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21. November 2017 | 00:18 Uhr

Jugendtreff in Seehof macht dicht

vom

Zum 1. April wird der Jugendklub in Seehof geschlossen, die Betreuerin erhielt ihre Kündigung. Dass zu beschließen, fiel den Gemeindevertretern nicht leicht, sagt Bürgermeisterin Schwonbeck.

svz.de von
erstellt am 14.Jan.2011 | 11:01 Uhr

Und dennoch entschied sich die Mehrheit dafür. Aus zwingenden Gründen, wie Schwonbeck betont. Dazu gehört die immer schlechter werdende finanzielle Ausstattung der Gemeinde. Aber: Auch der Treff selbst sei nicht mehr so stark nachgefragt gewesen.

"Wir haben in der Vergangenheit immer eine Summe von rund 25 000 Euro im Jahr für den Jugendklub in den Haushalt eingestellt", erzählt die Bürgermeisterin. Davon bezahlt wurden unter anderem die Personalkosten für die Betreuerin, Anschaffungen sowie Veranstaltungen. "Es war der Gemeinde wichtig, den jungen Leuten Angebote zu machen, damit sie sich nicht auf der Straße treffen mussten und etwas Sinnvolles im Treff machen konnten."

Gespart werden soll bei freiwilligen Aufgaben

Doch mit der Neufassung des Finanzausgleichsgesetzes habe sich die Situation grundlegend geändert. Schon 2010 gab es erheblich weniger Geld, bei den Schlüsselzuweisungen waren es 100 000 Euro. In diesem Jahr sind es nochmals 60 000 Euro weniger. Hart getroffen habe die Gemeinde die Stadt-Umland-Umlage, die 33 900 Euro betrug und dieses Jahr ähnlich hoch ausfallen wird. Und auch die Amtsumlage des Amtes Lützow-Lübstorf wurde angehoben, um ein Prozent. Eine frohe Botschaft sei es daher schon, dass die Kreisumlage nicht auch noch erhöht werden soll, wie die Landrätin des Nordwestkreises, Birgit Hesse, jetzt angekündigt hat (SVZ berichtete).

Strapaziert wird der Gemeindehaushalt außerdem durch die explodierenden Kosten bei der Sanierung und dem Umbau der Amtsschule Lübstorf. "Die Arbeiten verursachen erhebliche Mehrkosten, die gar nicht eingeplant waren", sagt Christiane Schwonbeck. "Wir müssen für dieses Jahr zirka 33 000 Euro zusätzlich einstellen."

Erfreulich sei, das es wieder mehr Kinder in der Gemeinde gibt. Das ist auch daran zu spüren, dass die Kosten des Gemeindeanteils bei der Kinderbetreuung in die Höhe schnellen. 70 000 Euro, etwa die doppelte Summe wie bislang, macht das aus.

"Ob Kinderbetreuung, Schule oder die Umlagen - das sind Aufgaben, die die Gemeinde leisten muss. Da zu sparen, geht gar nicht", macht Gemeindevertreter Reiner Schack auf die prekäre Situation aufmerksam.

Gespart werden soll bei den freiwilligen Aufgaben. Darauf wies die Kreisverwaltung Nordwestmecklenburg erneut hin. "Wir haben jede Position im Haushalt auf den Prüfstand gestellt und dann mehrheitlich beschlossen, den Jugendtreff zu schließen. "In erster Linie aus finanziellen Gründen. Es hat sich aber auch gezeigt, dass der Treff längst nicht mehr so wie in den ersten Jahren besucht wird. Viele jungen Leute von einst machen inzwischen eine Lehre oder studieren auswärts ", argumentiert die Bürgermeisterin. Hinzu komme, dass die Seehofer Angebote in der nahen Landeshauptstadt nutzen oder in Vereinen der Region ihrem Hobby nachgehen können, zum Beispiel beim Sport. Auch die Regionale Schule Lübstorf bietet als Ganztagsschule viele Projekte nach dem Unterricht an.

All diese Gründe spielten bei der Debatte um die Schließung des Jugendtreffs eine Rolle. "Wir wissen, dass gerade sozial schwache Familien damit ins Hintertreffen geraten", sagt die Bürgermeisterin und fährt fort: "Wir behalten die Entwicklung im Auge. Sollte sich die finanzielle Lage für die Gemeinde verbessern und ist der Bedarf da, wollen wir zumindest über eine stundenweise Öffnung des Jugendtreffs nachdenken." Daher bleibt der Raum im Obergeschoss des Dorfgemeinschaftshauses vorläufig so erhalten.

Gemeindevertreter Reiner Schack weist darauf hin, dass es in anderen Bereichen sehr wohl noch gute Angebote gibt. "Die Spielplätze wurden hergerichtet, der Sportplatz kann von allen genutzt werden und die Badestelle zieht im Sommer Jung und Alt an. Hier wurde in der Vergangenheit viel investiert."

Investieren will die Gemeinde auch in diesem Jahr. Allerdings in bescheidenem Umfang: In Seehof sollen Seestraße und Eschenweg und in Hundorf die Ringstraße verkehrsberuhigt werden. Hier sind Aufpflasterungen vorgesehen. Verbessert werden soll die Parkplatzsituation an der Badestelle, denn viele Besucher kommen mit dem Auto. 15 Parkplätze entstehen neu. Die Kommune will weiterhin dafür sorgen, dass in der Hauptsaison Rettungsschwimmer präsent sind. "Die Sicherheit der Badegäste ist uns wichtig", erklärt Christiane Schwonbeck.

Geplante Vorhaben wurden zurückgestellt

Auf Grund der knappen Kassen hat die Gemeinde einige geplante Vorhaben zurückstellen müssen. Zum Beispiel die Regenentwässerung in der Dorfstraße in Seehof und den Bau eines Grünschnittplatzes. Daher werden wie gehabt für den Grünschnitt Container aufgestellt.

Einsparpotenzial sah die Kommune auch bei den beiden Gemeindearbeitern, deren Stundenzahl reduziert wurde. Nach wie vor zahlt Seehof für eine gute Nahverkehrsanbindung nach Schwerin. Einige Touren, die nicht ausgelastet waren, sollen aber gestrichen werden. Gespart wird zudem bei der Straßenbeleuchtung.

Und wenn es ums sparen geht, wollen sich Bürgermeisterin und Gemeindevertreter nicht ausnehmen. "Wir veranstalten in diesem Jahr keinen Neujahrsempfang", erklärt Schwonbeck. Um einen ausgeglichenen Haushalt für 2011 hinzubekommen, hat Seehof Geld aus dem Vermögens- in den Verwaltungshaushalt umschichten müssen.

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