Wann rückt die Polizei aus? : Jeder zweite Notruf ist ein Notfall

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Echte Notfälle, aber auch Fragen nach dem Kinoprogramm oder Redebedarf bei Liebeskummer hielten die Beamten der Landespolizei im vergangenen Jahr auf Trab. Nur aus rund jedem zweiten Anruf ergab sich ein Einsatz.

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04. Juni 2012, 10:08 Uhr

Schwerin/Rostock | Echte Notfälle, aber auch Fragen nach dem Kinoprogramm oder Redebedarf bei Liebeskummer hielten die Beamten in den beiden Einsatzleitstellen der Landespolizei im vergangenen Jahr auf Trab. Nur aus rund jedem zweiten Anruf ergab sich ein Einsatz für Streifenwagen. Das zeigen Stichproben an den Standorten Waldeck für das Polizeipräsidium Rostock und Neubrandenburg für das Polizeipräsidium Neubrandenburg.

Manche dringenden Fälle ließen sich demnach ohne Funkwagen klären. Darüber hinaus wurde die Notrufleitung "110" aber auch durch unwichtige Anrufe blockiert. So berichten die Mitarbeiter in den Einsatzleitstellen von Bürgern, die sich nach Kinoöffnungszeiten erkundigten oder von einsamen Menschen, die nach einer verschmähten Liebe ein offenes Ohr suchten. Andere wollten nach einer Feier ein Taxi bestellen oder hatten sich bei den Ziffern von ähnlich beginnenden Telefonauskunftnummern vertippt, so dass sie unweigerlich mit der Polizei verbunden wurden.

Gespräche werden zügig beendet

Die genaue Zahl von unerwünschten und unsinnigen Anrufen werde in MV nicht erfasst, sagt Michael Teich, Pressesprecher im Innenministerium. Solche Gespräche würden allerdings zügig beendet, da die Leitung für echte Notrufe verfügbar sein müssen. Ein unangekündigter Abbruch des Gesprächs und ein anschließender Hinweis durch eine automatische Ansage wie in Berlin werde im Nordosten aber nicht praktiziert. "Grundsätzlich wird bei der Annahme eines Anrufs zunächst von Ernsthaftigkeit ausgegangen", betont Teich.

Spaßanrufe gelten als Straftat

Keine Probleme haben die Beamten zum Beispiel mit Fahrzeughaltern, die sich nach einem abgeschleppten Auto erkundigen. Da die Fahrer in der Regel davon ausgingen, dass ihr Wagen gestohlen und nicht abgeschleppt wurde, sei der Anruf bei der Polizei zunächst gerechtfertigt, sagt Teich.

Wieviele Notrufe die Landespolizei 2011 insgesamt entgegennahm, lässt sich nach Angaben des Innenministeriums auch wegen der Zusammenlegung der bis dahin fünf Einsatzleitstellen an zwei Standorten im vergangenen Jahr nicht beziffern. Eine Vielzahl von Anrufen gehe außerdem direkt bei den Polizeirevieren ein.

Wer den Notruf bewusst missbraucht und aus Spaß eine Notlage vortäuscht, muss mit heftigen Sanktionen rechnen. Der Anrufer begeht dann eine Straftat, die mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe geahndet werden kann.

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