Jäger: Veranstalter hat Sicherheitskonzept nicht eingehalten

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28. Juli 2010, 04:02 Uhr

Stadt, Veranstalter oder Polizei - wer trägt welche Schuld am Loveparade-Unglück von Duisburg? Etwas mehr Klarheit könnte der Zwischenbericht von NRW-Innenminster Ralf Jäger bringen, den er heute in Düsseldorf vorstellte.

15:15 Uhr:

Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) sieht viel Verantwortung für das Unglück bei der Duisburger Loveparade beim Veranstalter. Jäger stellte am Mittwoch einen vorläufigen Bericht der Duisburger Polizei zum Loveparade-Unglück vor, bei dem 21 Menschen starben und mehr als 500 verletzt wurden.

„Ich selbst bin Duisburger“, sagte Jäger in Düsseldorf. Er habe die schlimmen Erlebnisse mit Freunden und Bekannten miterlebt. Er fühle mit den Angehörigen und Freunden der Opfer. Zugleich finde er es „unerträglich“, wenn Verantwortung auf Seiten der Stadt oder des Veranstalters abgeschoben werde.

Die bei der Loveparade eingesetzten Polizeibeamten waren ausschließlich für den nicht abgesperrten Bereich außerhalb des Festgeländes zuständig. Erst als die Situation „außer Kontrolle“ geraten sei, habe der Veranstalter der Loveparade die Polizei in Duisburg um Hilfe gebeten.

15:20 Uhr:

Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Polizeiinspekteurs Dieter Wehe hat die Polizei vor der Loveparade Bedenken zum Tunnel als Eingangsbereich kundgetan. Der Veranstalter habe das Gelände später als geplant geöffnet - erst nach 12.00 Uhr. Die Polizei habe die Genehmigung der Loveparade erst am Samstag erhalten. 4000 NRW- Polizisten und 1300 Bundespolizisten waren im Einsatz.

15:25 Uhr:

Nach Angaben des nordrhein-westfälische Polizeiinspekteurs Dieter Wehe hatte der Tunnel eine Kapazität von 30 000 Menschen pro Stunde. Eine größere Menschenmenge sei am Tunnel verblieben und habe einen Rückstau verursacht. Um 15.30 Uhr habe der Veranstalter die Polizei um Hilfe gebeten.

Der Veranstalter habe die Ordner um 15.46 Uhr angewiesen, die Schleusen zu sperren, damit keine Menschen in den überfüllten Tunnel nachströmen. Dies sei aber nicht umgesetzt worden, sagte Wehe. Die Veranstalter hätten zudem Zaunelemente entfernt, um Krankenwagen durchzulassen. Durch die Lücken seien dann Menschen eingeströmt.

15:30 Uhr:

Die vorhandenen Ordner hätten nicht ausgereicht. Sie hätten die Besucher im Eingang zum Weitergehen auffordern sollen. Um 17.02 Uhr seien der Polizei erste Opfer auf der Rampe gemeldet worden. Ein Absperrzaun sei umgerissen worden und die Menschen drängten zur Treppe an der Rampe. Dadurch habe sich der Druck enorm erhöht. Die umgerissenen Zäune hätten vermutlich als Stolperfalle gewirkt.

15:35 Uhr:

Nach Angaben von NRW-Innenminister Jäger habe der folgende Rettungseinsatz gut funktioniert. Die Einsatzkräfte hätten gut zusammengearbeitet. Nur dadurch seien noch schlimmere Folgen vermieden worden. Der Veranstalter habe sein Sicherheitskonzept im Eingangsbereich nicht umgesetzt. Zudem stelle er sich eine gute Zusammenarbeit mit der Stadt, die die Genehmigung der Polizei erst kurz vorher ausgehändigt habe, anders vor, sagte Jäger.

15:45 Uhr:

Am westlichen Tunneleingang sei die Hälfte der Schleusen zunächst gar nicht von Ordnern besetzt gewesen. Dadurch hätten sich dort bis zu 20 000 Menschen aufgestaut. Die Polizei habe den Veranstalter darauf hinweisen müssen, sagte Wehe. Die Menschen seien vor den Schleusen bereits unruhig und aggressiv geworden.

16:00 Uhr

„Am Veranstaltungsort hat ausschließlich der Veranstalter die Verantwortung“, sagte Jäger. „Die Polizei hat versucht zu tun, was eigentlich der Veranstalter zu tun hatte.“ Jäger zitierte eine Augenzeugin, wonach die Raver eine Polizeikette, die die Menschen im Tunneleingang zurückhalten wollte, überrannt habe. Die Ermittler müssten nun klären, warum der Veranstalter die Schleusen nicht geschlossen hat. Auf welcher Grundlage die Stadt Duisburg die Loveparade genehmigt habe, müsse die Stadt erklären.

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