Jobwunder mit Beigeschmack

bubu
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01. Juli 2010, 11:52 Uhr

Potsdam | Die Arbeitslosigkeit in Brandenburg und Berlin ist der Statistik zufolge im Juni weiter gesunken. In beiden Ländern waren insgesamt 371 025 Menschen erwerbslos gemeldet, 10 050 weniger als im Vormonat und 27 659 weniger als vor einem Jahr, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit gestern in Berlin mitteilte. Die gemeinsame Arbeitslosenquote sank in der Hauptstadtregion im Vergleich zum Vormonat um 0,3 Punkte auf 12,2 Prozent. Vor einem Jahr hatte sie noch bei 13,2 Prozent gelegen. Der Arbeitsmarkt gewinne weiter an Fahrt, betonte die Chefin der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg, Margit Haupt-Koopmann, gestern.

Dagegen steht für den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) das vermeintliche Jobwunder in Deutschland "auf tönernen Füßen". In der Region Berlin-Brandenburg entstünden vornehmlich Minijobs, Leiharbeit oder andere prekäre Beschäftigung, wie es DGB-Bezirkschefin Doro Zinke formulierte. In der Großregion arbeiteten bereits rund 200 000 Menschen, deren karge Löhne mit Sozialhilfe aufgestockt werden müssten, da die Unternehmen ihnen Hungerlöhne zahlten.

Im Land Brandenburg reduzierte sich die Zahl der Erwerbslosen im Juni auf 142 432. Das waren 6302 Menschen ohne Job weniger als im Mai. Binnen Jahresfrist reduzierte sich die Zahl der Arbeitssuchenden um 20 089. Die Erwerbslosenquote sank damit gegenüber dem Vormonat um 0,5 Punkte auf 10,6 Prozent. Sie lag damit um 1,6 Punkte unter dem Vorjahreswert. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Brandenburg ist im Vergleich zum Vorjahr um 1,3 Prozent gestiegen. Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) wertete den Rückgang der Arbeitslosenzahlen unter elf Prozent als "Durchbruch" auf dem Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote von 10,6 Prozent sei eine Zäsur. Jedoch dürfe nicht vergessen werden, dass es noch viel zu viele Langzeitarbeitslose gebe. Ein Baustein, um dieses Problem zu lösen, sei das Programm "Arbeit für Brandenburg". Mit dem heute startenden Förderprogramm soll 6500 vorwiegend älteren Langzeitarbeitslosen eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in Kommunen und Verbänden vermittelt werden (wir berichteten mehrfach).

Landesarbeitsminister Günter Baaske (SPD) sieht im Rückgang der Arbeitslosenquote ein Zeichen dafür, dass der Arbeitsmarkt in Brandenburg auf "festen Füßen steht". Da die Zahl der Langzeitarbeitslosen weiterhin hoch sei, müsse sich die Regierung intensiv um diese Menschen kümmern. Der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Linksfraktion, Andreas Bernig sagte, was den Arbeitsmarkt angehe, sei Brandenburg "relativ gut durch die Krise gekommen".

Die CDU-Fraktion wertete die Arbeitsmarktzahlen als Ergebnis kontinuierlicher Politik der letzen Jahre unter der rot-schwarzen Landesregierung. Arbeitsmarktexpertin Roswitha Schier lobte, dass sich viele Menschen zu Leistung und Wettbewerb bekennen würden. Sie kritisierte die Vorschläge der rot-roten Regierung zur Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit. Das Land brauche reguläre Jobs und keine staatlich alimentierte Arbeitsmarktförderung, sagte Schier.

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