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Jeder zweite Werftarbeiter hat keine Zukunft bei Nordic

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erstellt am 20.Dez.2009 | 05:30 Uhr

Wismar | Für die Werftarbeiter in Wismar und Warnemünde sahen die Festtage in den vergangenen Jahren immer ähnlich aus: Zwischen Weihnachten und Neujahr mussten sie nicht in ihre Firma. Sie konnten die freie Zeit genießen, um im Januar erholt wieder zur Arbeit zu gehen. Doch 2009 haben sich die Dinge geändert. Mit der Fertigstellung des vorerst letzten Containerschiffs gehen in Warnemünde die Lichter aus. In Wismar dagegen wissen die Kollegen nicht, ob sie zwischen den Feiertagen an den Fähren für die schwedische Stena-Reederei arbeiten müssen, um den Auslieferungstermin halten zu können. Diese Ungewissheit passt ins Bild eines turbulenten Jahres, das die früheren Wadan-Werften hinter sich haben.

"Wir sind so hoffnungsvoll ins Jahr 2009 gestartet", erinnert sich der frühere Warnemünder Wadan-Betriebsrat Harald Ruschel. Von neuen Aufträgen für die Werften war damals die Rede. "Dass etwas nicht stimmt, haben wir dann im Februar gemerkt, als es hieß, es gebe Probleme bei der Finanzierung."

Die Kollegen verzichteten auf eine Sonderzahlung in Höhe von 1000 Euro, um ihren Beitrag zu leisten, aber es war umsonst. Im Mai betrug die Deckungslücke 5 Millionen Euro, im Juni kam schließlich die Insolvenz der in russischer Hand befindlichen Schiffbaubetriebe. Der Wadan-Betriebsrat gibt der Landesregierung eine Mitschuld: "Die Unterstützung damals wären Peanuts gewesen im Vergleich dazu, was jetzt bezahlt werden muss."

Mit der Schließung der Werften wurden die Beschäftigten in Transfergesellschaften untergebracht, für deren Finanzierung Schwerin zunächst 20,5 Millionen Euro an Krediten zur Verfügung stellte und dann im November noch einmal 4 Millionen nachschoss.

Über die Aufgabe der Transfergesellschaften gab es von Anfang an unterschiedliche Auffassungen. Während die Arbeitnehmervertreter der Ansicht waren, es sollte vor allem die Belegschaft zusammengehalten werden, bis ein Investor gefunden wird, wollte der Geschäftsführer der Gesellschaften, Oliver Fieber, die Kollegen für neue Jobs qualifizieren. "Es wird immer klarer, dass für viele die Zukunft nicht bei Nordic liegen wird", sagt Fieber. Er geht davon aus, dass es für die Hälfte der Arbeiter keine Beschäftigungsperspektive auf den Werften gibt.

Bislang haben zwar erst 14 Beschäftigte gekündigt, 50 weitere arbeiten derzeit bei anderen Unternehmen, können aber jederzeit wieder in die Transfergesellschaft zurückkehren. Die Aussichten, anderswo unterzukommen, seien gar nicht so schlecht, schätzt Fieber. "Wir haben alleine in unserer Datei 540 Stellen im Umkreis von 100 Kilometern, die in Frage kommen." Allerdings müssten die Werftarbeiter sich darauf einstellen, künftig in kleineren Firmen zu arbeiten. "Das ist eine große Herausforderung für Beschäftigte großer Unternehmen, die es gewohnt sind, arbeitsteilig zu arbeiten." Nicht zuletzt dürften auch die Verdienstmöglichkeiten nicht so gut sein wie auf den Werften.

Aber vielleicht wird der neue russische Investor Vitaly Jussufow den Hoffnungen, die in ihn gesetzt wurden, doch gerecht. Neue Aufträge konnte er zwar bislang nicht präsentieren, aber das Unternehmen bestätigte, dass Anfang Dezember 20 Konstrukteure unbefristet eingestellt wurden.

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