwei jungen Männern. Gesucht werden Sänger und Band. Am Montag, 6. Oktober, um 17 Uhr ist im Klub Einblick ein erstes Casting geplant. Einziger Risikofaktor bislang: Rosenstolz haben noch nicht ihr Okay gegeben und Probe-Räume werden auch noch gesucht. Aber die Crazy Gays sind sicher, dass sie auch diese Hürden nehmen.

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