Jeder dritte Versicherte entlastet

Für die meisten Versicherten in Deutschland werden die Krankenkassenbeiträge durch den geplanten Einheitssatz von 15,5 Prozent ab 2009 steigen. In MV wird dagegen mehr als ein Drittel der Kassenpatienten entlastet, weil der bislang vergleichsweise hohe Satz für AOK-Mitglieder sinkt.

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06. Oktober 2008, 06:23 Uhr

Schwerin - Bisher liegt der Satz der AOK in MV bei 15,8 Prozent. Rechnet man noch den Zusatzbeitrag für Arbeitnehmer von 0,9 Prozent hinzu, sind es sogar insgesamt 16,7 Prozent. Bei einem Einheitssatz von 15,5 Prozent beträgt die Ersparnis also 1,2 Beitragspunkte – 0,6 für den Versicherten und 0,6 für den Arbeitgeber. „Wir freuen uns, dass die Beiträge bei gleicher Leistung sinken“, sagte gestern Pressesprecher Markus Juhls. Die AOK in MV profitiere vom bundesweiten Gesundheitsfonds. Zum einen gleiche er die geringeren Einnahmen durch die niedrigen Löhne im Land aus. Zum anderen werde das Geld nun krankheitsorientiert verteilt. Da MV bei Krankheitshäufigkeiten bundesweit vorn liegt, sei dies eine gerechtere Verteilung, meint Juhls.

Dennoch hält die AOK die Höhe des Einheitssatzes für problematisch. Wie viele andere Kassen fordert auch sie einen Satz von 15,8 Prozent, um neue Mehrkosten in Milliardenhöhe aufzufangen. Dazu gehören die Honorarreform für Ärzte, die Finanzspritze für Krankenhäuser und die steigenden Arzneimittelpreise.

Die Barmer Ersatzkasse – mit rund 200 000 Mitgliedern die zweitgrößte Kasse in MV – hofft deshalb, dass die Politik die steigenden Ausgaben begrenzt. Nur so könnten 15,5 Prozent kostendeckend sein, sagt Pressesprecher Wolfgang Klink. Bei der Barmer müssten Arbeitgeber und Versicherte jeweils 0,1 Beitragspunkt mehr bezahlen. Bislang liegt der Satz bei 14,4 plus 0,9 Prozent Zusatzbeitrag für Versicherte (15,3 Prozent). Bei der DAK, der drittgrößten Kasse in MV, wären es jeweils 0,05 Beitragspunkte mehr für Versicherte und Arbeitgeber. Die Kasse begrüßt, dass „künftig nicht der Preis, sondern die Leistung den Wettbewerb bestimmt“. Die TK in MV kritisiert dagegen, dass nun die Politik den Beitrag vorgibt. „Wir haben mit bislang 13,8 Prozent straff kalkuliert“, so Rolando Schadowksi von der TK. Jetzt wird der Satz für die Versicherten voraussichtlich um 0,4 Beitragspunkte steigen.


Beispiel-Rechnung für die AOK in MV


Bei den bisherigen Sätzen wird der Versicherten-Zusatzbeitrag von 0,9 Prozent erst nachträglich hinzugerechnet. Beispiel AOK in MV: Der Satz von bislang 15,8 Prozent bedeutet für den Arbeitgeber 7,9 Prozent und für den Versicherten 7,9 plus 0,9 – also 8,8 Prozent. Bei dem geplanten Einheitssatz von 15,5 Prozent sind die 0,9 Prozent dagegen inklusive. Deshalb teilt man nicht 15,5 durch zwei, sondern 14,6. Der Arbeitgeber zahlt 7,3 Prozent, der Versicherte 7,3 plus 0,9 – also 8,2 Prozent. Insgesamt sinkt der Satz damit um 1,2 Beitragspunkte – 0,6 für den Versicherten und 0,6 für den Arbeitgeber. Bei einem Bruttolohn von 2000 Euro würde ein Versicherter demnach zwölf Euro im Monat sparen.
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