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Warnower Gemeindevertreter stecken in der Klemme : Jugendarbeit zum halben Preis

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Gemeindevertreter Ritter ist sauer. Seit drei Jahren das gleich Spiel. Die Gemeinde soll vor der Sommerpause darüber entscheiden, ob sie im kommenden Jahr die Jugendarbeit mit finanzieren.

svz.de von
erstellt am 06.Jul.2011 | 11:25 Uhr

Gemeindevertreter Lutz Ritter ist mächtig sauer. Seit drei Jahren im Sommer immer das gleich Spiel. Die Gemeinde soll kurz vor der Sommerpause bereits darüber entscheiden, ob sie auch im kommenden Jahr die Jugendarbeit mit finanzieren. "Warum wird darüber mit uns nicht vorher gesprochen?" Außerdem wisse man noch gar nicht, wie die Haushaltslage zum Jahresende ist.

Hintergrund: Warnow ist beteiligt am gemeinsamen Jugendkonzept im Amt Bützow-Land. Gemeinsam mit der Nachbargemeinde Baumgarten teilt sie sich die Jugendsozialarbeiterin Carola Paul. Die ist in Warnow sowie in den Ortsteilen Lübzin und Rosenow 25 Stunden in der Woche im Einsatz, in Baumgarten sieben Stunden. Bereits im vergangenen Jahr hatte es um die Finanzierung große Diskussionen gegeben. Neben Landeszuschüssen, die über den Kreis bereitgestellt werden und Geld der Awo, Träger der Jugendsozialarbeit in diesen beiden Dörfern, müssen auch die Gemeinden einen Eigenanteil aufbringen. Etwas weniger als 12 000 Euro. Warnow stellte in diesem Jahr für die Jugendarbeit 9200 Euro und damit 400 Euro weniger als notwendig bereit, Baumgarten 2050 Euro.

Doch nun steckt Warnow in der Klemme. Die Gemeinde verfügt so gut wie über keine Rücklagen mehr. Bereits in diesem Jahr mussten über 100 000 Euro aus der Rücklage genommen werden, um überhaupt alle Rechnungen zu bezahlen. Für Investitionen sind rund 95 000 Euro vorgesehen. Es bliebe am Jahresende ein Rest von knapp 40 000 Euro. "Doch aus heutiger Sicht reicht das nicht, den Haushalt 2012 auszugleichen. Es bleibt ein Fehlbetrag von knapp 10 000 Euro", erklärt Bürgermeister Siegfried Hoffmann am Montagabend auf der Beratung der Gemeindevertreter. Dieser Fehlbetrag würde sich fast verdoppeln, finanziere man die Jugendarbeit in der gleichen Höhe wie in diesem Jahr.

"Jugendsozialarbeit ist wichtig. Doch wenn wir das Geld nicht haben? Wir müssen sehen, wie wir das hinkriegen", ist Lutz Ritter ratlos. Das Problem: Die Jugendarbeit wird als freiwillige Aufgabe angesehen. Christian Ziemann ist da konsequenter: Wenn die Gemeinden das Geld nicht mehr haben, müsse man die Jugendarbeit anders finanzieren. "Was ist den mit dem Bundesfreiwilligendienst? Der geht über 23. Monate. Und die Schulsozialarbeiter kann über die Schulumlage mitfinanziert werden."

Wolfram Wappler spricht sich für Kontinuität in der Jugendarbeit aus. Wie sie finanziert werden soll, da ist auch er ratlos. Ramona Braasch verweist auf den Weg zur Ganztagsschule in Bützow. "Wenn die dort den ganzen Tag Angebote vorhalten, brachen wir keine Jugendbetreuung mehr." Doch ganz auf Jugendarbeit im Dorf möchte auch sie nicht verzichten.

Die Gemeindevertreter wollen den Eigenanteil auf die Hälfte, auf 4500 Euro drücken. Die Awo als Träger müsse sich stärker mit darum bemühen, andere Finanzierungsquellen aufzuspüren. Das jedenfalls ist die Meinung der überwiegenden Mehrheit der Gemeindevertreter. Christian Ziemann stimmt gegen diesen Vorschlag. Der müsse nun mit der Awo und der Nachbargemeinde Baumgarten besprochen werden, so Hoffmann.

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