Jeder Millimeter ist zuviel

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15. April 2008, 07:25 Uhr

Prignitz - Joachim Jammer, Geschäftsführer der Lenzener Wische Rinderzucht GmbH, verdeutlicht die Situation an Hand von Zahlen: „Bereits 2007 erreichten wir mit 982 Litern Niederschlag je Quadratmeter die doppelte Menge des Normalwertes. Von Januar 2008 bis jetzt hatten wir bereits rund 260 Liter. Das fällt sonst in einem halben Jahr.“ Für Jammer wie auch für andere Landwirte deren Acker- und Grünlandflächen nah an Elbe und Havel liegen, kommt erschwerend der seit Monaten dauernde Anstau der Flüsse hinzu. Das Oberflächenwasser kann weder versickern noch verdunsten.

„Jeder Millimeter, der jetzt noch fällt, ist zu viel“, sagt Dirk Glaeser, Geschäftsführer der Agrarproduktivgenossenschaft (APG) Abbendorf. Während Jammer bei Getreide und Raps bereits 35 bis 50 Prozent Ernteausfälle prognostiziert, rechnet Glaeser mit einem Ausfall nicht unter zehn Prozent bei allen Kulturen.

Knapp, so Glaeser, würden zudem trittfeste Weideflächen für die Mutterkühe. Die Standorte seien aufgebraucht, man könne nicht an die Elbe. „Wir hangeln uns von Woche zu Woche und versuchen, das Beste draus zu machen“, sagt Dirk Glaeser.

Wurzeln faulen, Flächen bleiben unbeackert
Die Probleme, die das Wasser mit sich bringt sind vielschichtig: Wurzeln verfaulen, der Boden enthält auf Grund der Nässe zu wenig Luft, Saatgut, Dünger und Pflanzenschutzmittel können nicht termingerecht ausgebracht werden, weil Flächen nicht erreichbar sind. Fatal könnten die Folgen sein, wenn nach der Nässe eine Trockenperiode käme: Da ihnen das Wasser faktisch bis zum Hals steht, haben viele Pflanzen ihre Wurzeln nicht tief genug ausgeprägt und würden sehr schnell verdorren, erläutert Dirk Glaeser.

Im Osten des Landkreises sieht die Lage nicht viel besser aus. Die Mitarbeiter der Agrargenossenschaft Mesendorf bei Pritzwalk beispielsweise liegen weder bei Saatkartoffeln noch beim Ausbringen von Gülle oder Stallmist im Zeitplan. „Alle Arbeiten verzögern sich. Die finanziellen Auswirkungen können wir noch nicht beziffern“, unterstreicht Gerd Rivinius, stellvertretender Geschäftsführer des Unternehmens.

Das Wasser hat auch sein Gutes
Ulf Oestreicher, Landwirt aus Abbendorf, verkaufte gar schon sein Sommergetreide, weil er es nicht aufs Feld bringen kann. Ähnliches droht dem Mais: „Wenn wir bis zum 10. Mai nicht auf unsere Flächen kommen, kann ich das Saatgut in der Tüte lassen“, so Oestreicher.
Auch Ulrich Kieback, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Halenbeck und Vorstandsvorsitzender des Kreisbauernverbandes, treiben die Wassermassen Sorgenfalten auf die Stirn. Die Probleme sieht er ähnlich wie seine Kollegen. Allerdings fand Kieback die große Trockenheit im Frühjahr 2007 wesentlich prekärer.

Gut sei zudem, dass die Grundwasservorräte seit Jahren endlich einmal wieder aufgefüllt wurden. „Sölle und Tümpel sind überall voll – so, wie ich das aus früheren Zeiten kenne“, sagt der Landwirt.

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