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Jubiläum für starke Bauernvertreter

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erstellt am 05.Aug.2010 | 06:05 Uhr

Prignitz | Gleich nach der Wende, nämlich im August 1990, gründeten sich die Kreisbauernverbände Pritzwalk und Perleberg, mit der Gebietsreform 1993, mit der aus den beiden Altkreisen der gemeinsame Prignitz wurde, beschlossen beide Verbände die Fusion. Seit 1996 ist der Kreisbauernverband Prignitz eingetragener Verein.

Das Jubiläum zum 20-jährigen Bestehen soll natürlich würdig begangen werden, verspricht Christina Stettin, die Geschäftsführerin des Verbandes. "Beim 3. Bauernball am 29. Oktober auf dem Areal der Alten Ölmühle in Wittenberge wird eine extra Feierstunde geben. "138 Mitglieder zählt der Kreisbauernverband heute, "deckt rund 65 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche im Kreis ab", erklärt die Geschäftsführerin. Für die studierte Diplom-Landwirtin, die sich seit 1997 für den Verband engagiert, seit 2001 als Geschäftsführerin, ist das positivste der 20-jährigen Entwicklung, "dass die Landwirtschaft erhalten blieb, heute sogar Wirtschaftsfaktor Nummer 1 im Landkreis ist".

Das sei vor 20 Jahren zur Wende so nicht absehbar gewesen. "Damals gab es viel Skepsis und Pessimismus", beschreibt sie die Zeit der Umbildung. Aus ehemaligen Landwirtschaft lichen Produktionsgenossenschaften (LPG) wurden Wiedereinrichter Gesellschaften bürgerlichen Rechts (GbR), Agrargenossenschaften oder Aktiengesellschaften. "Jeder musste für sich selbst entscheiden, wie es weitergehen soll. Das war nicht problemlos", erinnert sie sich an die Zeit bis 1993. In manchen Dörfern funktionierte es gut "wie beispielsweise in Strehlen, wo sich neben der Agrargenossenschaft die Familie Jähnke als Wiedereinrichter etablierte, man miteinander gut auskommt", zeigt Christina Stettin auf. In anderen Orten brachen dagegen ganze Dorfgemeinschaften auseinander, kam es zu Konfrontationen, die mitunter bis heute nicht beigelegt sind.

Und natürlich, auch daraus macht die Geschäftsführerin keinen Hehl, verloren damals viele ihre Arbeit. Gut gegriffen hätte aber die seinerzeit speziell für die Landwirtschaft entwickelte Altersteilzeit FELEG. "Dafür entschieden sich viele und haben es nicht bereut. Andere, die beispielsweise als Buchhalter tätig gewesen waren, fanden Jobs in den sich neu strukturierenden Verwaltungsbehörden", zählt Christina Stettin auf.

Heute haben die Bauern mit anderen Herausforderungen fertig zu werden wie beispielsweise der europäischen Preispolitik, was die Milcherzeugung anbelangt. Aber auch die verstärkte Zuwendung zu erneuerbaren Energien bringt Probleme mit sich, wie die jüngste Diskussion in der Stadtverordnetenversammlung Putlitz zu geplanten neuen großen Biogasanlagen deutlich macht. Monokultur wird befürchtet. "Wenn der Landwirt erneuerbare Energien wie aus Biogasanlagen gewonnen in sein Kreislaufsystem integriert, dann ist das in Ordnung. Aber Biogasfabriken wie Penkun, die tatsächlich zu Monokulturen führen können, sind eigentlich nicht in unserem Sinn", macht Christina Stettin den Standpunkt des Kreisbauernverbandes dazu deutlich.

Und noch eine ganz andere Herausforderung komme auf die Landwirte zu. "Wir müssen den Wetterkapriolen Rechnung tragen, uns auf größere Trocken- und Hitzeperioden einstellen. Dabei muss uns die Forschung unterstützen, damit Pflanzen entwickelt werden, die solche Perioden stressärmer überwinden. Damit kann kein Landwirt in der Praxis auf der Fläche experimentieren, das geht nur in Forschungsprojekten", macht die Geschäftsführerin eine Forderung an die Politik auf.

Keine Frage, die Landwirte benötigten auch für die Zukunft starke Berufsvertretungen, macht Christina Stettin deutlich und verweist vor allem auf die Neuausrichtung der Agrarpolitik der Europäischen Union nach 2013. Der Kreisbauernverband möchte da Mittler sein, sich auch künftig für die Prignitzer Landwirte einsetzen.

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