Jessenitz und seine Stahlkünstler

Es ist die berühmte Nische, die das Überleben eines Unternehmens in Deutschland ausmacht. Die Maschinenbau Jessenitz GmbH hat sie trotz ihres abgelegenen Standortes gefunden. Flexibilität, Genauigkeit und eine gute Arbeit mit einer motivierten Stammbelegschaft haben zu verblüffenden Ergebnissen geführt.

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04. März 2008, 07:20 Uhr

Jessenitz - Wer die etwas versteckt liegenden alten Gebäude in Jessenitz im Vorbeifahren überhaupt entdeckt, der käme nicht unbedingt auf die Idee, dass dort teure Spezialbauten aus Stahl geschweißt werden, die auch noch hoch genau gefertigt sind. Und doch hat das Unternehmen mit dem Bau von speziellen Hubgerüsten für Gabelstapler und mit Gehäuse für sehr genau arbeitende Industriewaagen seine Nische gefunden, in der es mit der Kooperation einiger großer Firmen, wie beispielsweise „Jungheinrich“, wirtschaftlich prima zurechtkommt.

Der Grund ist simpel und schwierig zugleich, das Unternehmen mit seinen gut 60 Mitarbeitern ist auf Sonderanfertigungen spezialisiert, z. B. bei Staplern. Die werden, wie Geschäftsführer Rainer Studtmann erläuterte, seltener als man denken würde von der Stange sprich in Serie gekauft. „Jede Halle, jede Einfahrt, jedes Regalsystem ist anders, und wir bauen die Stahlteile für den oder die Gabelstapler des Kunden.“

Dazu braucht man im doppelten Sinne des Wortes bewegliche Mitarbeiter, die vor allem mit Qualität überzeugen können. Und die liefern die Jessenitzer seit Jahren, wie sich Bürgermeisterin Ute Lindenau mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Hans-Jaochim Hacker in diesen Tagen überzeugen konnten. Das Jessenitzer Unternehmen ist eines der wenigen Beispiele für einen schnellen und gelungenen Übergang von der DDR- zur Marktwirtschaft. Denn schon zu Ost-Zeiten hatten die Jessenitzer als damaliger Kreisbetrieb für Landtechnik einen extrem guten Ruf. Aus dem Reparaturbetrieb wurde schnell ein Produktionsunternehmen, das die Förderschnecken für die Mähdrescher der Marke „Fortschritt“ herstellte.

Gute Schweißer waren schon damals gefragt, und diese Tradition konnte sich fortsetzen, weil es in Jessenitz weniger Gründe gab, in den Westen zu gehen. Und so verfügt das Unternehmen heute über eine Stammbelegschaft, die nicht nur begnadete Schweißer in ihren Reihen hat. Die Firma in dem Industriepark hat auch Möglichkeiten bei der Pulverbeschichtung und bei der Verarbeitung von Edelstahl weiter entwickeln können. Nicht umsonst werden in dem Dorf Jessenitz auch Gehäuse für extrem genaue Industriewaagen gefertigt, und das schon seit Jahren.

Und die Zeichen stehen auf Ausbau, der Boom im Transport- und Lagergewerbe hat die Jessenitzer längst erreicht, und der Aufschwung in der Logistikbranche verspricht auch für die kommenden Jahre ein solides Wachstum. Dafür, dass Jessenitz auch in Zukunft seine industrielle Basis behält, spricht auch die Zusammenarbeit mit dem im Landkreis wesentlich bekannteren Verein für Aus- und Weiterbildung. Für die Jugendlichen die dort betreut werden, besteht bei den unmittelbar benachbarten Maschinenbauern die Chance, im Praktikum einiges zu zeigen. „Einige haben das schon nutzen können“, weiß Betriebsleiter Christoff Schuster. In Zukunft will das Unternehmen in puncto Ausbildung noch mehr unternehmen. Der Fortschritt zeigt sich aber auch bei Baumaßnahmen. Noch in diesem Jahr soll ein 13 Meter hoher Testturm gebaut werden, indem die Hubgerüste für die Stapler intensiv getestet werden können, damit es bei Qualität „made in Jessenitz“ auch künftig bleiben kann.

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