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Mecklenburg-Vorpommern : Jedes fünfte Kind ist zu dick

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Der Anteil der übergewichtigen Kinder ist gestiegen. Die Schuleingangsuntersuchungen von 2009/2010 zeigen, dass 12,4 Prozent der Jungen und Mädchen übergewichtig sind.

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erstellt am 08.Apr.2011 | 01:04 Uhr

Der Anteil der übergewichtigen Kinder in Mecklenburg-Vorpommern ist gestiegen. Die Schuleingangsuntersuchungen von 2009/2010 zeigen, dass 12,4 Prozent der Jungen und Mädchen übergewichtig sind - im Vorjahr waren es noch 11,8 Prozent. Noch deutlicher hat die Zahl der adipösen - also krankhaft fettsüchtigen - Kinder zugenommen: von 4,7 auf 5,5 Prozent. Insgesamt ist demnach fast jedes fünfte Kind im Nordosten zu dick.

Da fast alle Drei- bis Sechsjährigen in Mecklenburg-Vorpommern eine Kita besuchen, verstärkt das Land nun seine Bemühungen um eine gesündere Kost in den Einrichtungen. Dazu wurde Ende vergangenen Jahres eine neue Vernetzungsstelle Kitaverpflegung eingerichtet, die Trägern, Speisenanbietern und Eltern mit Rat und Tat zur Seite stehen soll. "Der Beratungsbedarf ist groß", sagt Projektleiterin Roswitha Bley.

Sie hat eine Befragung zur Verpflegungssituation in den Kitas durchgeführt. Sei gestern liegt das Ergebnis vor: Demnach setzt erst knapp die Hälfte der Einrichtungen die Qualitätsstandards bei Speisen und Getränken um, die vor zwei Jahren eingeführt wurden und mit dem neuen Kita-Gesetz auch gesetzlich empfohlen werden. Nur wenige Kindertagesstätten verfügen außerdem über eine eigene Küche.

"Bio" bedeutet nicht zwangsläufig "teurer"

Aber es gibt auch bereits Verbesserungen: Trinkwasser und ungesüßte Getränke sind inzwischen in fast allen Einrichtungen für die Kinder immer verfügbar. Mehr als 90 Prozent der Kitas achten nach eigenen Angaben darauf, dass es täglich frisches Obst und Gemüse gibt. Viele sind mit ihrem Caterer zufrieden - oder stehen konsequent vor einem Wechsel. Bio-Essen ist allerdings immer noch Mangelware, obwohl mehrere Einrichtungen dies laut Fragebogen gern ändern würden.

Dass "Bio" nicht zwangsläufig "teurer" bedeuten muss, ist nur einer von vielen Hinweisen, die Roswitha Bley und ihre Mitarbeiter gern weitergeben. Gerade bei Kartoffeln oder Gemüse seien die Preisunterschiede oft nur gering, weiß die Expertin. Empfohlen wird, dass mindestens zehn Prozent der Lebensmittel aus ökologischer Landwirtschaft stammen sollen.

Generell ist die Vernetzungsstelle dafür da, den Kitas dabei zu helfen, die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) entwickelten Qualitätsstandards für Speisen und Getränke umzusetzen. Dies sei oft weniger aufwendig als von den Beteiligten befürchtet, betont Roswitha Bley. Die immer noch viel zu hohen Fleisch- und Wurstmengen ließen sich beispielsweise problemlos reduzieren und durch andere Eiweiß- und Eisenlieferanten ersetzen. So reichten 280 Gramm Fleisch pro Woche für Vier- bis Sechsjährige völlig aus.

Die zentrale Informations- und Anlaufstelle gibt auch Tipps für die Umsetzung der nun gesetzlich verankerten Vollverpflegung in den Kitas Mecklenburg-Vorpommerns. Der Durchschnittspreis für die Vollverpflegung liegt der Umfrage zufolge landesweit bei drei Euro pro Tag.

Vollwertige Ernährung über den ganzen Tag

"Ziel ist ein stimmiger Speisenplan für den ganzen Tag", sagt Roswitha Bley. Gespräche mit Ernährungsberatern, Schulungen, Elternabende, Kostenorientierung - das alles gehört zum Informationsangebot. Unterstützung erhält die Vernetzungsstelle dabei von Projektpartnern wie der Neuen Verbrau cherzen trale im Land.

Träger der Vernetzungsstelle Kitaverpflegung ist die DGE. Finanziert wird das Projekt vom Sozialministerium in Mecklenburg-Vorpommern. Geplante Laufzeit: bis Ende 2013. Roswitha Bley hofft allerdings auf eine Verlängerung, um dem großen Beratungsbedarf gerecht werden zu können.

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