Jonathan Pang: „Jetzt kommt Plan B“

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30. Mai 2008, 07:55 Uhr

Parchim - Auguren hat es dieser Tage viele in und um Parchim. Ein Augur war ein römischer Beamter, der herauszufinden hatte, ob ein Unternehmen den Göttern zum Gefallen sei. Er verkündete den Götterwillen, den wiederum las er zuvor aus dem Flug und dem Geschrei der Vögel. Ähnlich „solide“ kommen offenbar manche Expertisen bezüglich der Zukunft des Flughafens Parchim zustande – im Guten wie im Bösen.

Dabei fällt auf, dass der Mann, der es wissen müsste, Investor Jonathan Pang, Vorstandsvorsitzender von Link Global Logistics, eher selten zu Wort kommt. Pang und sein Vize Hoffmann Chang halten sich regelmäßig in Parchim auf, arbeiten an ihrem Projekt, den Flughafen zum international vernetzten Luftfrachtstandort zu machen.

Die Parchimer sehen die beiden oft zu Fuß vom Hotel in Richtung Kreisverwaltung gehen. Am Sonntag feierte Pang seinen Geburtstag ganz bescheiden mit einer Grillparty in Slate. Wir treffen sie mit der Aufsichtsratsvorsitzenden der Baltic Airport Mecklenburg GmbH Karin Strenz im Terminal. Jonathan Pang und Hoffmann Chang sind gerade auf dem Weg nach Frankfurt – Verhandlungen mit Lufthansa Cargo. Pilot Rolf Eichhorn macht auf dem Flugfeld die Cessna startklar, Jonathan Pang bestellt einen Kaffee, Zeit für ein Gespräch.

Herr Pang, wann kommt das Geld?
Jonathan Pang: Ich hoffe, in den nächsten Tagen.
Die Stimmung kippt, schnelle Erfolge sind nicht in Sicht. Verstehen Sie die Kritik an Ihrem Projekt?
Pang: Vieles, was ich lese, ist ungerecht und macht mich persönlich sehr betroffen. Zu viel Negatives, zu wenig kreative Ideen. Was hat denn der Landkreis Parchim zu verlieren? Ich bitte einfach nur darum, abzuwarten und mich arbeiten zu lassen. Ich verspreche: Es wird eine win-win-Situation, bei der es keine Verlierer gibt. Sehen Sie, es handelt sich doch nicht um ein Ein-Jahres-Projekt sondern um ein Jahrhundertprojekt nicht nur für Parchim, auch für Europa.
Der bisher angepeilte Zeitplan ist nicht zu halten, wann kommen sichtbare Erfolge?
Pang: Die Dinge brauchen ihre Zeit. Niemand hat doch glauben können, dass so ein Projekt ohne unvorhergesehene Probleme über die Bühne geht. Wir in China nehmen es aber als Herausforderung, wenn etwas nicht klappt. Wir wollen uns nicht an Problemen festhalten sondern sie lösen.

Herr Pang, warum tun Sie sich das alles eigentlich an?
Pang: Weil ich den Vertrag unterschrieben habe. Mit dieser Unterschrift stehe ich als Person für das Projekt und tue alles, damit es ein Erfolg wird – auch für die Menschen im Landkreis Parchim. Wenn ich davon nicht überzeugt wäre, würde ich doch nicht seit 1. Juli 2007 jeden Monat 300 000 Euro Betriebskosten bezahlen und 25 Arbeitsplätze erhalten. Ich habe den Vertrag und suche weitere Partner. Und die Richtung weist unsere Vereinbarung mit Goodman International.

Verraten Sie uns, wie es weitergeht mit dem Projekt?
Pang: Wir müssen auf das Frachtgeschäft und den Tourismus setzen. Zum Frachtgeschäft: Der Euro wird immer teurer, die Treibstoffpreise steigen weltweit. Das nutzen wir, indem wir gewissermaßen Plan B präsentieren. Wir fliegen nicht direkt von Zhengzhou nach Parchim. Wir transportieren die Fracht innerhalb Chinas von Zhengzhou im Osten nach Urumqi im Nordwesten mit der Eisenbahn, das kostet inklusive Umschlag 48 Stunden. Von dort fliegen wir in sechs Stunden bis Parchim. Damit sparen wir Treibstoff. Preiswerter geht es nicht.

Was hätte Parchim davon?
Pang: Die Verbindung, die Link Global anbietet, macht Parchim damit konkurrenzlos günstig für jede Art Frachtflug. Das zeigt uns auch das steigende Interesse vieler Partnerunternehmen. Für sie ist es derzeit attraktiver als im vergangenen Jahr. Wir nehmen zum Beispiel wieder Gespräche mit der Lufthansa Cargo auf. Panalpina, Schenker, DHL würden die Verbindung nutzen. Auch die China-Import-Export-Bank hat jetzt ihr okay für das Projekt gegeben.

Was meinen Sie mit Tourismus?
Pang: Alles was der Wirtschaft in Parchim nützt, ist gut. In dieser Woche haben wir zwei Treffen mit Vertretern eines niederländischen Unternehmens gehabt. Die finden die Region ideal für ein Kongresshotel mit Wellnessbereich. Aber ich sehe alles zusammen, Industrie und Tourismus, es muss auch zusammen wachsen und sich gegenseitig ergänzen. Also: Cargo als Highlight mit Luft, Wasser, Schiene und Straße und dazu die touristische Infrastruktur.
Herr Pang, Sie sind im Jahr Ihres Wirkens schon fast Parchimer Bürger geworden. Wie gefällt Ihnen die Stadt?
Pang: Besser und besser.Am Anfang wusste ich nicht, wo Parchim liegt, jetzt lerne ich es lieben. Wir haben in dieser Woche ein Abendessen im Slater Fährhaus gehabt: Phantastisch! Die Natur, Boote auf dem Fluss, das ist es, was Chinesen lieben. Wir sind vor einigen Tagen vom Hotel zur Schleuse gegangen und drei Stunden an der Elde entlang spaziert. Das ist eine attraktive Region für Investoren. Was brauchen Sie mehr?

Das heißt, Sie wollen nicht nur auf weltweite Frachtflüge sondern auch auf regionale Entwicklung setzen. Sind also auch Passagierflüge denkbar?
Pang: Ja, ganz klar. Auch das ist regional denkbar. Der Bus fährt drei Stunden von Hamburg nach Berlin. Von Parchim in die Metropolen dauert es nur etwa eine Stunde.

Diese Ideen sind einzeln nicht alle neu. Was zeichnet Ihr Engagement aus?
Pang: Ich sehe mich als jemanden, der die Dinge und die Menschen zusammenbringen will.
Wiederholen wir nicht Fehler und nennen zu früh konkrete Zahlen. Sicher ist aber, mit ihrem Projekt kommen Arbeitsplätze.

Parchimer fürchten, viele Arbeitskräfte würden dann aus China kommen. Ist da etwas dran?
Pang: Die weitaus meisten Arbeitsplätze werden für die Menschen in der Region entstehen. Ich fürchte eher, die Unternehmen bekommen nicht genug Fachkräfte.

Ganz persönlich: Klappt das Projekt?
Pang: Ja, ich glaube fest daran. Es ist wie gesagt ein Jahrhundertprojekt. Was macht da eine Verspätung von ein bis Monaten aus? Everthing is on time. Es ist noch alles im Zeitrahmen.

Den haben wir jetzt im Gespräch überschritten. Pilot Rolf Eichhorn drängt, Frankfurt wartet. Karin Strenz und Hoffmann Chang finden noch Zeit für eine Zigarette. Im April waren sie mit Kommunalpolitikern und Wirtschaftsvertretern auf Werbetour für den Parchimer Flughafen und Industrie- und Handelspark in China. Das schweißt zusammen. Seitdem nennen sie sich das Marco-Polo-Team. Strenz (40), Pang (42) und Chang (41) sind eine Generation, ihre Faszination für eine Neuauflage der Seidenstraße ist echt. „Wissen Sie“, sagt Karin Strenz, „wir haben jetzt ein günstiges Zeitfenster für das Projekt. Ich verstehe die Skepsis der Menschen hier, weil zwei Anläufe zur Privatisierung gescheitert sind. Aber die Zeit hat sich geändert, in China entwickelt sich ein Mittelstand mit entsprechenden Einkommen. Was das für die Handelsbeziehungen bedeutet, können wir noch gar nicht einschätzen.“ Jonathan Pang und Hoffmann Chang sitzen derweil in Eichhorns Cessna, die zur Startbahn rollt. Auf nach Frankfurt – für die Seidenstraße und für Parchim.

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